"Da sah ich wieder einen Engel, der hoch in der Mitte des Himmels flog. Er hatte eine ewig gültige Heilsbotschaft
( ein ewig gültiges Evangelium ) den Bewohnern der Erde, allen Völkern, Stämmen, Sprachen und Geschlechtern
zu verkünden: Fürchtet Gott und gebt Ihm Ehre, denn die Stunde Seines Gerichts ist gekommen; und
betet den an, der den Himmel gemacht und die Erde und das Meer und die Wasserquellen."
( Offenbarung 14, 6-7 )

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Das Große Evangelium Johannes


Dieses Werk ( 10 Bände je 450 Seiten, entstanden: 1851-64 ) bildet
das Herz- und Hauptstück der Gottesbotschaft durch Jakob Lorber.




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Band 1
Band 2
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Vorwort zu "Das Große Evangelium Johannes":

Mit Jesus Christus gestaltete sich vor circa 2000 Jahren das Kommen des Messias ganz anders als es die meisten damaligen Schriftgelehrten erwartet hatten. ( Denn Jesus Christus brachte nicht das messianische Reich in sichtbarer Gestalt. Er brachte auch nicht in einer äußerlich erfahrbaren Weise den neuen Himmel und die neue Erde, sondern vielmehr das Wesentliche der biblischen Offenbarung: Die Sichtbarmachung des Wortes Gottes und den Umkehr-Ruf zu Seinem Reich. Durch Ihn kam das Evangelium von der rettenden Gnade Gottes. ) Die meisten damaligen Schriftgelehrten stellten sich stattdessen Seine Ankunft so vor, wie sie es wollten, und behaupteten gleichzeitig: Das Alte Testament hätte es anders vorausgesagt. ( Sie glaubten, dass der Messias als erobernder König oder Volksheld kommen würde, und verstanden nicht, dass der Herr sich den Seinen auf eine ganz andere Weise "offenbaren" würde: Er trat ins Fleisch eines Menschen und lehrte als "Gottmensch" ( Gr. Ev. Joh., Bd. 3, Kap. 153, V. 11 ) den Weg des Heils. )

Trotz der falschen Einschätzung der Schriftgelehrten und Pharisäer vollzog sich vor circa 2000 Jahren mit Jesus Christus die genaue Erfüllung der Prophezeiungen des Alten Testaments. Das heißt: Auch wenn man von Jesus Christus im Neuen Testament eine andere ( mehr liebevollere ) Sprache als von dem "Gott des Gesetzes" des Alten Testaments vernimmt, geht es bei Jesus Christus - genau wie im Alten Testament - immer um die eine Sache: Die Gnade Gottes zu Seinem Volk - speziell: Um die "geistige" Befreiung des Menschen von den Folgen einer ausschließlich diesseitigen Lebensplanung ( zum Beispiel von einer habgierigen, materialistischen und rücksichtslosen Gesellschaftsordnung, die die Menschen scharf in Besitzer und Habenichtse einteilt, wobei die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden ).

In der Neuoffenbarung spricht in diesem Zusammenhang einer der Schriftgelehrten und Pharisäer zu Jesus Christus: "Herr und Meister, ich habe nun bei mir Deine Worte so gut als möglich erwogen und habe gefunden, dass Du nach den reinsten Menschenvernunftprinzipien ganz recht hast und nach dem, was Du ohne allen Zweifel bist, auch recht haben musst; aber nachdem in Dir der ewige Geist Jehovas wohnt, Dein Herz Sein Thron ist, und Er aus Dir redet und durch Seinen allmächtigen Willen handelt und die ganze Schöpfung erhält und regiert, so begreife ich nicht, wie Er einst auf Sinai dem Moses die Heiligung des Sabbats gar strenge durch ein eigenes Gesetz mit beigegebener Art und Weise, wie der Sabbat zu heiligen ist, hat geben können? Er hätte damals als Einer und Derselbe ja auch so reden können, wie Du nun klar und weise vor uns geredet hast, und man wäre nie auf eine tatlose und zeremonielle Heiligung des Sabbats verfallen! Ja, man weiß es sogar, dass Juden, die den Sabbat durch knechtliche Arbeit entheiligt haben, von Gott augenscheinlich gezüchtigt worden sind! Warum hat demnach Gott durch Moses nur den Sabbat zu heiligen befohlen und warum denselben nicht so gestellt, wie Du ihn nun gestellt hast? Gott ist ja doch ewig unveränderlich in Seinen Ratschlüssen und kann Seine Worte nicht ändern!"

Daraufhin antwortete Jesus Christus: "Nun hat der Schriftgelehrte aus dir gesprochen; aber er hat in dieser Sprache auch offen gezeigt, dass er die Schrift noch nie auch nur im geringsten Teile verstanden hat - und am allerwenigsten die Bücher Mosis! Damals war es für die in Ägypten sehr entarteten Juden notwendig, dass ihnen ein Tag zur Rast von der knechtlichen Arbeit und zur Anhörung des Wortes Gottes anbefohlen wurde; denn ohne ein solches Gebot wären sie nach wie vor, wie sie sich's in Ägypten zur Gewohnheit gemacht hatten, wohl an keinem Tage zu einer Ruhe und noch weniger zur Anhörung des Wortes Gottes gelangt. Denn das jüdische Volk war sinnlich und sorgte sich Tag und Nacht um nichts anderes, als wie es sich Mittel verschaffen könnte, um den Bauch mit Fleisch vollzufüllen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 8. Kap. 91, V. 1-2 )

Um es noch einmal mit anderen Worten zu sagen: Jesus Christus war von Seiner Wurzel her ein Jude, und Er blieb es auch. Er war dann aber über das Judentum hinausgewachsen durch die Rückkehr zum Ursprung. Darin lag nun Seine Originalität. Man kann auch sagen: Er radikalisierte das Judentum, indem Er es verinnerlichte, indem Er die reine Gesinnung im ethischen Handeln forderte und die totale Bindung des Menschen an Gott und an Seinen ursprünglichen Willen.

Und so steht für viele heute fest: Jesus Christus war der einzige vollkommene Mensch, der je gelebt hat. Er hatte nie ein falsches Wort gesagt und nie etwas Schlechtes getan. Doch war vor circa 2000 Jahren die Verderbtheit des menschlichen Herzens so groß, dass die Menschen sagten, als Er kam und Worte voll Liebe und Weisheit sprach, Er habe "einen Dämon" und sei "von Sinnen" ( Johannes 10, 20-21 ). Er sei es nicht wert, gehört zu werden. Das war eine der großen Ungeheuerlichkeiten der Menschheitsgeschichte. Andere Menschen dachten anders. Sie erkannten, dass die "Reden" und Werke des Herrn Jesus die einer guten Macht waren und nicht die eines Dämons.

Unjüdisch war an Jesus Christus Seine Nähe zu Gott, die Er lebte und die Er verkündigte, sowie die Souveränität, mit der Er auftrat, vor allem in Seiner überlegenen Interpretation des Gotteswillens, und wenn Er eine alle rassischen, religiösen und gesellschaftlichen Schranken überwindende Liebe verkündigte, wenn Er sich selber, Seiner Person eine zentrale Stelle in Seiner Verkündigung zuerkannte, wenn Er selber in Seiner Person an die Stelle des Gesetzes trat.

Das war ein Novum im Hinblick auf das Alte Testament, dass Jesus Christus Seine Jünger an Seine Person band: Er erhob den Anspruch, unmittelbar den absoluten Willen Gottes zu kennen, zu offenbaren und in Seiner Person zu repräsentieren. Und dennoch war Jesus Christus ganz Mensch Seiner Zeit und Seiner Kultur. Er trat quasi als jüdischer Schriftgelehrter auf und umgab sich mit Schülern, ganz wie es der Art der jüdischen Schriftgelehrten entsprach ... Und dies wurde auch von Seinen Jüngern so verstanden: Von Anfang an war Jesus Christus in den Augen Seiner Jünger mehr als ein Mensch. Er war für sie der Erlöser schlechthin, der die Erlösung im Zeichen des Kreuzes bewirkte.

Das Neue Testament spricht hier gern vom Blut Christi, das die Erlösung der Menschen bewirkt hat. Das Opfer des Kreuzes bewirkte die Versöhnung. Denn der Tod Jesu Christi wurde als Sühnetod verstanden, dessen Gegenstand die Sünden der Menschen waren: Jesus Christus starb den Tod stellvertretend für die Menschen, die ihn eigentlich hätten selber sterben müssen. Dieser Tod war ein Menschenopfer, das Jesus Christus selber darbrachte, dessen Kern Seine Hingabe war, die ein Ausdruck Seines Gehorsams und Seiner Liebe war.

Jesus Christus sprach ( Johannes 10, 3 ): "Die Schafe hören" die "Stimme" des Hirten. Sie erkennen seine "Stimme"; sie kommt vom wahren Hirten. So wie "wahre Schafe" die Stimme ihres Hirten erkennen, so erkannten auch einige mit einem ernsthaft suchenden Herzen vor circa 2000 Jahren den Messias, als Er vor ihnen erschien. Sie folgten Ihm daraufhin wie "wahre Schafe". Doch sie wurden nicht dadurch zu "Schafen", dass sie Seinem Vorbild äußerlich nacheiferten, sondern allein innerlich - durch die geistige Wiedergeburt.

Das sichtbare Zeichen christlicher Jüngerschaft ist somit nicht ein am Hals oder am Revers getragenes Kreuz oder sonst eine besondere Art der Kleidung. Jeder könnte auf diese Art behaupten, ein Christ zu sein. Das wahre Kennzeichen des Christen ist seine Liebe zu seinen Mitchristen in der Ordnung Gottes. Das erfordert göttliche Kraft, und diese Kraft wird nur denen gegeben, die den Heiligen Geist haben.

Ein Gläubiger kann demnach nur dann die Frucht eines christusähnlichen Charakters bringen, wenn er jeden Augenblick in der Liebe zu Gott lebt. Somit führt der eigentliche Weg weder über die Zehn Gebote noch über die Goldene Regel, die Sakramente oder die Kirchenmitgliedschaft, sondern einzig und allein über Jesus Christus selbst ... und damit Seine "Stimme" auch in der heutigen Zeit noch unverfälscht zu Seinen "Schafen" durchdringen kann, wurde den Menschen vom Gott der Liebe das Johannes-Evangelium in einer neuen, erweiterten Fassung gegeben ... auf das Seine "Schafe" jeden Tag aufs Neue - wie die Menschen vor circa 2000 Jahren - Weide im Wort Gottes finden können. Jesus hatte hierzu einst gesagt ( Johannes 14, 6 ): "Niemand kommt zum Vater als nur durch Mich."

Das neue, erweiterte Johannes-Evangelium - "Das Große Evangelium Johannes" - ist - wie das ursprüngliche Johannes-Evangelium - eher mehr tiefgründig-geistlich und entschieden evangelistisch ausgerichtet, denn schon der Apostel - und Augenzeuge ( Johannes 1, 14 ) - Johannes schrieb einst vor circa 2000 Jahren das vierte Evangelium über das dreijährige öffentliche Wirken Jesu Christi als ein deutliches Zeugnis von Seiner Gottheit, "damit ihr glaubt" ( Johannes 20, 31 ). Das heißt: Der Jesus des Neuen Testaments ist mit dem Gott des Alten Testaments identisch: Er ist die erfüllte Prophetie ... und durch diesen Ansatz wurde auch das Johannes-Evangelium zu einem der Lieblingsbücher - wenn nicht sogar zum Lieblingsbuch - der reifen und hingegebenen Christen.

Charles Rosenbury Erdman ( 1866-1960 ), ein Theologe der presbyterianischen Kirche, schrieb hierzu, dass das vierte Evangelium "mehr Menschen bewegt hat, Christus nachzufolgen, mehr Gläubige zum treuen Dienst ermutigt hat und den Theologen mehr schwierige Probleme bereitet hat, als jedes andere Buch."

Auf die Frage Jesu ( Lukas 9, 18 ): "Was sagen die Volksmengen, wer Ich bin?" gab es vor circa 2000 Jahren die unterschiedlichsten Antworten. Alle Arten von Gerüchten und Ansichten schwirrten zu dieser Zeit herum. Jesus Christus war in aller Munde. Und die Menschen redeten nicht nur über Ihn, nein: Er war in ihren Augen ein großartiger Mensch. Einige waren der Meinung, dass Er der wiederauferstandene Johannes der Täufer sei. Andere sagten, Er erinnere sie an Elia. Andere sprachen von Jeremia oder anderen Propheten. Mit anderen Worten, man war sich zwar nicht einig, wer Jesus Christus war, doch man stimmte im Blick darauf überein, dass Er sehr bedeutend war. Er hatte Seinen Platz unter den Helden Seines Volkes gefunden. Das ist übrigens auch heute noch so. Wegen Jesus Christus trennen sich die Menschen. Einige sagen, Er sei nur ein Mensch wie wir gewesen. Andere sind bereit, zuzugeben, dass Er der größte aller Menschen war.


Oswald Sattler - "Spiritus Sanctus"


Es ist somit wichtig, zu sehen, wie sich in dieser Angelegenheit die Geschichte wiederholt. Wieder einmal ist Jesus Christus in aller Munde. Er wird heute weit über den Kreis der christlichen Kirchen hinaus diskutiert. Man hat eine Menge verschiedener Urteile über Ihn auf Lager. Der eine sieht Jesus Christus als den Poeten. Der andere sieht in Ihm den Mann der Tat. Wiederum ein anderer sieht Ihn als Mystiker ... Menschen, die alles andere als evangelikal sind, sind bereit, Jesus Christus als das Vorbild für jeden Heiligen und als Führer von sämtlichen moralischen Führern aller Zeiten herauszustellen. Wie die Menschen Seiner Tage, die Jesus Christus für Johannes, Elia oder Jeremia hielten, so sind sich die Menschen auch heute einig, dass unter den Heiligen und Helden aller Zeiten Jesus Christus an der ersten Stelle steht.

Doch Jesus Christus gab sich mit einer derartigen Anerkennung nicht zufrieden. Die Menschen sagten, dass Er Johannes, Elia oder Jeremia sei. Doch das bedeutete, dass Er einer unter vielen war. Es bedeutete, dass es ähnliche wie Ihn gab, dass Er zwar in der ersten Reihe stand, doch nur primus inter pares, der Erste unter Gleichen, war.

Doch ganz sicher kommt dies nicht dem gleich, was Jesus Christus im Neuen Testaments für Sich beanspruchte. Die Menschen können Jesu Christi Anspruch zustimmen oder Ihn ablehnen, doch hinsichtlich dieses Anspruchs als solchen gibt es keinerlei Zweifel. Jesus Christus beanspruchte, im Blick auf Sein Werk und Seine Person beispiellos, einmalig, unvergleichlich und einzigartig zu sein ... und genau dies ereignet sich auch heute mit dem Neuoffenbarungswerk "Das Große Evangelium Johannes" wieder.

In diesem Neuoffenbarungswerk kann der Mensch Einsichten lernen und Unterweisungen empfangen, die lebenspraktische Fähigkeiten vermitteln. Hier kann der Mensch lernen, das Wort Gottes zu verstehen und zwischen gut und böse, nützlich und wertlos, hilfreich und schädlich zu unterscheiden. Das Neuoffenbarungswerk erhebt demnach den Anspruch, Worte des einst fleischgewordenen Gottes zu sein, der die Menschen durch dieses Werk darin schult, was weise, rechtschaffen, angemessen und ehrbar ist ... und es verfolgt das Ziel, im Herzen des Lesers eine große Sehnsucht nach der Wiederkunft Christi zu wecken. ( Hinweis: Mit dem Begriff "Herz" ist hier nicht das Organ gemeint, das Blut durch den menschlichen Körper pumpt, sondern - bildlich gesprochen - die Quelle menschlicher Ziele und Wünsche. Dieser Teil der sterblichen Natur des Menschen zeigt sich durch Gedanken, durch Reden und zuletzt durch Handlungen. )



Leider zeigt sich aber heute mit dem Auftreten Jesu Christi - durch die Neuoffenbarung - oftmals das gleiche Unverständnis wie das, was sich vor circa 2000 Jahren zwischen dem damals beginnenden Neuen und dem bereits existierenden Alten Testament ereignete. Während zum Beispiel Jeremia noch prophezeite ( Jeremia 17, 21-22 ), wie wichtig es ist, den Sabbat ( wortwörtlich ) zu heiligen, betonte Jesus Christus ( damals wie heute in der Neuoffenbarung ) die Sabbatheiligung vor allem als eine symbolische Handlung ( für die Herzensbeziehung des Menschen zu Gott und zum Nächsten ). Die Christen werden deshalb im Neuen Testament niemals ( im buchstäblichen Sinn ) dazu aufgefordert, den Sabbat zu halten ( das heißt den siebten Tag der Woche, den Samstag ).

Und die gleichen Grundsätze lassen sich auch heutzutage auf den Sonntag - den "Tag des Herrn" - für die Christen anwenden: Man sollte ihn nicht mit gesetzlichen Geboten und Verboten überfrachten. Denn er dient - gemäß der Neuoffenbarung - der geistlichen und körperlichen Erholung, der Erinnerung an den Erlöser und an die Erlösung. An diesem Tag stellt sich nicht so sehr die Frage: "Ist dies und das am "Tag des Herrn" erlaubt?", sondern vielmehr: "Wie kann ich diesen Tag am besten zur Ehre Gottes, zum Segen meiner Mitmenschen und zu meinem geistlichen Wohlergehen verwenden?" So beten die Menschen noch heute Jesus Christus an ( der Name "Jesus" bedeutet "Gott ist Retter" ) und gedenken Seines Auferstehungssieges ( von den Toten ) am ersten Tag der Woche ( Johannes 20, 1 ) - wie vor circa 2000 Jahren. Denn dem Neuen Testament kann man entnehmen, dass schon eine Woche nach Seiner Auferstehung - also an dem nächsten "Tag des Herrn" - Er sich mit Seinen Jüngern traf ( Johannes 20, 19 ). Auch der Heilige Geist wurde - sieben Wochen später - am "Tag des Herrn" ausgegossen ( Apostelgeschichte 2, 1 und 3. Mose 23, 15-16 ). Die ersten Jünger trafen sich an diesem "Tag des Herrn", um das Brot zu brechen und damit den Tod des Herrn zu verkündigen ( Apostelgeschichte 20, 7 ). Der erste Tag ( Sonntag ) ist des Weiteren der Tag, den Gott dazu bestimmte, dass Christen an ihm Geld für das Werk des Herrn sammeln sollen ( 1. Korinther 16, 1-2 ).

Über das ( neue ) "Leben in Gott" heißt es auch im Psalm 27, 4: "Eins habe ich vom Herrn erbeten, danach trachte ich: Zu wohnen im Haus des Herrn alle Tage meines Lebens, um anzuschauen die Freundlichkeit des Herrn und nachzudenken in Seinem Tempel."

Damit der Leser hier jedoch nicht ( wortwörtlich ) den "Tempel" in Jerusalem versteht, hatte Jesus Christus vor circa 2000 Jahren einer samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen klar gemacht, dass der ( äußerlich gebundene ) Gottesdienst im "Tempel" ein Ende haben würde und von einem neuen, ortsunabhängigen ersetzt werden sollte. Mit diesem neuen Gottesdienst meinte Er die christliche Anbetung in Seiner alleinigen ( geistigen ) Gegenwart, wie man Sie zum Beispiel ganz deutlich im "Großen Evangelium Johannes" erfährt.

Es heißt hierzu ( wortwörtlich ) im Neuen Testament ( Johannes 4, 21-24 ): "Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube Mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg, noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an und wisst nicht, was. Wir beten an und wissen, was. Denn das Heil ist aus den Juden. Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahrhaftigen Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden. Denn auch der Vater sucht solche als Seine Anbeter. Gott ist Geist, und die Ihn anbeten, müssen Ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten."

Der Geist führt demnach die Menschen ein in die ganze Wahrheit und in das, was wahrhaft gut ist. Wenn die Menschen die Wahrheit kennen, dann kennen sie auch das Gute, denn die Wahrheit ist das Gute, wie der Kirchenlehrer Thomas von Aquin ( 1225-1274 ) feststellte. Die Juden zur Zeit Jesu Christi hatten dagegen den Gottesdienst auf äußere Formen und Zeremonien beschränkt. Sie dachten, dass sie durch religiöse Hingabe an den Buchstaben des Gesetzes und durch die Einhaltung bestimmter Rituale den Vater ehren würden. Doch sie beteten Ihn nicht im Geist an. Ihr Gottesdienst war äußerlich, nicht innerlich. Ihre Leiber mochten sich verneigen, doch ihre Herzen hatten vor Gott nicht die rechte Haltung.

Die Samariter hatten ihrerseits eine Form des Gottesdienstes, die falsch war. Ihr Gottesdienst beruhte nicht auf der Schrift. Sie hatten ihre eigene Religion ins Leben gerufen und führten selbst erfundene Rituale durch. Doch Jesus Christus sagte an dieser Stelle beiden Völkern, Juden und Samariter, dass es nun, da Er auf die Welt gekommen ist, für alle Menschen möglich geworden ist, sich Gott durch Ihn in echter und wahrer Anbetung zu nähern ... und Er wird dafür sorgen, dass Seine wahren Anbeter ein neues Herz bekommen. Aller Formalismus muss hierbei zurückgelassen werden. Die Betonung des geistlichen Lebens wird sie in Gemeinschaft mit Ihm führen, was wiederum ihr Denken, ihre Anbetung, ihr Verhalten und ihre Treue verwandelt. Ein neuer Geist wird die ganz besondere Gabe ihres Gottes für sie sein.



Jesus Christus versicherte in dieser Szene der samaritanischen Frau, dass Er der wahre Gott ist - so wie einst Gott dem Moses versichert hatte ( 2. Mose 3, 6 ), dass Er der Gott seiner Vorväter ist - der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Die samaritanische Frau fragte sich verwundert: Hatte sich Gott verändert? Nein: Gott selbst ändert sich nie. Doch es ändern sich zu einzelnen Zeitabschnitten auch Seine Handlungsweisen. Er handelt zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich. Die Änderung Seiner göttlichen Anweisungen für das menschliche Leben hier und an anderen Stellen in der Bibel zeigen immer wieder einen Wechsel an ... und doch bleiben die biblischen Schriften inhaltlich untereinander harmonisch.

So gesehen brachte Moses - der größte Beter des Alten Bundes - Seinem Volk keinen neuen oder unbekannten Gott, sondern eine "weitergehendere" Offenbarung des einen Gottes, den sie schon kannten. ( Nach dem Zeugnis des Alten Testamentes redete Moses oft und lange mit Gott. Zuweilen widmete er sich dem Gebet in der Einsamkeit über einige Wochen hin. Und er wurde zu seiner Zeit damit beauftragt, dem Volk Israel zu verkünden, dass es bald frei sein sollte - auch wenn übrigens Moses daran zweifelte, dass das Volk ihn als Sprecher Gottes anerkennen würde. )

Gottes Handeln in den einzelnen Zeitperioden kann man mit dem Ablauf eines Familienlebens vergleichen. Wenn nur der Ehemann und die Ehefrau in einem Haus leben, dann wird ein bestimmter Handlungsablauf befolgt. Wenn aber dann Kinder kommen, wird das gesamte Programm angepasst. Wenn die Kinder größer werden, werden die Angelegenheiten im Haus wieder anders gehandhabt. Dasselbe Muster kann man in Gottes Handeln mit den Menschen erkennen ( Galater 4, 1-5 ).


Johannes-Prolog


Ein Beispiel für diesen Wechsel der Anweisungen ist Psalm 137, 8-9, wo der Verfasser ein schreckliches Gericht über Babylon herabruft: "Tochter Babel, du Verwüsterin! Glücklich, der dir vergilt dein Tun, das du uns angetan hast. Glücklich, der deine Kinder ergreift und sie am Felsen zerschmettert!" Doch in einer späteren Zeitperiode - also mit dem Neuen Testament - hat der Herr Sein Volk gelehrt ( Matthäus 5, 44 ): "Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen."

Ein weiteres Beispiel ist 3. Mose 11, wo bestimmte Speisen für unrein erklärt wurden. Aber in Markus 7, 19 erklärte Jesus Christus alle Speisen für rein.

Diese Änderungen zeigen deutlich, dass mit der Ankunft Jesu Christi vor circa 2000 Jahren ein Wechsel beziehungsweise eine neue Zeitperiode eingetreten war.

Schon die Tatsache, dass die Bibel in das Alte und das Neue Testament eingeteilt wird, zeigt an, dass ein Wechsel sich vollzogen hat.

Interessant sind hier auch jene Stellen, wo Jesus Christus Seine Eigene Autorität der des Alten Testamentes gegenüberstellt, wie dies etwa in der Bergpredigt geschieht, wenn Er sagt ( Matthäus 5, 21-22 ): "Zu den Alten ist gesagt worden ... Ich aber sage euch." In diesem Fall wird deutlich, dass Jesus Christus auf der einen Seite an der Autorität des Alten Testamentes festhält, jedoch nicht den Wortlaut konservieren will. Er vertieft das Alte Testament, führt es weiter oder enthüllt seinen wahren Kern. Dieser wahre Kern bleibt indessen verborgen für den, der sich an den Buchstaben bindet.

Insgesamt kann man feststellen: Zwar ist alle Schrift für den Menschen nützlich ( 2. Timotheus 3, 16 ), aber nicht alle Schriften richten sich ( im wortwörtlichen Verständnis ) direkt an den heutigen Menschen. Schriftstellen aus anderen Zeitperioden haben sicherlich ihre Anwendung für die heutige Zeit, aber ihre unmittelbare ( wortwörtliche ) Auslegung zielt auf die Zeitperiode, für die sie geschrieben wurden.

Und dennoch gilt: Es gibt zwar Unterschiede zwischen den verschiedenen Zeitperioden, aber es gibt eines, das sich nie ändert, und das ist das Evangelium - die frohe Botschaft: Die Rettung beruhte schon immer, beruht heute und wird in Zukunft immer beruhen auf dem Glauben an den einen Gott, der sich in Jesus Christus den Menschen offenbarte. Und die Grundlage für das Verständnis der Errettung aller Menschen ist in jeder Zeitperiode Sein vollendetes Werk am Kreuz ... und Seine siegreiche Auferstehung ( 1. Korinther 15, 1-4 ). Denn mit Ostern ( und Pfingsten ) hat sich die Weltgeschichte verändert. ( Es begann die Geschichte der Apostel: Der Heilige Geist kam auf die Jünger und sie sprachen plötzlich mutig über die Dinge des Reiches Gottes und taten Zeichen und Wunder. )


Bald eine neue Bibel


An der Tatsache, dass Gott Menschen durch Seinen Geist zur Mitarbeit in Seinem Reich kräftigt und befähigt, hat sich nichts geändert: Er ist bis heute die "Kraft aus dem Himmel". Durch den Heiligen Geist werden die Menschen zum Mitmachen in Gottes Geschichte mit der Menschheit befähigt. Alle ihre Begabungen, seien es natürliche Talente oder übernatürliche, Gott-geschenkte Fähigkeiten ( 1. Korinther 12, 4-11 ) sind den Menschen gegeben, um damit andere Menschen zu bestärken, zu ermutigen und zu beschenken. Der Heilige Geist wirkt dabei durch das gesamte Spektrum an Gaben! Und vor diesem Hintergrund ist auch davon auszugehen, dass jedes einzelne Wort der Bibel von Gott inspiriert ist. Das heißt: Die Bibel bildet insgesamt eine Einheit. Denn es heißt ( 2. Timotheus 3, 16 ): "Alle Schrift ist von Gott eingegeben." Ob man das Alte Testament oder das Neue Testament liest, man liest das Wort Gottes. Der Kirchenvater Aurelius Augustinus ( 354-430 ) sagte deshalb: "Das Neue ist im Alten aufbewahrt; das Alte ist im Neuen geoffenbart." Im Neuen Testament findet man allein 66 Stellen aus den Prophetenbüchern im Wortlaut zitiert. Darüber hinaus findet man an über 600 Stellen Teilzitate und mehr oder weniger deutliche Anspielungen darauf.

Die Heilige Schrift trägt somit Gottes Atem. Wenn sich zum Beispiel ein von Gott auserwähltes Instrument zum Schreiben hinsetzt, dann notiert dieser "Schreibknecht Gottes" das, wozu ihn der Heilige Geist Gottes bewegt ... und dient damit seiner Generation als Mensch gewordenes Gewissen. Er wird auf diese Weise zu einer Person, die über das innere Wort oder die Vision "mit Gott" zusammenlebt.

Solche Personen nennt man "Propheten", denn sie sind "Sprachrohre Gottes" und prangern ohne Furcht den Götzendienst, die Unmoral und alle anderen Formen der Bosheit an. Sie dringen in das Volk, Buße zu tun und zum Herrn umzukehren und warnen vor den schlimmen Folgen, wenn die Menschen dies nicht tun. Ein "Prophet" ist demnach ein Mensch, der Offenbarungen des Willens Gottes bezüglich besonderer Handlungsweisen empfängt und diese Offenbarungen an die Menschen weitergibt.

In der Regel stehen die "Propheten" in einem scharfen Gegensatz zu ihrer Zeit, gegen die Mächtigen im öffentlichen Leben, gegen Könige und Priester, vor allem aber gegen die so genannten Hofpropheten, die vom Königshof bezahlt wurden - heute würde man von Angestellten des Propagandaministeriums sprechen - und gegen das Volk, sofern es immer wieder den heidnischen Kulten sich zuwandte.

Des Weiteren muss man im Alten Testament unterscheiden zwischen der Prophetenrede und der Gottesrede. Einmal spricht der "Prophet" in der Ich-Form, dann wieder leitet er seine Rede ein durch die Botenformel: "So spricht der Herr".

Der "Prophet" spricht im Namen eines anderen. Das heißt: Ein "Prophet" des Herrn redet im Namen Gottes und gibt Seine Botschaft weiter. Ganz deutlich wird dies zum Beispiel in 2. Mose 7, 1, wo von Aaron gesagt wird, er sei der "Prophet" von Moses, während Moses seinerseits für den Pharao als Gott in Erscheinung tritt. ( Das Amt des Hohenpriesters wurde deshalb Aaron und seinen Söhnen gegeben. )

Vor diesem ( geistigen ) Hintergrund konnte auch Gott nicht zu Seinem "Propheten" sprechen: "Jesaja, hier ist das allgemeine Konzept. Nun fasse du es in Worte, die du für richtig hältst." Sondern Jesaja setzte sich hin und schrieb genau diejenigen Worte auf, die der Heilige Geist ihm eingab - Worte, gelehrt durch den Heiligen Geist.


Antiphon "O Oriens" - komponiert von Jamie Brown ( 2007 )

Gesangstext:



Auch wenn die Mehrzahl der Menschen bis heute ( noch ) nicht versteht, wie diese Niederschrift genau vor sich geht, so bleibt doch immer das Gefühl der Wahrhaftigkeit zurück.

Und genau dieses Gefühl der Wahrhaftigkeit empfindet der Leser beim Lesen des "Großen Evangelium Johannes", in dem Gott die Sehnsucht der Menschen nach geistiger Erkenntnis befriedigt und ihnen - neben der Bibel - den schriftlichen Kontakt mit Ihm Selbst, dem unsichtbaren und transzendentalen Gott, vermittelt. Denn die geistlichen Wahrheiten werden in der Neuoffenbarung mit inspirierten Worten gelehrt ... und dies wiederum bedeutet: Die Bibel ist nicht Gottes letzte Offenbarung an die Menschen.

Im ersten Johannesbrief heißt es hierzu aufschlussreich ( 1. Johannes 2, 27 ): "Seine ( Gottes ) Salbung ( das heißt: Der Heilige Geist ) belehrt euch über alles." Und genau dies geschieht im Neuoffenbarungswerk "Das Große Evangelium Johannes", wie es auch schon im Neuen Testament heißt ( 2. Petrus 1, 21 ): "Vom Heiligen Geist getrieben, haben Menschen im Auftrag Gottes geredet."

Das heißt: Der göttliche Verfasser der Neuoffenbarung ist der Heilige Geist. Er inspirierte im 19. Jahrhundert den "Schreibknecht Gottes", den Musiker und Komponisten Jakob Lorber ( 1800-1864 ) ... Und die Menschen im engeren Kreis um Jakob Lorber genossen mit dieser Neuoffenbarung - wie einst die Jünger Jesu vor circa 2000 Jahren - das große Vorrecht, Gott zu sehen ( beziehungsweise in diesem Fall: Sein direktes Wort für die heutige Zeit zu lesen ), was keiner vor ihnen sehen ( beziehungsweise: erleben ) durfte. Die Propheten und andere gerechte Männer des Alten Testaments hatten sich danach gesehnt, die Ankunft des Messias erleben zu dürfen, aber ihr Wunsch war nicht erfüllt worden. Die Jünger Jesu hatten - wie nunmehr heute die Leser der Neuoffenbarung - das Vorrecht, an diesem Wendepunkt der Geschichte zu leben, den Messias zu sehen, Zeugen Seiner Wunder zu werden und die unvergleichliche Lehre aus Seinem Mund zu vernehmen. ( Und wie sehr sehnten sich diese Jünger nach Seiner Wiederkunft in ihrer Zeit. )


Die berühmte Arie "Mein Herz öffnet sich Deiner Stimme" aus der Oper
"Samson und Dalila" ( 1877 ) von Camille Saint-Saëns ( 1835 – 1921 )


Zur Zeit Jesu war das Herz des Volkes Gottes taub geworden, und die Ohren des Volkes waren für Gottes Stimme nicht mehr empfänglich. Das Volk weigerte sich hartnäckig, mit den Augen zu sehen. Es wusste, dass Gott dieses Volk heilen würde, wenn es sehen, hören, verstehen und Buße tun würde. Aber trotz der Krankheit und Not lehnte es jede Hilfe ab. Deshalb bestand seine Strafe darin, dass es hörend nicht verstehen und sehend nicht sehen konnte. ( Das gleiche Verhalten gilt übrigens im Umgang mit der Neuoffenbarung in der heutigen Zeit. )

Demnach war Jakob Lorber nur ein irdisches Instrument, über den Gott Seinen Heilsplan für die Menschen ( in der heutigen Zeit ) erklingen lässt. Einige Kirchenväter des zweiten Jahrhunderts sagten dementsprechend, Gott benutze den menschlichen Verfasser wie ein Flötenspieler seine Flöte benutzt ... und in diesem Fall benutzte Gott den Musiker und Komponisten Jakob Lorber.

In diesem Zusammenhang kann man auch das Verhältnis von:

  • der begrifflichen beziehungsweise dogmatischen Artikulation des Glaubens ( die hier so genannte "Verstandes-Religion" ) und

  • der Mystik

vergleichen mit dem Verhältnis zwischen

  • Sprache und

  • Musik

Während die Sprache ( wie die "Verstandes-Religion" ) mehr dem rational-diskursiven Bereich zugeordnet ist, ist die Musik ( wie die Mystik ) mehr dem rational-intuitiven, dem geistigen Erlebnis, der geistigen Erfahrung zugeordnet.

Während also die "Verstandes-Religion" sich einerseits inhaltlich artikulieren kann ( mehr oder weniger ) und mehr dem rationalen Bereich angehört, gehört das Mystische eher dem Bereich des mit dem Verstand nicht erfassbaren an.

Vor diesem Hintergrund ist übrigens auch das Gebet der eigentliche Kern des mystischen Lebens. Alle Mystiker waren stets vom Gebet geprägt, und sie empfanden die Stufen der Entfaltung des mystischen Lebens von jeher als Gebetsstufen.

Das bedeutet: Das eine ( die "Verstandes-Religion" ) ist das Wissen mit dem Intellekt, das andere ( die Mystik ) ist das Wissen mit dem Herzen - wie auch schon Hiob im Alten Testament sein Verhältnis zu Gott erklärt hatte ( Hiob 42, 5-6 ): "Ich hatte von Dir mit den Ohren gehört" ( dies ist ein Hinweis auf das Wissen mit dem Intellekt ), "aber nun hat mein Auge Dich gesehen" ( dies ist ein Hinweis auf Wissen mit dem Herzen ). "Darum widerrufe und bereue ich in Staub und Asche" ( dies ist ein Hinweis auf das Einssein der Menschenseele mit dem Göttlichen ).

In der Mystik sucht die Menschenseele die außergewöhnliche Vereinigung mit dem Göttlichen. Das Göttliche dringt dabei geistig in die Seele ( bis ins Innerste ) ein und verwandelt die ganze Persönlichkeit in ihrer Denk-, Handlungs- und Empfindungsweise. Der Weg dahin ist jedoch nicht sehr leicht und verlangt einiges an Anstrengung. Denn die Seele muss sich immer mehr aller sinnlichen oder sinnenhaften Wahrnehmungen entledigen, damit sie sich ganz der Welt des Glaubens ( das heißt: An die Erlösung durch die Gnade Gottes ) öffnen kann. ( In der Geschichte der Mystik ist hier immer wieder die Rede von der "Entleerung des Geistes". Darum geht es hier. Es muss ein Vakuum entstehen in der Seele, damit der Geist Gottes in ihr einen Raum finden kann. )


"His Name is Yeshua" gesungen von Bradford Soland


Albert Schweitzer ( 1875-1965 ), der, bevor er Urwaldarzt wurde, evangelischer Theologe in Straßburg war, hatte in seinem Buch "Die Mystik des Apostels Paulus" hierzu folgendes geschrieben: "Mystik liegt überall da vor, wo ein Menschenwesen die Trennung zwischen irdisch und überirdisch, zeitlich und ewig als überwunden ansieht und sich selber, noch in dem Irdischen und Zeitlichen stehend, als zum Überirdischen und Ewigen eingegangen erlebt."

Genau das ist es. In der mystischen Erfahrung ist die Trennung zwischen irdisch und überirdisch, zwischen zeitlich und ewig überwunden, gewissermaßen muss man sagen, gewissermaßen deshalb, weil der Mystiker in Wirklichkeit selbstverständlich in dieser zeitlichen, in dieser immanenten Welt verbleibt. Doch, wohl verstanden, in der Mystik geht es um die Vereinigung mit Gott, nicht um die Identifikation mit Ihm ... und immer geht es um Erkenntnis und Liebe.

Das Charakteristische der Mystik erklärt sich auch durch die Herkunft des Terminus "mystisch" aus der altgriechischen Sprache: Das Wort "Mysterium" leitet sich ab von dem griechischen Verbum "μύω" ( "mýo" ) oder "μύειv" ( "mýein" ). "μύω" bedeutet "ich verschließe" ( von "μύειv": "verschließen" ). Dabei denkt man vor allem an das Verschließen der Augen und des Mundes. Man verschließt die Augen und den Mund, um sich innerlich mit dem Erlösungsgeheimnis der Mystik zu beschäftigen: Für diese gnadenhafte Erlösung durch Gottes Geist muss man sich von allem, was außen ist, zurückziehen und sich völlig in das Innere wenden. In einem allgemeineren Sinn bedeutet "μύω" demnach das Schließen der Sinne, näherhin der Organe der Wahrnehmung und Mitteilung, also: Die Abkehr von der Welt ... Doch diese Abkehr von der Welt ist nicht das Ziel, sondern das Mittel und der Weg zu dem eigentlichen Ziel, nämlich: Die Vereinigung mit der Gottheit ( durch die Wesensverwandlung des Menschen ).

Diese Mystik der Versenkung, der Abwendung von den Dingen der äußeren Welt, wobei man in sich selber einkehrt, um so mit der Gottheit vereinigt zu werden, verhält sich zur "Verstandes-Religion" wie die Musik zur Sprache oder das Gefühl zum Intellekt: Beide sind verwandte Äußerungen des Menschen, die irgendwie zusammenhängen und doch wieder für verschiedene Bereiche stehen, die sich aber wiederum in idealer Weise verbinden können, wie das etwa beim Lied ( zum Beispiel: "Am Herzen Jesu" von Hanno Herbst ) der Fall ist: Die Sprache ( die Theologie, das Biblische ) verhält sich zur Musik ( die Liturgie, das Spirituelle ) wie sich die "Verstandes-Religion" zur Mystik verhält.


"Am Herzen Jesu" - ein Lied von Hanno Herbst


Im konkreten Fall des "Großen Evangelium Johannes" teilt Gott Sich Selbst und Seine Geheimnisse der ganzen Menschheit über den rational-diskursiven Bereich der Sprache und den rational-intuitiven Bereich der Mystik gleichermaßen mit. ( Der Name "Johannes" bedeutet übrigens: "Wohlwollen" oder "Gnade Gottes". )

Vor diesem Hintergrund der harmonischen Vereinigung des irdischen Musikers Jakob Lorber mit dem göttlichen Wort ist die Neuoffenbarung eine ganz besondere Erleuchtungsgnade der christlichen Mystik, über die Karl Rahner ( 1904-1984 ), einer der bedeutendsten katholischen Theologen des 20. Jahrhunderts, schrieb: "Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein, oder er wird nicht sein." ( Nach dem Kirchenlehrer Thomas von Aquin müssen die Menschen zu jeder Zeit von Gott unterrichtet werden über das, was sie tun sollen, denn gemäß Sprüche 29, 18 ist das Volk Gottes ohne Leitung, wenn es keine Visionen und Offenbarungen mehr gibt. ) Das bedeutet: Das Geheimnis Gottes kann nur von dem Menschen wahrhaft begriffen werden, der an sich selbst die mystische Salbung erlebt hat.

Andernfalls bleibt das Geheimnis Gottes ein mystischer Begriff, den man zwar von Theologen beschrieben bekommt, den man aber selber nie an sich erfahren hat. Im Verständnis der Neuoffenbarung ist die Mystik das erfahrungsmäßige Innewerden des göttlichen Gnadenlebens im Menschen, die Erfahrung der heiligmachenden Gnade, des göttlichen Lebens im Menschen.

Und das bedeutet in der Konsequenz: Nicht allein durch das Lesen der theologischen Schriften, sondern vor allem durch die religiöse Praxis wird der christliche Glaube als ein "Verliebtsein in Gott" erfahren, wie das auch der bedeutende Religionsphilosoph und Theologe John Henry Newman ( 1801-1890 ) ausdrückte: "Wir glauben, weil wir lieben" ( "We believe because we love" ). Die liebende Hinwendung ist hierbei also das Entscheidende ... und gerade zu dieser liebenden Verbundenheit mit Gott ruft "Das Große Evangelium Johannes" den Leser von der ersten bis zur letzten Seite gnadenhaft auf.



Sehr schön fasst in diesem Zusammenhang auch Thomas von Aquin die Erfordernisse für das "Verliebtsein in Gott" zusammen, wenn er dem Novizen Frater Johannes einige Hinweise gibt. Er schreibt: "Weil du, in Christo vielgeliebter Johannes, von mir Auskunft begehrt hast, wie du zur Aneignung des Wissensschatzes studieren sollst, so gebe ich dir hierüber folgende Ratschläge: Ziehe es vor, zuerst durch Bächlein zum Wissen zu gelangen und nicht sofort in das Meer des Wissens dich zu stürzen, da man vom Leichteren zum Schwierigen fortschreiten muss. Das ist meine Mahnung und deine Unterweisung. Ich mahne dich, schweigsam zu sein und ungern ins Sprechzimmer zu gehen. Sei auf die Reinheit des Gewissens bedacht. Höre nicht auf, dem Gebet dich hinzugeben. Liebe es, recht fleißig in der Zelle zu sein, wenn du in den Weinkeller des Wissens geführt werden willst. Zeige dich allen gegenüber recht liebenswürdig. Kümmere dich nicht um das Tun und Lassen anderer. Sei auch mit niemand allzu vertraut, da zu große Vertraulichkeit Verachtung erzeugt und sehr leicht vom Studium ablenkt.

Mische dich ja nicht in das Reden und Handeln der Weltleute. Fliehe alles Herumschweifen außerhalb des Klosters. Unterlasse es nicht, in die Fußstapfen der Heiligen und der Guten zu treten. Achte nicht darauf, von wem du etwas hörst, sondern präge alles Gute, das gesprochen wird, im Gedächtnis ein. Gib dir Mühe, alles, was du liest und hörst, auch gründlich zu verstehen. Suche in allen Zweifeln dich zur Gewissheit durchzuringen. Sei bestrebt, soviel du kannst, in der Rüstkammer deines Geistes zu bergen. Was für dich zu hoch ist, danach trachte nicht. Wenn du diesen Fußspuren folgst, dann wirst du im Weinberg des Herrn der Heerscharen nützliche Blüten und Früchte hervorbringen, solange du das Leben hast. Wenn du dies befolgst, so wirst du das erreichen, wonach du dich sehnst."

Nützliche Hinweise, um "im Weinberg des Herrn der Heerscharen nützliche Blüten und Früchte hervorzubringen", findet man in den Verheißungen, die Jesus den Aposteln gegeben hat, wenn Er von dem "Beistand des Heiligen Geistes" spricht. Immer wieder ist zum Beispiel im Johannes-Evangelium die Rede von dem Parakleten, den Jesus den Jüngern schicken will ( Johannes 14, 18 ). Seine Aufgabe ist eindeutig die Unterstützung der noch jungen Christen, denn Er wird immer wieder als der "Geist der Wahrheit" apostrophiert, der vom Vater ausgeht und der Zeugnis von Jesus Christus ablegen wird ( Johannes 16, 7-11 ), wie dies übrigens auch eindeutig "Das Große Evangelium Johannes" tut. Des Weiteren sei hier an jene Stelle erinnert, wo der Auferstandene Seinen Jüngern beteuert ( Matthäus 28, 20 ): "Siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." Ähnlich heißt es in der Apostelgeschichte 1, 8: "Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommt, und ihr sollt Meine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa und Samaria, ja bis an die Grenzen der Erde." Wenn man diese ( geistig zu verstehenden ) Worte Jesu Christi nur nach dem buchstäblichen Sinn deuten würde, so hätten sich diese Worte ( im wortwörtlichen Verständnis ) mit dem "Großen Evangelium Johannes" bereits erfüllt, da dieses Werk ja kein Menschenwort, sondern das Wort Gottes ( 2. Korinther 4, 5; 1. Thessalonicher 2, 13 ) für die Menschen ist.

Doch das Wort Gottes ist symbolisch zu verstehen: Denn Gott spricht in Bildern zu den Menschen. Aus diesem Grund sah Hesekiel ( 1, 4-28 ) zuerst einen Sturmwind, der von Norden her kam. Dann sah er vier lebende Wesen, von denen jedes vier Gesichter hatte ( Löwe, Stier, Adler, Mensch ), dazu vier Flügel, gerade Beine und Menschenhände unter seinen Flügeln. Diese Wesen ( in Hesekiel 10 als Cherubim identifiziert ) symbolisieren die Merkmale Gottes, wie sie in der Schöpfung gesehen werden: Seine Majestät, Kraft, Schnelligkeit und Weisheit.

Neben jedem lebenden Wesen war ein Rad, in dem sich ein anderes Rad befand ... und somit scheint diese Vision einen Thronwagen darzustellen, dessen Räder sich auf der Erde befinden, und vier lebende Wesen, die eine Plattform tragen, auf der der Thron steht.

Soweit die ( nur symbolisch zu verstehende ) Vision der Herrlichkeit Gottes, die der Berufung Hesekiels zum Prophetendienst vorausging. Hesekiel sagte von dem, was er in Hesekiel 43, 3 sah, es gliche der "Erscheinung, die ich gesehen hatte, als Er kam, um die Stadt zu vernichten". Das heißt also: Gott kam in Seiner Herrlichkeit aus dem Norden zum Gericht über Jerusalem, wobei die Babylonier das Werkzeug Seines Gerichts waren. Die Herrlichkeitswolke ( das Symbol der göttlichen Gegenwart ) verlies zur Zeit der Babylonier das Allerheiligste des Tempels und bewegte sich auf die Schwelle des Tempels zu, um mit ihrem Licht den Vorhof zu erfüllen. ( Hesekiel 9, 3 ) Schließlich stieg sie vom Tempel auf und begab sich zum Ölberg an der Ostseite Jerusalems. ( Hesekiel 11, 23 ) ( Hinweis: Jesus Christus näherte sich Jerusalem über den Osthang des Ölberges. ( Lukas 19, 28-38 ) Er ging vom westlichen Fuß des Ölberges nach Jerusalem hinauf. )

Der Geist Gottes kam in Hesekiel, stellte ihn auf seine Füße und befahl ihm, einer empörerischen Nation zu weissagen, ohne Rücksicht auf den Erfolg seiner Verkündigung. Er sollte furchtlos und gehorsam sein ... und er wurde im Voraus gewarnt, dass sein Dienst nicht beliebt sein würde. Denn er wird zu einem Volk gesandt, das nicht hören will.



Dies geschieht heute ebenfalls vielfach ... und so ist das, was die Menschen wirklich brauchen, dass der Heilige Geist mit Seiner Leben weckenden Kraft ( Odem ) kommt, damit eine echte Erweckung über diese Erde hinwegfährt ( 1. Mose 2, 7 ).

Vor diesem Hintergrund ergeht sich mit der Neuoffenbarung eine Botschaft im Auftrag und im Namen Jesu Christi an die Menschheit ( Römer 10, 17; 1. Korinther 9, 16 ). Ja, diese Neuoffenbarung versteht sich - übrigens ähnlich wie die Urkirche - als "das Haus Gottes, die Säule und Grundfeste der Wahrheit" ( 1. Timotheus 3, 15 ), durch die der unerschütterliche Bestand der Wahrheit des Glaubens gesichert wird. Im Judasbrief findet man im dritten Vers die Mahnung, "für den Glauben zu kämpfen, der den Heiligen ein für allemal übergeben wurde" ( Judas 1, 3 ). Den gleichen Gedanken findet man auch im zweiten Petrusbrief 2, 21.

Im Matthäus-Evangelium wird sogar betont, dass es denen, die die Verkündigung der Boten Christi nicht annehmen, "am Tage des Gerichtes schlechter ergehen ( wird ) als Sodom und Gomorrha" ( Matthäus 10, 14-15 ). Und bei Markus heißt es ( Markus 16, 16 ): "Wer glaubt und sich taufen lässt, der wird gerettet. Wer nicht glaubt, wird verdammt." Eine solche absolute Verpflichtung setzt auch eine absolute Bürgschaft für die Wahrheit voraus. Man kann nur dann bedingungslosen Glaubensgehorsam fordern, wenn die volle Garantie für die irrtumslose Darbietung der Offenbarung gegeben ist.

Für die Niederschrift des "Großen Evangelium Johannes" wurde von Gott - wie oben schon erwähnt - der Musiklehrer, Musiker und Komponist Jakob Lorber, der "Schreibknecht Gottes", auserwählt. Der Vorname "Jakob" ( lateinisch: Jakobus ) geht übrigens in der Tradition auf den biblischen Patriarchen Jakob ( 2011-1804 v. Chr. ), dem Ahnherrn Israels, zurück, welcher 1804 v. Chr. zu seinem Sohn Juda sagte ( 1. Mose 49, 10 ): "Nicht weichen wird das Zepter von Juda, noch ein Gesetzgeber zwischen seinen Füßen hinweg, bis dass Schilo ( das heißt: Der Friedenschaffende, der Ruhebringende ) kommt, und Ihm werden die Völker gehorchen." Damit ist gemeint, dass der Messias ein Nachkomme Judas sein wird, und nicht etwa von Ruben, Simeon, Levi, Sebulon, Issaschar, Dan, Gad, Aser, Naphtali, Joseph oder Benjamin abstammen wird. 1. Chronik 5, 2 ( ca. 530 v. Chr. ) spricht dieselbe Tatsache mit anderen Worten aus: "Denn Juda hatte die Oberhand unter seinen Brüdern, und der Fürst kommt aus ihm." Das Wort für "Fürst" ( hebräisch: "nagid" ) ist an dieser Stelle dasselbe wie in Daniel 9, 25.

Hinweis: Über den Stammbaum von Jakob Lorber erfährt man in der Neuoffenbarung, dass er "in männlicher rechter Linie von Josephs" ( = der Ehemann Marias und Ziehvater von Jesus Christus ) "ältestem Sohne abstamme und sonach ein rechter Nachkomme Davids dem Leibe nach ist." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 4, Kap. 112, V. 7 )

Familien-Stammbaum von Adam zu Jesus

Mit dem Vornamen "Jakob" ( der Name "Jakob" bedeutet: "Gott möge schützen" oder: "Gott schützt" ) wird in der Bibel auch oft das auserwählte "Volk Gottes" bezeichnet. Denn Israel bekam den Namen von Jakob, der Israel genannt wurde, nachdem er in einer Nacht einen Kampf mit dem Engel Gottes bis zum Anbruch der Morgenröte hatte. Dieser Engel Gottes war Gott selber, der Jakob verwundete und ihm ein bleibendes Erinnerungsmal hinterließ. Das heißt: Für Jakob beginnt an diesem Morgen ein neues Leben, er ist ein anderer Mensch geworden. ( 1. Mose 32, 25-32 ).

Gott sucht demnach Menschen, die sich unverdient von Ihm beschenken lassen ... und so wurde Jakob zum Vorbild des begnadigten Sünders. Es heißt hierzu im Alten Testament ( Jesaja 49, 26 ): "Und alles Fleisch soll erfahren, dass Ich bin der Herr, dein Heiland und dein Erlöser, der Mächtige in Jakob." Das heißt: Alle Menschen werden erkennen, dass Er Israels Retter und Erlöser ist, Er, der Mächtige Jakobs.

Und im Neuen Testament heißt es über diesen - im Alten Testament angekündigten - Retter ( Lukas 1, 33 ): "Er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und Seines Königtums wird kein Ende sein." Damit wird die Wiederkunft Christi als König der Könige und Herrn der Herren beschrieben, wie auch Simeon, der auf das Kommen des Messias wartete, vor circa 2000 Jahren sagte ( Lukas 2, 32 ): "Er wird ein Licht zur Erleuchtung der Nationen sein ( Sein erstes Kommen ) und kommen, um in Herrlichkeit über Deinem Volk Israel zu scheinen ( Seine Wiederkunft )."

Und im Alten Testament heißt es beim Propheten Jesaja ( Jesaja 44, 21 ):

"Denk daran, Jakob,
und du, Israel,
dass du Mein Knecht bist,
Ich habe dich geschaffen,
du bist Mein Knecht."


Christus im Garten Gethsemane ( Giuseppe Cesari )


Heute achten die Menschen nicht mehr so sehr auf die Bedeutung einzelner Namen. Sie dienen ihnen hauptsächlich zur Unterscheidung von Personen und Dingen. Das war jedoch früher einmal ganz anders: In biblischen Zeiten war der Name kein unwichtiger Teil einer Person, sondern er drückte das Wesen und das Besondere einer Person aus oder etwas Bezeichnendes, das mit ihrer Lebensgeschichte in Verbindung stand. Das heißt: Namen haben in der Bibel eine Bedeutung.

Ganz deutlich wird dies beim Jahwe-Namen, der einem im Alten Testament circa 6.800mal begegnet. Seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. durfte dieser Name nur noch einmal im Jahr von dem Hohenpriester im Allerheiligsten leise ausgesprochen werden - aus Scheu vor einer möglichen Verletzung der Ehrfurcht: So schrieb man "Jahwe", las aber "Adonai" ( gleich: "Mein Herr" ). Der Ursprung dieses Jahwe-Namens steht mit Sicherheit in enger Beziehung zur Volkwerdung Israels in der mosaischen Zeit im 13. Jahrhundert v. Chr. Von dieser Zeit an gilt Jahwe stets als der Gott Israels.

Bekannt ist die Deutung dieses Namens in der berühmten Berufung des Mose durch Gott im brennenden Dornbusch ( 2. Mose 3, 14 ), wo der Name von dem Wortstamm "hjh" ( auch: "hwh" ), also "sein" beziehungsweise "da sein" abgeleitet wird. Demnach ist Jahwe der, der für Sein Volk da ist oder da sein wird. Besser würde man heute allerdings statt von "da sein" von "wirksam sein" sprechen. Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber ( 1878-1965 ) übersetzte die Stelle: "Ich werde dasein, als der Ich dasein werde." Dieses "da sein" muss in jedem Fall semitisch als "wirksam sein" verstanden werden, dynamisch, nicht statisch, praktisch, nicht philosophisch. ( Im Gottesbild des Alten Testamentes ist Gott nicht primär der Seiende, sondern der Handelnde, nicht der philosophisch Erschlossene, sondern der sich Offenbarende. Daher verpflichtet Er Seinerseits den Menschen zum Handeln. )

Alle Eigennamen sind für den Juden der damaligen Zeit göttliche Eingebung. Einfache Bezeichnungen wie Personen- und Ortsnamen sind nicht - wie bei den heutigen Menschen - äußerliche Benennungen, Etiketten, die der Verstand aus Gründen der Annehmlichkeit und Bequemlichkeit aufgeklebt hat. Für Jesus Christus und Seine Zeitgenossen drücken Namen das innerste Wesen jeden Dinges und jeden Ortes aus. Sie sind geradezu wie Beschwörungsformeln, die das tiefste Wesen der Dinge umreißen wollen. So heißt zum Beispiel Johannes ( Jochanaan ) "Jahwe war barmherzig", Emmanuel "Gott mit uns" und Jesus "Er wird erlösen". Deswegen erklärt im ersten Buch der Bibel der Text jedesmal, sobald ein neuer Mensch geboren wird, die Bedeutung seines Namens.

Des Weiteren kündigt der Prophet Sacharja um 520 v. Chr. das Kommen des Messias ( Sacharja 3, 8 ) mit folgenden Worten an: "Siehe, Ich will Meinen Knecht, Spross ( Zemach ) genannt, kommen lassen." Und Jeremia verkündigt um 600 v. Chr. ( Jeremia 23, 5 ): "Siehe, Tage kommen, spricht der Ewige, da Ich dem David einen gerechten Spross erwecken werde, und Er wird ... Recht und Gerechtigkeit üben im Land."

Der Mann mit dem Namen "Spross" ( Zemach ) ist der Messias Jesus von Nazareth. Man beachte hier das schöne Namens-Wortspiel: Die Bezeichnung "Nazarener" ( Matthäus 2, 23 ) hängt bekanntlich zusammen mit dem Nomen "nezer" ( Schössling, Spross oder Zweig ): Das Wort "nezer" ist die Wortwurzel in dem Namen "Nazaräer". So ist "Jesus der Nazarener" wirklich der Mann, dessen Name "Spross" ist.

In der Öffentlichkeit des Judentums der Jahre 29-32 n. Chr. war Jesus Christus allgemein unter dem Namen "Jesus, der Nazaräer" bekannt. Er wird im Neuen Testament achtzehn Mal "Nazaräer" beziehungsweise "Nazarener" genannt. Dadurch wurde erfüllt, was die Propheten verkündigt hatten, nämlich, dass der Messias "Schössling" beziehungsweise "Spross" genannt werden sollte.

Und im Neuen Testament heißt es weiter ( Lukas 1, 33 ): "Er wird über das Haus Jakobs herrschen in die Zeitalter, und Seines Reichs wird kein Ende sein." Des Weiteren gibt es die Prophezeiung Bileams, wonach ein Stern aus Jakob hervortreten würde ( 4. Mose 24, 17 ): "Ein Stern geht in Jakob auf."

Dieser Stern, dessen Licht die tiefste Dunkelheit der menschlichen Seele erleuchtet und diese zu neuem Leben erweckt, bedeutet für die Christen: Jesus Christus - Er ist die Quelle des neuen Lebens. Und so verfasste der ehemalige General der Heilsarme Albert W. T. Orsborn folgendes Gedicht ( 1886-1967 ):


Wann komme ich zu dem heilenden Wasser?
Ich erhebe mein Herz zu Dir
und rufe Dich an im Gebet.
Friedefürst und Heiler,
zu Dir,
der lebendigen Quelle, komme ich,
Dir möchte meine Seele begegnen.

Wasche den Staub der irdischen Mühen
von meinen Händen,
nimm von mir die Last meiner Ängste,
reinige die Wunden,
lass reines Wasser über sie fließen,
lass Deine Heilung offenbar werden.

Licht, Leben, Liebe
bietet dieser
Heilsbrunnen,
mich verlangt danach,
dass Du mich rein und hell machst.
Lass den Strom durch meine Seele fließen,
lass die Wüstenei erblühen,
mach sie zum Garten,
wo ich Dich anbete.



Bezogen auf die Namensgebung hielt auch der Dichter Johann Wolfgang von Goethe ( 1749-1832 ) für seine Nachwelt fest, dass der Name untrennbar mit der Person verbunden ist: "Der Name eines Menschen ist nicht wie ein Mantel, den man jemand umlegt ..., sondern wie ein Kleid, das eng anliegt. Man kann es nicht zerreißen, ohne den Menschen selbst zu verletzen." In bestimmten Fällen kann demnach sogar die Namensgebung eine prophetische Bedeutung haben.

Schließlich heißt es: "Nomen est omen" ( lateinisch: "der Name ist ein Zeichen" ) und bedeutet, dass zum Beispiel ein Vorname mehr als tausend Worte aussagt: Er hat entscheidenden Einfluss auf das Leben des Menschen ... und trägt eine verborgene Botschaft in sich.

Hierzu heißt es an einer Stelle in der Neuoffenbarung: "Er segnete den Jakob und gab ihm den Beinamen "Israel", was soviel heißt als: Aus dir gehe hervor das Volk Gottes!" ( Drei Tage im Tempel, Kap. 9, Vers 6 )

Im Fall von Jakob Lorber gestaltete sich diese Segnung als eine besondere Begnadigung von oben, die er im Alter von 40 Jahren, am 15. März des Jahres 1840, um 6 Uhr morgens, erfuhr, als er plötzlich die ersten Worte der Neuoffenbarung ( geistig ) empfing. Im Alten Testament wird dieses Phänomen folgendermaßen beschrieben ( 1. Mose 15, 1 ): "Nach diesen Ereignissen erging das Wort des Herrn in einer Offenbarung an Abram: Fürchte dich nicht, Abram, Ich bin dein Schild; dein Lohn wird sehr groß sein." Gott hatte sich von diesem Zeitpunkt an des Jakob Lorber als Propheten bedient, um durch die Niederschrift der Neuoffenbarung die Urkirche den Menschen wieder nahe zu bringen. ( Jakob Lorber selbst wirkte dabei als Prophet in aller Stille: Sein Werk kam aus der Einsamkeit mit Gott, wie dies nach herrschender Meinung bei allen großen Glaubensboten der Fall war. )

Den Messias als einen Propheten kündigte übrigens schon Moses an. ( Man denke in diesem Fall nur an die Aussagen Jesu Christi über die Zukunft, deren Erfüllung man heute sehr leicht nachweisen kann, zum Beispiel Matthäus 24, 1-2: Die Zerstörung des Tempels in Jerusalem um 70 n. Chr. ) Hier der Wortlaut von Moses in 5. Mose 18, 15+18-19, wo Gott unter anderem von den Konsequenzen der Verwerfung des Messias sprach: "Einen Propheten wie Mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf Ihn sollt ihr hören ... Einen Propheten, gleich dir, will Ich ihnen aus der Mitte ihrer Brüder erwecken. Und Ich will Meine Worte in seinen Mund legen, und er wird zu ihnen reden alles, was Ich ihm gebieten werde. Und es wird geschehen, der Mann, der nicht hört auf Meine Worte, die er in Meinem Namen reden wird, von dem werde Ich es fordern." In diesen Versen sagte Moses das Kommen Jesu Christi voraus und befahl dem jüdischen Volk, auf Ihn zu hören und Ihm zu gehorchen, wenn Er käme.

Interessant ist es hierbei auch, dass Jakob Lorber die Kundgaben der Neuoffenbarung ab dem vierzigsten Lebensjahr erhalten hat. Die Zahl "40" ist hierbei bestimmt kein Zufall. Denn man sagt zwar allgemein: "Neun Monate dauert eine Schwangerschaft", tatsächlich sind es aber vierzig Wochen. Das heißt: In vierzig Wochen endet gewöhnlich die Schwangerschaft mit der Geburt eines Kindes. Und bildlich ausgesprochen bedeutet dies: Mit der Neuoffenbarung beginnt "Neues Leben" in der Welt. Dies deckt sich dann symbolisch auch mit der Auffassung des deutschen Theologen und Predigers Johannes Tauler ( 1300-1361 ), der in einer Himmelfahrtspredigt erklärte, dass keiner meinen solle, vor dem vierzigsten Lebensjahr den Durchbruch zum mystischen Leben zu schaffen. ( Die Zahl "40" ist übrigens auch die Zahl der Prüfung und Erprobung in der Bibel. )

Hinweis: In den heutigen rabbinischen Schulen in Israel ist es den Schülern nicht erlaubt, das Hohelied oder Hesekiel 1 zu lesen, ehe sie nicht vierzig Jahre alt sind. Das Hohelied wird aufgrund seiner eindeutig sinnlichen Bildersprache für Jüngere als ungeeignet angesehen, und Hesekiel 1 enthält eine Beschreibung der Herrlichkeit des unsagbar großen Herrn.

Der Talmud berichtet, dass einmal jemand, der noch nicht vierzig Jahre alt war, anfing, Hesekiel 1 zu lesen. Daraufhin kam ein Feuer aus der Buchrolle hervor und verzehrte ihn. Das zeigt, dass ein Mensch unter dem Gesetz nicht eher als Mann anerkannt wird, bevor er nicht vierzig Jahre alt ist. Bis zum Alter von vierzig Jahren wird ein Vertreter der jüdischen Rechtgläubigkeit als Unmündiger angesehen.



Jakob Lorber wollte am 15. März 1840 ( es ist das Jahr 5600 nach jüdischem Kalender ) von Graz nach Triest fahren, wo ihm eine Stelle als Kapellmeister angeboten wurde. ( Diese Stelle wäre übrigens seine berufliche Absicherung gewesen. ) Doch gerade an diesem Abreisetag, an dem er nach Triest übersiedeln wollte, empfing er - bei seinem Morgengebet - das "innere" Wort, durch welches sich ihm eine Verbindung zwischen Himmel und Erde erschloss - wie einst die Himmelsleiter im Traum des Jakobs.

Es heißt hierzu im Alten Testament ( 1. Mose 28, 11-17 ): "Jakob kam an einen bestimmten Ort, wo er übernachtete, denn die Sonne war untergegangen. Er nahm einen von den Steinen dieses Ortes, legte ihn unter seinen Kopf und schlief dort ein. Da hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder.

Und siehe, der Herr stand oben und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will Ich dir deinen Nachkommen geben. Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich unaufhaltsam ausbreiten nach Westen und Osten, nach Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen werden alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. Ich bin mit dir, Ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn Ich verlasse dich nicht, bis Ich vollbringe, was Ich dir versprochen habe.

Die Jakobsleiter zum Gipfel des Reinerkogels in Graz

Jakob erwachte aus seinem Schlaf und sagte: Wirklich, der Herr ist an diesem Ort und ich wusste es nicht. Furcht überkam ihn und er sagte: Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort! Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels." ( Diese Treppe ist ein Bild für eine reale, ununterbrochene und enge Verbindung zwischen Himmel und Erde, und im Besonderen zwischen Gott in Seiner Herrlichkeit und dem Menschen in seiner Einsamkeit. )

In Analogie zu dieser biblischen Geschichte begann am 15. März 1840 - also dem Jahr, in dem am 01. Mai die erste Briefmarke der Welt ( heute bekannt unter dem Namen "One Penny Black" ) erschien - die geistige Schreibtätigkeit des nach innen lauschenden Jakob Lorber mit dem Werk "Die Haushaltung Gottes": Nach einigen einleitenden Kapiteln behandelt dieses grundlegende, dreibändige Werk die Hauptfragen allen religiösen Denkens: Das Wesen Gottes, die Urschöpfung, die Entstehung der materiellen Weltenschöpfung, der Erschaffung des Menschengeschlechtes und die Urgeschichte der Menschheit, bis zu der vorderasiatischen Erdkatastrophe, der Sündflut.


In der nun folgenden Tabelle sind die ersten Worte aus dem Werk "Die Haushaltung Gottes", die über Jakob Lorber am 15. März 1840 offenbart wurden, den ersten beiden Versen aus dem zweiten Buch der Nachfolge Christi gegenübergestellt. ( Hinweis: Das Werk "Die Nachfolge Christi", das in vier Bücher gegliedert ist, ist das meistgelesene Andachtsbuch des 14. und des 15. Jahrhunderts und ist bis heute das nach der Bibel am meisten verbreitete Buch der Christenheit. Das zweite Buch der Nachfolge Christi ist geradezu eine wunderbare Zusammenfassung der altkirchlichen Gedanken über das geistliche Leben zum mystischen Erleben. Das Werk als ganzes betrachtet thematisiert die mystische Einung mit Christus ( und damit mit Gott ) als Ziel der Nachfolge Christi. )

Man erkennt in beiden Textstellen die Freuden der Beschauung und der Vereinigung mit Gott ... Denn Jesus will im Wesentlichen die Nachfolge Christi ohne Wenn und Aber, die darin besteht, dass das Dasein in allem als Liebe zu Ihm und durch Ihn vollzogen wird. Das heißt: Es geht in allem um die "Nachfolge" der Person Jesu Christi - wie es auch schon der Kirchenvater Clemens von Alexandrien ( 150-215 n. Chr. ) in seinem Werk Paidagogós ( "Der Erzieher" ) beschrieb: "All unser Heil liegt in der Nachfolge Christi" ... und in der Liebe, wobei es in der christlichen Liebe allein darum geht, so zu lieben, wie Gott liebt.

Aus diesem Grund lehrt der Kirchenvater Gregor der Große ( 540-604 n. Chr. ), dass die Gnade der Beschauung zwar ein freies Geschenk Gottes ist, doch der Mensch muss sich auf diese Gnade vorbereiten, indem er seine leiblichen Begierden überwindet und sich ganz eng an Christus anschließt.

Deshalb betont Gregor mit großem Nachdruck, dass der Ruhe der Beschauung die Arbeit der Übung der Tugend vorangehen muss. Dabei muss sich der Mensch schließlich vom tätigen Leben zurückziehen und sich in der Liebe ganz Gott zuwenden.

Schon der griechische Philosoph Platon ( 427-347 v. Chr. ) schrieb hierzu in seinem Dialog "Timaios": "Wer sich der Lust hingibt und dem Zornmut, der wird auch nur sterbliche Gedanken haben, wer aber aus Liebe zur Wahrheit bestrebt ist, Unsterbliches und Göttliches zu denken, der wird zur Unsterblichkeit gelangen, der wird die höchste Seligkeit erreichen, weil er das Göttliche in sich gepflegt und Gott in seiner Seele getragen hat."


Die Haushaltung Gottes

Die Nachfolge Christi

"Wer mit Mir reden will, der komme zu Mir, und Ich werde ihm die Antwort in sein Herz legen; jedoch die Reinen nur, deren Herz voll Demut ist, sollen den Ton Meiner Stimme vernehmen. Und wer Mich aller Welt vorzieht, Mich liebt wie eine zarte Braut ihren Bräutigam, mit dem will Ich Arm in Arm wandeln. Er wird Mich allezeit schauen wie ein Bruder den andern Bruder, und wie Ich ihn schaute schon von Ewigkeit her, ehe er noch war ... Überall bin Ich, wo man Mich liebt und Meine Gebote hält, - nirgends aber, wo man Mich nur anbetet und verehrt. Ist denn die Liebe nicht mehr denn das Gebet, und die Haltung der Gebote nicht mehr denn die Verehrung?! Wahrlich, wahrlich sage Ich dir: Wer Mich liebt, der betet Mich im Geiste an, und wer Meine Gebote hält, der ist's, der Mich in der Wahrheit verehrt! Meine Gebote aber kann niemand halten als nur derjenige, der Mich liebt; der Mich aber liebt, hat kein Gebot mehr als dieses, dass er Mich liebt und Mein lebendiges Wort, welches das wahre, ewige Leben ist."

( Band 1, Kapitel 1, Vers 1-4 )

"Das Reich Gottes ist in euch ( Lukas 17, 21 ), sagt der Herr. Bekehre dich von ganzem Herzen zum Herrn und verlass diese elende Welt, so wird deine Seele Ruhe finden. Lerne das Äußere verachten und an das Innere dich hingeben, und du wirst das Reich Gottes in dich kommen sehen ... Christus wird zu dir kommen, dir Seinen Trost spenden, wenn du Ihm eine würdige Wohnung in deinem Innern bereitet hast. All deine Herrlichkeit und Schönheit ist im Innern. Darum gefällt es Ihm nur dort allein. Den inneren Menschen erfreut Er durch häufigen Besuch, süße Unterredung, lieblichen Trost, vielen Frieden und wunderbare Vertraulichkeit. Wohlan denn, treue Seele, bereite diesem Bräutigam dein Herz, auf dass Er sich würdige, zu dir zu kommen und bei dir zu wohnen. Denn so hat Er gesagt: Wenn jemand Mich liebt, wird er Mein Wort halten, und Wir werden kommen und Wohnung bei ihm nehmen ( Johannes 14, 23 ). Mache also für Christus Platz und verweigere allen übrigen den Eintritt."

( 2. Buch, Kapitel 1, Vers 1-2 )



Man erkennt: Die Darstellungsform ist nicht die einer gelehrtenhaften Abhandlung und drückt sich nicht in unverständlichen Gleichnissen aus, sondern ist klar und leicht verständlich für jedermann formuliert. Die Fragen des Diesseits und Jenseits werden in der Neuoffenbarung in fesselnden und lebendigen Lebensgeschichten erzählt. Zugleich wird allen Menschen aufgezeigt, wie sie auf den Weg zur Erkenntnis und damit zum Sinn ihres Daseins auf dieser Erde gelangen können. ( Denn dem Menschen wohnt von Natur aus der Wissenstrieb inne. Deswegen gibt er sich auch nicht mit bloßen Meinungen zufrieden. Wo immer der Wissenstrieb des Menschen unerfüllt bleibt, da wird er zum Forschungstrieb, da fragt der Mensch dann angesichts der Vielfalt und Differenziertheit der Weltwirklichkeit nach dem Wesen der Dinge, nach ihrem Wodurch und nach ihrem Wozu. )

Vor diesem Hintergrund versteht sich die Neuoffenbarung als eine von Gott legitimierte Schrift, deren Aufgabe es ist, das Werk Jesu Christi ( Johannes 17, 3 ) in der Welt fortzusetzen, Seine Offenbarung und Sein Erlösungswerk den Menschen zu vermitteln. Sie versteht sich als der fortlebende und fortwirkende Jesus Christus und ist gemäß diesem Selbstverständnis eine authentische Vermittlerin der Offenbarung Gottes an die Menschen, wie sie der Menschheit bereits durch die Heilige Schrift ( und teilweise durch andere Religionen ) überkommen ist. ( Die Pluralität der Religionen ist laut der Neuoffenbarung von Gott gewollt, denn in allen Religionen erfolgt eine Selbstbekundung der göttlichen Wirklichkeit. )



Während die Neuoffenbarung die Bewegung Gottes zum Menschen hin darstellt, entspricht der Glaube der Bewegung des Menschen auf Gott hin. Beide, sowohl die Neuoffenbarung als auch der Glaube, sind das Fundament für die Erfahrung Gottes im eigenen Leben. Denn schließlich ist die Neuoffenbarung keine Buchreligion, sondern eine lebendig erfahrene und danach bezeugte Religion ... mit dem einen Ziel: Eine vom Glauben her erleuchtete Vernunft.

Vor diesem Hintergrund einer zuerst erlebten und dann bezeugten "Glaubenswissenschaft" erhebt übrigens die Neuoffenbarung nicht den Anspruch der Unfehlbarkeit, sondern erlaubt auch den Widerspruch ... beziehungsweise fordert ihn an einigen Stellen geradezu heraus, um die geistige Führung durch die Stimme des Herzens, den "Geist der Wahrheit" ( Johannes 16, 13-14 ), in sich erkennen zu lassen.

Schließlich darf die Wahrheit, sei sie noch so klar den Menschen gegeben, nur so vorgetragen werden, dass die freie Erkenntnis des Menschen keinen Zwang erleidet, sondern verschiedene ( auch religiöse ) Auffassungen zugelassen werden, damit das Licht in der vollen Freiheit angenommen wird. Also: Alle Religionen sind nur Winke zum vollen Innewerden der Wahrheit in sich selbst durch die Gnade Christi. ( Man muss hier aber auch klar sehen: Wenn der Nichtchrist das Heil findet, so findet er es nicht durch seine Religion, sondern trotz seiner Religion. Da erfolgt dann die Rettung, sofern sie erfolgt, auf Wegen, die Gott allein kennt. )


Jesus lehrt im Tempel ( Auszug aus Seiner Endzeitrede ):

"Jetzt schon habe Ich es euch gesagt, bevor es geschieht,
damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt."
( Johannes 14, 29 )


Ein enger Vertrauter von Jakob Lorber ( und der Neuoffenbarung ) war der Grazer Komponist Anselm Hüttenbrenner ( 1794–1868 ), zu dessen Ehren nach seinem Tod die Hüttenbrennergasse in Graz benannt wurde. Beide verband zuerst einmal die Musik, die besonders auf Lorbers geistigen Bildungsweg einen wesentlichen Einfluss ausgeübt haben muss. Wahrscheinlich diente sie ihm ( unbewusst ) auch als wirksames Erweckungsmittel des geistigen Lebens ( in ihm ) und schärfte sein inneres Ohr für das spätere Vernehmen der "inneren Stimme" Gottes.

Die Musik hob demnach Lorbers Geist in höhere Sphären ... bis zu den Pforten der Ewigkeit ... Und so wie die Musik den Menschen Jakob Lorber ( geistig ) reich und glücklich machte, so tat dies später dann die Neuoffenbarung mit ihren Gütern, die unvergänglich sind: Die Neuoffenbarung enthüllte ihm die ihn umgebende Natur und das Weltall in seiner göttlichen Ordnung. ( Vor diesem Hintergrund bin ich auch der festen Überzeugung, dass neun Zehntel der heute wahrhaft nach Gott suchenden Menschen, sofort gläubig würden, wenn sie das Wesen der Neuoffenbarung kennen würden. Es ist deshalb mein Anliegen, auf dieser Webseite tiefer in die Welt der Neuoffenbarung einzuführen. Das soll geschehen, ohne dass die religiösen Gefühle Andersgläubiger verletzt werden, ohne Polemik, nüchtern und sachlich, in Demut und Ehrfurcht, in Dankbarkeit und Freude, ohne Rechthaberei, aber in der unverbrüchlichen Liebe zur Wahrheit, die als solche immer absolut ist.)

Anselm Hüttenbrenner schrieb im Jahr 1848 über den Beginn der Neuoffenbarung in einem Brief an Dr. Justinus Kerner ( 1786-1862 ), einer der ersten Herausgeber der Schriften der Neuoffenbarung: "Der Herr Jesus spricht in einem hier lebenden armen, anspruchslosen Mann, namens Jakob Lorber, seit dem 15. März 1840 beinahe Tag für Tag. Dieser schreibt das Gehörte nieder oder diktiert es einem seiner vertrauten Freunde." ( Himmelsgaben, Bd. 2, Brief v. 1848, Vers 2 )


Das Wohnhaus von Dr. Justinus Kerner in Weinsberg


Dieses "Neue Wort" ( Schrifttexterklärungen, Kap. 1, V. 1 ), das Jakob Lorber bis zu seinem Tod 1864 ( in der Laimburggasse 8 in Graz ) diktiert wurde, gleicht - bildlich gesprochen - dem Schiff eines Fährmannes, der seine Gäste über einen See - bei widrigen Winden - von einem Ufer zum anderen ( von der Unfreiheit zur Freiheit ) übersetzt.


Das Sterbehaus Jakob Lorbers


Entscheidend ist bei dieser Überfahrt, dass unterwegs keine Seelen ins Wasser ( des allzu weltlichen Lebens ) fallen und dabei ( geistig ) ertrinken. Hierzu heißt es in der Neuoffenbarung: "Der "See" bedeutet die Welt; die widrigen "Winde" sind das Tun und Treiben der Welt und ihre Begierlichkeiten" ( Schrifttexterklärungen, Kap. 20, V. 4 ), gegen die der Fährmann zu kämpfen hat.

Zu dieser ( geistigen ) Überfahrt im Schiff eines Fährmanns heißt es dann auch an anderer Stelle in der Neuoffenbarung ( über den Gipfel des Reinerkogel in Graz ): Es "wird eine Brücke gestellt werden zwischen hier und dort, auf dass die Bewohner der Erde leichter zu uns herüberkommen sollen als bis jetzt auf der schon sehr morsch gewordenen Leiter Meines Jakob, auf der nur Engel auf und ab steigen konnten ... Es sollen weder am Anfang noch in der Mitte noch am Ende der Brücke Wächter aufgestellt sein, zu untersuchen die Elenden, Schwachen und Bresthaften. Da soll ein jeder ein vollkommener Freizügler sein und soll sich jederzeit Rat und vollkommene Hilfe von hier als von seiner wahren Heimat holen können! Auf dieser Brücke aber werden auch wir die lange verlassene Erde wieder betreten und dort unsere Kinder selbst erziehen, lehren, leiten und regieren und so das verlorene Paradies wieder aufrichten!" ( Von der Hölle bis zum Himmel - Robert Blum, Bd. 1, Kap. 86, Vers 18-20 )


Panorama vom Reinerkogel auf den Schlossberg in Graz, 1899


Diese Kundgabe über das Wirken aus dem Jenseits entspricht ganz und gar dem Fortschrittsglauben der Neuoffenbarung. Demnach strebt alles Leben zu immer höherer Vollkommenheit empor: Nicht nur während seines irdischen Lebens, sondern auch nach seinem Tod, ist es dem Menschen gestattet, von einer Stufe zur anderen emporzusteigen. Denn für die Neuoffenbarung ist hier alles im Fortschritt begriffen, da der Mensch aufgrund seiner Entscheidungsfreiheit zwischen Gut und Böse so etwas wie ein Gott im Keimzustand ist.

Der entscheidende Imperativ des Gewissens lautet hier: Tu das Gute und widerstehe dem Bösen. Das heißt: Die Seligkeit, die dem Menschen im Jenseits zuteil wird, hängt ab von dem geistigen Fortschritt, den er in seinem irdischen Leben erzielt hat. Er kann sich aber auch im Jenseits noch weiter aufwärts arbeiten, denn auch dort bleibt das Gesetz des Fortschrittes bestehen. ( Hierbei kann übrigens auch ein Gebet aus dem Diesseits für die Verstorbenen im Jenseits Einfluss auf dessen jenseitige Verhältnisse und Entwicklungen ausüben. )

Der keineswegs ätherisch aussehende Jakob Lorber ( mit seiner fast derben Gestalt, dem Rauschebart und den freundlichen Augen hinter der damals modernen Schubert-Brille ) schrieb die "Gnaden"-Worte der Neuoffenbarung wie nach einem Diktat nieder, ohne gedanklich oder konstruktiv daran beteiligt gewesen zu sein. Dabei war Jakob Lorber kein willenloses "Schreibmedium", dessen Hand automatisch geführt wurde. Er fiel auch nicht beim Niederschreiben in Trance beziehungsweise in Ekstase; vielmehr schrieb er voll konzentriert nieder, was er über die so genannte "innere Stimme", die er die "Gnadenstimme des Herrn Jesus Christus" nannte, hörte ... und was er niederschrieb, bedurfte auch keiner Verbesserung mehr, denn es war ja nicht sein Geistesprodukt.

In diesem Sinne spricht Gott schon im Alten Testament bei der Berufung des Propheten Jesaja ( 48, 6-8 ): "Von jetzt an lasse Ich dich etwas Neues hören, etwas Verborgenes, von dem du nichts weißt. Eben erst kam es zustande, nicht schon vor langer Zeit. Zuvor hast du nichts erfahren davon, damit du nicht sagst: Das habe ich längst schon gewusst. Du hast davon nichts gehört und gewusst, dein Ohr war bisher nicht offen."

Jesus Christus legte Sein ganzes Leben lang eine besondere Vorliebe für diesen Propheten ( Jesaja ) an den Tag. Wenn Er um die Wahrheit kämpfte, griff Er häufig auf ihn zurück. So, wenn Er über die Unaufgeschlossenheit Seiner Zuhörer klagte ( Matthäus 13, 15 ): "Verstockt ist das Herz dieses Volkes. Seine Ohren sind taub, seine Augen geschlossen. Mit den Augen will es nicht sehen, mit den Ohren nicht hören, mit dem Herzen nicht verstehen noch sich bekehren, dass Ich es heile." Ein anderes Mal, als die Pharisäer Ihm vorwerfen, das Gesetz zu übertreten, führt Er wieder Seinen Lieblingspropheten an ( Markus 7, 6-7 ): "Treffend hat Jesaja von euch Heuchlern gesagt in dem Schriftwort: Dieses Volk ehrt Mich mit den Lippen, sein Herz jedoch ist fern von Mir. Vergeblich ehrt es Mich, seine Lehre ist Menschensatzung."

Aus heutiger Sicht scheint zwischen Jesus und Jesaja eine Art geheimes Einverständnis zu bestehen. Die Juden zur Zeit Jesu Christi beriefen sich jedenfalls mit Vorliebe auf Jesaja, da er als der Prophet der messianischen Hoffnung galt.

In diesem Sinne erhielt Jesaja durch seine Berufung zum Propheten den Auftrag, die Verstockung seines Volkes aufzuzeigen ... und durch Jesaja wurde auch das Gericht angekündigt, bei dem nur ein kleiner Rest des Volkes übrig bleiben wird, mit dem Gott dann Seine Heilsgeschichte zum Ziel führen kann. In der weiteren Prophezeiung durch Jesaja wird dann die Ankunft von Jesus Christus angekündigt ... und in beiden Ankündigungen ( Gericht und sichtbare Ankunft Jesu Christi ) liegen eindeutige Parallelen zur Prophezeiung der Neuoffenbarung durch beziehungsweise über Jakob Lorber, dessen schlichten und einfachen Lebensstil übrigens viele Zeitgenossen bezeugten.

So schrieb zum Beispiel der Grazer Dichter und kaiserlich-königliche Amtssekretär Karl Gottfried Ritter von Leitner ( 1800-1890 ), einer der drei Kuratoren des vom Erzherzog Johann ( 1782-1859 ) im Jahr 1811 in Graz gegründeten Universalmuseums "Joanneum", 1884 in seiner Lebensbeschreibung über Jakob Lorber ( die den Titel trägt: "Ein Lebensbild nach langjährigem persönlichen Umgange" ) über das "Schreibgeschäft" Jakob Lorbers: "Fast täglich schon morgens vor dem Frühstück, welches er in seinem Eifer nicht selten unberührt stehen ließ, begann er sein Schreibgeschäft, das die Hauptaufgabe seines Daseins blieb. Dabei saß er an einem kleinen Tischchen - im Winter knapp neben dem Ofen - und führte ganz in sich gekehrt, mäßig schnell, aber ohne je eine Pause des Nachdenkens zu machen oder eine Stelle des Geschriebenen zu verbessern, ununterbrochen die Feder, wie jemand, dem von einem anderen etwas vorgesagt wird.



Zum wiederholten Male tat er, wenn er hiervon sprach, auch die Äußerung, er habe während des Vernehmens der ihm einsagenden Stimme auch die bildliche Anschauung des Gehörten. Seiner Aussage nach teilte sich das innere Vernommene aber noch leichter mit, wenn er es einem anderen mündlich kundgeben konnte. Und in der Tat diktierte er einigen seiner Freunde Aufsätze, ja ganze Werke von mehreren hundert Schriftbogen.

Dabei saß er neben dem Schreibenden, ruhig vor sich hinschauend und nie in seinem Redefluss stockend oder irgendeine Satzzufügung oder auch nur einen Ausdruck abändernd. Und wenn sein Diktieren durch Zufall auf kürzere oder längere Zeit, selbst für Tage und Wochen unterbrochen wurde, so vermochte er das bisher Geschriebene, ohne von demselben mehr als etwa die letzten Worte oder Zeilen nachgelesen zu haben, sogleich im richtigen Zusammenhang fortzusetzen."

In dieser Biographie schildert der Augenzeuge Karl Gottfried Ritter von Leitner, der zusammen mit dem Schriftsteller und Maler Ignaz Kollmann ( 1775–1837 ) den Text für die von Anselm Hüttenbrenner komponierte Oper "Leonore" ( 1835 ) lieferte und dessen lyrische Gedichte teilweise von Franz Schubert ( 1797–1828 ) vertont wurden, den "Schreibknecht" Jakob Lorber als einen demütigen Katholiken, der an Sonntagen in der Kirche die Orgel spielte. Das Wenige, das er ab dem oben genannten 15. März 1840 benötigte, verdiente er mit einzelnen Musikstunden, die er gab, und durch Klavierstimmen. Seine Freunde unterstützten ihn finanziell bis zu seinem Lebensende ... und gemäß dem Alten Testament würde diesen "Schreibknecht" der Herrgott wohl: "Mein Knecht Jakob" ( Jesaja 44, 2 ) nennen.

Karl Gottfried von Leitner selbst heiratete 1846 seine Frau Karoline geb. Beyer, mit der er in ungewöhnlich harmonischer Ehe lebte. Gemeinsam lasen sie die neuesten Offenbarungen, die Jakob Lorber durch das innere Wort empfing und empfanden dankbar die große Gnade, bei diesem außerordentlichen Geschehen Zeuge und Helfer sein zu dürfen.

Dieser Freundeskreis um Jakob Lorber wurde besonders erregt durch die Neuoffenbarungs-Beschreibung des Planeten Neptun, der erst vier Jahre später von den beiden Astronomen Leverrier in Paris und Galle in Berlin am 23. September 1846 entdeckt wurde. "Eine neue Zeit ist angebrochen", sagte Karl Gottfried von Leitner zu seiner Frau Karoline, "der Mensch, der suchende Mensch, kann nun mit Hilfe der Vernunft und des Verstandes in die Geheimnisse des Glaubens eindringen. Wie wunderbar, dass wir das miterleben dürfen!"

Vielleicht ist angesichts eines solchen Ereignisses auch passend der Nachname von Jakob Lorber, zu dem mir persönlich - rein assoziativ - nur die Lorbeer-Pflanze einfällt, die - aus dem griechischen Kulturraum kommend - einem Sieger als Lorbeerkranz auf das Haupt gelegt wurde. ( Da die Glaubenszeugen durch ihren Tod einen Sieg errungen haben, ist das Lorbeerblatt oder der Lorbeerkranz seither auch ein Bild für das Glaubenszeugnis. ) Demnach ergibt bei Jakob Lorber Vorname und Nachname einen ähnlichen Sinn wie zum Beispiel der Vor- und Nachname "Jesus Christus": Der Name "Jesus" kennzeichnet Ihn als "Gott-Retter", Sein Titel "Christus" ( "der Gesalbte" ) weist Ihn als den lang erwarteten Messias Israels aus. Gemäß Seinem Namen würde Er also "Sein Volk erretten", da Er vom Heiligen Geist gesalbt ist.

Eine weitere Beschreibung Jakob Lorbers lieferte sein ehemaliger Musikschüler Paul Hüttenbrenner, der älteste von drei Söhnen Anselm Hüttenbrenners, in einem Brief vom 17. Januar 1878: "In seinem Verkehre war Jakob sehr leutselig und zuvorkommend, war trotz Armut stets fröhlichen Gemütes, konnte herzlich lachen und riss besonders im Theater bei gelungenen Szenen das Publikum zum Lachen mit. Gab es einen Ausflug oder sonst ein Vergnügen, da durfte unser Jakob nicht fehlen, um die rechte Stimmung hervorzubringen, die er durch launige Einfälle stets zu erhöhen wusste; auch sonst war er, bei alt und jung beliebt, ein guter Gesellschafter ... Der edelste Zug seines Charakters aber war die uneigennützige Nächstenliebe, die er gegen Unglückliche und Arme, ob er sie kannte oder nicht, übte, und oft alles hingab."

Jakob Lorber fiel demnach durch sein freundliches Wesen auf. Er selbst lebte zu dieser Zeit in einem dürftig möblierten Zimmer im Haus Neue Welt Gasse Nr. 4, in dem ab 1840 auch die meisten Neuoffenbarungen niedergeschrieben wurden. Dazu saß er - wie oben beschrieben - beinahe jeden Tag stundenlang am Tisch und schrieb alles auf, was ihm die so genannte "innere Stimme" diktierte. Die Manuskripte weisen keinerlei Korrekturen oder sonstige Anzeichen von Überarbeitung auf. Als man sie - zum größten Teil - nach seinem Tod veröffentlichte, ergaben sie - wie oben beschrieben - mehr als circa 10.000 Druckseiten. Heute weist folgende Marmortafel rechts neben der Haustüre auf dieses Ereignis hin:


Die Lorber-Gedenktafel in der Neue-Welt-Gasse 4, Graz


Die Neue Welt Gasse - eine Seitengasse vom Hauptplatz in Graz - ist nur etwa 100m lang. Sie beginnt beim Franziskanerkloster Graz und endet am Hauptplatz, wo der Sitz des Grazer Rathauses ist. Zur Zeit von Jakob Lorber befand sich in diesem Haus Neue Welt Gasse Nr. 4 ( siehe Bild links und rechts ) das Gast- und Kaffeehaus "Zum weißen Kreuz". ( Das "weiße Kreuz" - das "Johanniterkreuz" - kennzeichnet bei den Johannitern das "Licht Christi". Der Johanniterorden - die "Bruderschaft vom Heiligen Johannes dem Täufer" - hat sich Johannes zum Vorbild genommen, der Jesus Christus den Weg bereitete und zur Buße im Denken und alltäglichen Verhalten anleitete. )


Stadtplan von Graz


Der steiermärkische Publizist, Lyriker und Heimatschriftsteller Karl Gottfried Ritter von Leitner schrieb über diese Wohnung in der oben genannten Lorber-Biographie, dass Jakob Lorber in "einem nach rückwärts gelegenen kleinen Zimmer im ersten Stockwerk des Gasthauses "Zum weißen Kreuz" in der so genannten "Neue Welt" wohnte". Das heißt: Jakob Lorber wohnte - laut dieser Schilderung - in einem Haus, in dem sich viele Menschen zur Herberge einfanden. Sein Zimmer, das er lange Jahre in diesem Gasthaus bewohnte, trug den Namen "Neue Welt".

Passend zu diesem Thema "Gasthaus" gibt es auch eine psychologische Sichtweise - ein Gedicht von Rumi, ein Sufi-Mystiker aus dem 13. Jahrhundert, das davon spricht, dass, was auch immer einem zustößt, es am Ende gut für einen ist, eine Wohltat, ein Segen, auch wenn es zunächst nicht danach aussieht. Und es geht um die Frage: Wie hält man die eigenen privaten Probleme aus, aber auch all den deprimierenden, verrückten Kram in der Welt? Wie schafft man es, dass einem das alles nicht völlig überfordert und überfährt?


Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast.
Freude, Depression und Niedertracht –
auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit
kommt als unverhoffter Besucher.
Begrüße und bewirte sie alle!
Selbst wenn es eine Schar von Sorgen ist,
die gewaltsam Dein Haus
seiner Möbel entledigt,
selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll.
Vielleicht bereitet er dich vor
auf ganz neue Freuden.
Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit –
begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu Dir ein.
Sei dankbar für jeden, der kommt,
denn alle sind zu Deiner Führung
geschickt worden aus einer anderen Welt.


Bemerkenswert ist an Jakob Lorber, dass er als stiller Junggeselle selbst nicht danach trachtete, im Vordergrund zu stehen, sondern diente mit seinem "Schreibgeschäft" in all seinen Jahren vielmehr allein der zu offenbarenden Wahrheit ... Und so teilte er das Los vieler Propheten ( griechisch: "prophetes" = "Weissager", "Verkünder" ), die ein schweres Leben in Verborgenheit hinnehmen mussten, um Verfolgungen ( und Verleumdungen ) zu entgehen.

Das hebräische Wort für Prophet meint nicht nur einen Verkündiger der Zukunft, sondern auch ganz allgemein einen Botschafter des Willens Gottes. Und in diesem Sinne sendete Gott in jedem Zeitalter Seine Propheten. Aber jedes Zeitalter hatte diese Propheten abgewiesen, weil das Wort Gottes ein unbequemes Wort ist, das die Menschen nicht hören wollten. Vor allem die institutionalisierte Theologie tat sich bisher besonders schwer mit diesem "Inneren Wort" der Mystik. ( Hinweis: Die verstandesorientierte Theologie steht der Mystik eigentlich immer skeptisch gegenüber: Sie geht davon aus, dass der Mensch einem transzendenten Gott gegenübersteht, mit dem man sich niemals verschmelzen beziehungsweise eins werden kann. Hier besteht somit der gleiche Konflikt, wie ihn Jesus Christus mit den Schriftgelehrten und Pharisäern hatte: Damals machten die Pharisäer aus Gott eine ferne, steife Figur, einen anspruchsvollen, fordernden Herrscher, dem man Tribut schuldig ist. Das Gottesbild Jesu Christi hingegen ließ sich mit Seiner vitalen Bejahung von Gottes Vaterschaft und der freien Zustimmung der Menschen durch keine Ideologie einengen. Stattdessen sprach Er sich gegen die Vorschriften der Schriftgelehrten und Pharisäer aus, "die den Menschen schwere und untragbare Lasten auf die Schultern legen." ( Matthäus 23, 4 ) )

In diesem Sinne erging es auch dem Propheten Jeremia, der wie die meisten Propheten von den Schriftgelehrten abgelehnt wurde ( Jeremia 20, 7-9 ):

"Du hast mich betört, o Herr,
und ich ließ mich betören;
Du hast mich gepackt und überwältig.
Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag,
ein jeder verhöhnt mich.
Ja, sooft ich rede, muss ich schreien,
"Plage und Zerstörung" muss ich prophezeien.

Und das Wort des Herrn bringt mir
den ganzen Tag nur Spott und Hohn.
Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an Ihn denken
und nicht mehr in Seinem Namen sprechen!
So war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer,
eingeschlossen in meinem Innern.
Ich quälte mich, es auszuhalten,
und konnte nicht ..."

Jeremia konnte vor Gottes Wort nicht davon laufen; aber wenn er es aussprach, erntete er regelmäßig Spott und Hohn. Denn die Menschen meinten, Gott würde sie erretten, bloß weil sie Juden sind. Sie glaubten, dass sie den Tempel haben, ist eine Art Lebensversicherung. Aber der Tempel konnte sie nicht retten. Und so sah Jeremia, was passieren wird, wenn das Volk nicht dem göttlichen Muster folgt, sondern irgendeinem selbstgestrickten Muster.

Im Neuen Testament hatte Jesus Christus abermals gegen den Tempel prophezeit. Der wiederaufgebaute Tempel war erneut zum Götzen geworden, zum Ersatz für den wahren Tempel: Einen Leib, in dem Gottes Geist wohnt. Dieser Geist wohnte in Jesus Christus und in denen, die als Gemeinschaft des Glaubens und der göttlichen Kraft mit dem Heiligen Geist erfüllt waren. Der Tempel, den Gott zu errichten versuchte, war nicht aus Stein.

Übrigens: Auch heute noch driften die Menschen - eigensinnig wie sie sind - von Gottes Willen ab und merken selber nicht, dass sie gar nicht mehr auf Gottes Zielen hin unterwegs sind. Sie vergötzen ihre eigenen Ziele, verzieren sie mit Gesetzen und Regeln und umgeben sie mit dem Heiligenschein der Ehrbarkeit. Sie sagen, das sei Gottes Wille - aber in Wahrheit ist es ihr eigener Wille.

Und irgendwann kommt dann ein Prophet des Weges, der im Namen Gottes spricht, zum Beispiel so, wie es Jeremia tat: Er drohte ein kommendes Gericht an, das auch dann wirklich eintrat. Der Tempel vermochte das Volk nicht zu retten. Denn der Tempel hielt zwar fast 400 Jahre, aber er hielt nicht ewig. Im Jahr 587 v. Chr. wurde er zerstört. Schließlich gibt es nur einen Tempel, der ewig hält, nur einen Ort, an dem es ewiges Leben gibt - aber dieser Tempel ist nicht aus Stein, sondern ein Tempel des Geistes. Das heißt: Die wahre Herrlichkeit des Tempels besteht nicht in Gold und Silber, sondern in Gottes Gegenwart, die heutzutage vor allem in der johanneischen Kirche wohnt. ( Hinweis: Das Haupt der johanneischen Kirche ist Jesus Christus und ihre Seele ist der Heilige Geist: Ihre Aufgabe ist es, die Wahrheit, die Jesus Christus ist, zu verkündigen und authentisch zu lehren, zugleich auch die Prinzipien der sittlichen Ordnung, die aus dem Wesen des Menschen selbst hervorgehen, zu erklären und zu bestätigen. Demnach lehrt die johanneische Kirche - gemäß der Heiligen Schrift und der Neuoffenbarung - die Wahrheit Jesu Christi und - gemäß des Naturrechtes - die Wahrheit der sich aus der Natur des Menschen ergebenden sittlichen Normen. Die Ausbreitung des Evangeliums, die Vermittlung der Gnade und die Verkündigung des göttlichen, also des geoffenbarten, und des natürlichen Sittengesetzes stehen hier auf einer Ebene, wie es auch schon der Prophet Micha im Alten Testament formulierte ( Micha 6, 8 ): "Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott." )

Wenn diese Aufforderung des Propheten Micha nur noch formalistisch veräußerlicht gelebt wird, entsteht - wie zur Zeit Jesu Christi - ein institutionalisierter Tempelbetrieb, der das Prädikat "rechtschaffen" nur für die "Normalen", die Angepassten und die Amtsträger ausstellt. Das heißt: Das religiöse Innere des Menschen dringt nicht mehr nach außen, und die äußeren religiösen Ausdrucksformen, die ein Spiegel der inneren Überzeugungen und Regungen sind, sind formal erstarrt. Eine solche oberflächliche Sensibilität für die Transzendenz Gottes herrschte übrigens ( im äußeren Kult und in der inneren Religiosität ) auch zur Zeit der Niederschrift der Neuoffenbarung.

Die religiöse Innerlichkeit hatte in dieser Zeit einen geringeren Stellenwert und die Wahrheit, die Jakob Lorber im Auftrag des Herrn verkündete, brachte ihm demnach kaum öffentliche Anerkennung oder Lob ein. Im Gegenteil: Jakob Lorber lebte im Österreich Metternichs ( 1773-1859 ) ... und die über ihn mitgeteilte Neuoffenbarung hatte für diese Zeit der Restauration hochexplosiven Charakter: Sie enthielt vielfach Kritik an den Zuständen seiner Zeit und rüttelte am Bestehenden - vor allem: An der festgefahrenen sozialen Ungerechtigkeit - und rief nach Befreiung. ( Man vergleiche hier auch: Zur Zeit Jesu Christi - vor circa 2000 Jahren - herrschten laut Lukas 3, 1-2 ein Kaiser ( Cäsar ), ein "Statthalter", drei mit dem Titel "Vierfürst" und zwei Hohepriester ( der Hohepriester Hannas und sein Schwiegersohn Kaiphas ). Die politischen Machthaber, die erwähnt werden, zeigen, mit welch eisernem Griff das Volk Israel in Unterdrückung gehalten wurde. Die Tatsache, dass es zwei Hohepriester in Israel gab, zeigt, dass das Volk sowohl auf religiösem als auch auf politischem Gebiet in Unordnung geraten war. Obwohl sie in den Augen der Welt hoch angesehen waren, waren sie in Gottes Augen böse, skrupellose Männer. )

Eine ähnliche Unordnung herrschte Anfang des 19. Jahrhunderts, wo viele Bauern vom Lande in die Städte auswanderten, die durch Armut und Lasterhaftigkeit gekennzeichnet waren. Daneben bestand das Luxusleben der reichen Oberschicht oft mit ihrer Grausamkeit gegen die Armen. Hinzu kamen Kriege, die den Bauern gewaltsam Häuser und Landbesitz fortnahmen. So wurden die Friedfertigen ihrer Kleidung beraubt und die Frauen und Kinder aus ihren Häusern getrieben. Der Handel in den großen Städten mit den fernen Völkern führte außerdem deren falsche religiöse Sekten und deren Sittenverderbnis ein. Und kurz gesagt: Die Verhältnisse Anfang des 19. Jahrhunderts glichen zum Teil denen des Christentums der westlichen Welt von heute ( im Zeitalter der Globalisierung ).

Wer in jener Zeit der Feudalherrschaft aus dem Munde Gottes Missstände tadelte, war der rücksichtslos herrschenden Oberschicht nicht angenehm. Denn schließlich enthielt diese Wahrheit die ernste Mahnung Gottes zur Umkehr. ( Jesus Christus warnte aber schon vor circa 2000 Jahren Seine Jünger davor, nach Popularität zu streben ( Lukas 6, 26 ), und sagte ihnen deshalb Verfolgung und Leiden voraus ( Matthäus 10, 22-23 ). )

Der Hintergrund ist: Die Menschen leben auf der Erde ( gemeint ist der von der Sonne aus gesehene dritte Planet ) wegen ihrer materiellen Sorgen gewöhnlich dahin, ohne nach dem geistigen Sinn ( des Sonnensystems ) zu fragen. ( Eine Frage wäre zum Beispiel: Warum leben die Menschen an diesem Ort? ) Doch die Gedanken der Menschen gehen im Allgemeinen nicht über das Alltägliche hinaus, und dennoch ist auch das Alltägliche nur eine Entsprechung unendlicher und ewiger Zusammenhänge. Wer sich demnach daran gewöhnt hat, in seinem Leben nichts als Zufall anzusehen, hat es natürlich schwer, einen Propheten zu würdigen.

Demnach war es für Jakob Lorber auch kein Honigschlecken, in seiner Zeit ein Prophet zu sein, das heißt - vom Heiligen Geist erfüllt - die Stimme Gottes zu verkünden. Denn während der langen Jahre seiner Schreibtätigkeit wusste Jakob Lorber nicht, ob seine umfangreichen Manuskripte jemals gedruckt werden würden. Geduldig überließ er den weiteren Verlauf der Dinge der Vorsehung. In einem Brief an seinen Freund Anselm Hüttenbrenner vom 02. April 1846 bemerkte er: "Die Welt will mir nichts geben, und dessen bin ich froh." Es war keine Kleinigkeit, 24 Jahre lang täglich die Freizeit zu opfern, um ohne materielle Entschädigung den ihm erteilten Auftrag zu erfüllen.

Der Erzengel Gabriel - der Name "Gabriel" bedeutet: "Gottes Stärke", "Gottes Kraft" oder "Gott ist stark" - übermittelte einst im Alten Testament der Menschheit bedeutsame Offenbarungen durch den Propheten Daniel ( 8, 16 und 9, 21 ) und kündete im Neuen Testament dem Zacharias die Geburt des Vorläufers Jesu Christi an ( Lukas 1, 11-20 ). Dann brachte er Maria die Botschaft von ihrer gnadenvollen Berufung zur Mutter Gottes und von der Menschwerdung des Sohnes Gottes ( Lukas 1, 35 ): "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Heilige, das aus dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden." Das heißt: Die irdische Natur des Menschen ist von dieser Zeit an vom Heiligen Geist neu geschaffen und wird vom Heiligen Geist durchwaltet.

Was ein Prophet Gottes in dieser Welt - ab diesem besonderen Moment - erwarten kann, ist Spott, Hohn, Verfolgung und Tod, so dass Jesus Christus hierzu im Neuen Testament sagte ( Matthäus 23, 34 ): "Ich sende Propheten, Weise und Schriftgelehrte zu euch; ihr aber werdet einige von ihnen töten, ja sogar kreuzigen, andere in euren Synagogen ( Kirchen ) auspeitschen und von Stadt zu Stadt verfolgen."

Die Freiheit, die demnach die Neuoffenbarung seiner Zeit gegenüberstellte, war die Welt des Geistes beziehungsweise die des Herrn, dessen göttliche Stimme Jakob Lorber mit seinem "inneren" ( geistigen ) Ohr vernahm. Wer diese Neuoffenbarung genauer liest, der empfindet keinen Zweifel mehr, dass hier eine göttliche Einflussnahme auf ein demütiges menschliches Werkzeug stattfindet ... und zwar für jene, die Ohren haben, zu hören, "was der Geist den Gemeinden sagt" ( Die Offenbarung des Johannes 3, 13 ). Auf diese Weise wendet sich die Neuoffenbarung an das Herz und ist zugleich eine Entsiegelung verborgener Inhalte der Heiligen Schrift. Denn es ist die Aufgabe des Lesers, im hörenden Sich-Einlassen auf die göttliche Wahrheit diese aus der Neuoffenbarung zu erheben: Nicht die Neuoffenbarung an sich ist die Wahrheit, sondern der verborgene Inhalt in dieser Schrift enthält die eigentliche göttliche Wahrheit. Man kann deshalb nicht einzelne Schriftstellen zusammenziehen, um dann die göttliche Wahrheit zu haben. Die entscheidende Frage ist hier vielmehr auf den Geist der Wahrheit hinter dem "äußeren Buchstaben" der Neuoffenbarung gerichtet.

An dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, dass Jakob Lorber die Geisterwelt hör- und sichtbar erschlossen war: Er konnte den Herrn teilweise nicht nur mit dem "inneren" ( geistigen ) Ohr vernehmen, sondern Ihn auch zeitweise sehen. Dies kann dann der Leser der Neuoffenbarung an den Stellen verfolgen, wenn der Herr in einer Kundgabe zu Jakob Lorber folgende Worte diktiert: "Dafür komme Ich doppelt zu dir, wie fürs Ohr, also auch fürs Auge. Siehe, hier bin Ich! Und so schreibe nun in dieser Meiner für dich sichtbaren Gegenwart ..." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 25.07.1842, V. 1-2 )

Insgesamt gesehen war Jakob Lorber - nach Auffassung des evangelischen Theologen und langjährigen Leiters der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen ( EZW ) in Stuttgart, D. Dr. Kurt Hutten ( 1901-1979 ) - ein "Werkzeug des Heiligen Geistes". Kurt Hutten sah in den Schriften der Neuoffenbarung, die er als "himmlische Aufklärungswerke" bezeichnete, "eine wirksame Hilfe für den Christen" ... und dies heißt doch meines Erachtens nichts anderes, als dass die Neuoffenbarung auf demselben göttlichen Grund wie die Bibel steht: Die Neuoffenbarung ist von Gott inspiriert ... und dies wiederum bedeutet: Gott offenbart hier ( in der Ich-Form, quasi in einer Selbstmitteilung ) durch das niedergeschriebene Wort ( über Jakob Lorber ) Seine Wahrheiten und Seinen Willen den Menschen.

Genau genommen ist es aber nicht Gott selbst, sondern der Leser des Werkes "Von der Hölle bis zum Himmel" erfährt, dass Jakob Lorber die Neuoffenbarung von Gott über einen Engel erhalten hatte: "Das ist so ein schwaches irdisches Knechtlein von Dir und schreibt, was Du ihm durch irgendeinen Engel in Deinem Namen in die Feder diktierst." ( Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum, Bd. 2, Kap. 261, V. 5 )

Hinweis: Im Alten Testament teilte der Erzengel Gabriel - wie schon oben erwähnt - dem Daniel mit ( Daniel 9, 22 ): "Jetzt bin ich ausgegangen, um dich Verständnis zu lehren." Dieser Erzengel Gabriel, "der vor Gott steht" ( Lukas 1, 19 ), belehrte also den Menschen Daniel. ( Es ist bemerkenswert, dass die Engel, wo immer sie in der Bibel auftreten, völlig zurücktreten hinter ihre Botschaft und so demonstrieren, dass es um die Botschaft geht, nicht um die Boten: "Soli Deo gloria" ( "Gott allein gilt die Ehre" ). Die Menschen verehren demnach in ihnen die Gnade und die Liebe Gottes, weil sie in ihnen Gott selber begegnen. )

Ein weiterer Engel im Alten Testament ist der Erzengel Raphael - der Name "Raphael" bedeutet: "Gott heilt". Er ist der gottgesandte Begleiter und Beschützer des jungen Tobias und somit das Urbild des Schutzengels.

Von daher verehren ihn die Menschen in erster Linie als den Patron der Reisenden. Ein altes Stossgebet lautet: "Raphael cum Tobia sint mihi comites in via" - "Raphael und Tobias mögen mich schützend begleiten auf meiner Reise". Das heißt: Der gläubige Bibelleser bittet den Erzengel Raphael, dass er ihn auf dem Weg der Tugend und der Vollkommenheit führt und dass er ihm von Gott die Gnade der Treue im Kleinen und die Gnade der Beharrlichkeit erfleht, auf dass er sicher an das Ziel der irdischen Pilgerfahrt gelangt.

Zusammen mit dem Erzengel Raphael gilt es also dem menschgewordenen Gottessohn, dem Heiland, nachzufolgen, der in Seinen Erdentagen durch die Städte und Dörfer Galiläas zog und die Menschen heilte, die in ihren mannigfachen Krankheiten und Gebrechen Hilfe suchten bei Ihm. ( Markus 3, 10; Markus 6, 13; Matthäus 4, 23; Lukas 6, 19; Lukas 9, 11 )

Insgesamt betrachtet weiß der gläubige Bibelleser, dass Gott Engel erscheinen lassen kann ... und viele Menschen tun sich deshalb auch nicht schwer damit, dass die Botschaft der Neuoffenbarung in diesem Fall durch einen Engel über Jakob Lorber vom Himmel zur Erde kommt ... Genau genommen geschieht dies, indem Gott durch den reinen Geistfunken im Menschenherzen ( der unmittelbar aus Gott stammt ) ganz zart und leise in das Sensorium der Prophetenseele Gedanken, Bilder und Gefühle mehr oder weniger klar und deutlich einhaucht: Die Worte steigen dann aus der göttlichen Gnadenquelle durch das Unterbewusstsein des Gemüts mit all seinen geheimen Vorrat von Erinnerungen und Vorstellungen zum klaren Tagesbewusstsein bei Jakob Lorber auf ... und werden in schriftlichen Worten fixiert. In diesem Sinne erklärte schon Thomas von Aquin: "Nemo potest dare, quod non habet" ( "Niemand kann geben, was er nicht hat" ).

Viktor Mohr ( 1896-1969 ) hat in der Zeitschrift "Das Wort" den oben genannten Sachverhalt wie folgt geschildert: "Der subtile Geistesimpuls muss zuerst den ganzen Seelenbereich des Mittlers ( Jakob Lorbers ) durchlaufen, bevor er das Wahrgenommene in Worten der irdischen Sprache aufzeichnen kann. Und das ist auch der Grund, warum das Gotteswort sich jeweils in der dem Mittler eigentümlichen Redeweise ausdrückt und damit jede Kundgabe". ( "Das Wort", 1969/2 ).

Der evangelische Theologe und Kirchenhistoriker Prof. Dr. Ernst Benz ( 1907-1978 ) weist in seinem Buch "Swedenborg" ebenfalls auf diesen Sachverhalt hin: "So wächst - wie der Sachverständige Oetinger ( 1702-1782 ) zu dieser Tatsache bemerkt - das Korn der himmlischen Offenbarung immer auf dem Halm der menschlichen Anschauung."

Vor diesem Hintergrund bemerkt auch der bereits oben erwähnte Kirchenrat Dr. Kurt Hutten, dass bei der Niederschrift der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber "der menschliche Faktor zumindest beim Sprachkleid mitbeteiligt war".

Schon der bekannte schwedische Naturforscher und Seher Emanuel Swedenborg ( 1688 - 1772 ) hat in Adversia III, 6865-6966, auf diese Nebenerscheinungen, an denen man sich in Ansehung des hochgeistigen Inhalts des Werkes nicht stoßen sollte, hingewiesen, indem er schreibt: "Wenn ein Engel einem Menschen, durch den Worte der Inspiration ausgesprochen oder niedergeschrieben werden sollen, Worte des Herrn einhaucht, so regt es bei demselben ein Denken an, welches in gewöhnlicher Weise in menschliche Ausdrücke fällt. Diese Ausdrücke sind solcher Art, wie sie eben bei dem Menschen vorhanden sind, der beeinflusst wird; sie sind stets seiner speziellen Auffassung und seiner besonderen Lebensform gemäß."

Zusammenfassend kann man sagen: Zum Geist des Menschen gehört nicht nur seine bewusste Sphäre, sondern auch das Unbewusste, die Tiefenseele oder die Tiefenschicht der Seele. Dieses Unbewusste wird durch persönliche Erlebnisse gespeist. Das heißt: Alles, was der Mensch jemals erlebt, wird darin gespeichert. Aber nicht nur seine persönlichen Erlebnisse werden darin aufbewahrt. Es gibt darin auch das kollektive Unbewusste, in dem allgemeine menschliche Erfahrungen gespeichert sind.

Dadurch, dass das individuelle Ich von Jakob Lorber der Träger der Offenbarungen ist, wird auch klar, dass sich in die Kundgaben die persönlichen Züge von Jakob Lorber miteinmischen. Insgesamt betrachtet geschieht dies jedoch meist nur in Randbezirken der Neuoffenbarung. Die subjektiven Trübungen vermögen somit keineswegs den objektiven Kern dieser Offenbarung zu verändern - daher auch die relative Gleichartigkeit der Jenseitsbeschreibungen der Neuoffenbarung mit den Gesichten von dem so genannten "Fürsten unter den Jenseitskundigen der nachreformatorischen Zeit" Emanuel Swedenborg, dessen Jenseitsvisionen durch seine ungemein intellektuelle Gabe geprägt sind. Swedenborg selbst unterscheidet zwei Arten von Offenbarungen: "Jede Offenbarung stammt entweder aus der Rede mit Engeln, durch die der Herr redet, oder aus dem Innewerden" ( Himmlische Geheimnisse 5121 ).

Hinweis: Swedenborg, der 1688 in der St. Jakobs Kirche ( schwedisch: Sankt Jacobs Kyrka ) in Stockholm getauft wurde, war vor allem ein scharfsinniger Denker und einer der bedeutendsten Naturforscher seiner Zeit. Am meisten fesselten ihn die Mathematik und die Mechanik, die er in der Konstruktion eines Unterseebootes, einer Dampfmaschine und eines Flugzeuges ins Werk setzte. Er beherrschte zudem acht Fremdsprachen fließend: Griechisch, Hebräisch, Latein, Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Holländisch. Er war Mitglied der Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm und der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Petersburg. Bis zu seinem Tode war er Mitglied des Schwedischen Reichstages. ( Seine immense literarische Hinterlassenschaft wurde vor wenigen Jahren ins UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen, ins "Memory of the World". )

Auf der Höhe seines wissenschaftlichen Ruhmes und der Anerkennung durch die europäische Gelehrtenwelt traf den selbstbewussten und ehrgeizigen Forscher das Ereignis seiner wahren Berufung. Er wurde zum "gewürdigten Seher unserer Zeiten", wie sein Bewunderer Goethe 1772 in den "Frankfurter Gelehrten Anzeigen" über ihn schrieb: Er bekam nämlich in seinen späten Jahren die Gabe der geistigen Schau und hatte im übrigen auch eine prophetische Aussage gemacht, die meines Erachtens auf Jakob Lorber hinweist: In seinem Brief an den Prälaten Oetinger vom 11. November 1766 bemerkt er, dass nach ihm später einem Mann eine redende Erleuchtung zuteil werde. Er wies dabei ausdrücklich darauf hin, dass diese Stimme des auf solche Art Inspirierten nicht von außen her, sondern von innen her vernommen werde ( Adversia III 6966 ).

Jakob Lorber vernahm die Stimme seit 1840 - also 68 Jahre nach dem Tod Emanuel Swedenborgs - von innen her, und zwar von der Gegend des Herzens. Swedenborg dagegen war befähigt, seine Schauungen in der Geisterwelt mit eigenen Worten aus dem Gedächtnis niederzuschreiben.

Jenseitsvisionen hatten übrigens auch die beiden Apostel Paulus und Johannes. Während der eine ( Johannes ) diese in den Offenbarungen, dem letzten Buch der Bibel, niederschrieb, berichtete der andere ( Paulus ) hierzu von einem "Menschen in Christus", womit er sich selber bezeichnete, der "ob im Leibe weiß ich nicht, ob außer dem Leibe weiß ich nicht, Gott weiß es" ( 2. Korinther 12, 2-4 ) in den dritten Himmel entrückt worden war und dort unaussprechliche Worte hörte, die ein Mensch nicht sagen darf.

Das heißt: Gott erwartet hier von den Menschen, dass sie als Seine Kinder dem durch die Propheten verkündeten und in Jesus Christus Mensch gewordenen Worte vertrauen. So ist es auch Sein Wille, auserwählten Menschen für die Wirklichkeit Seiner Gegenwart und Seines Reiches die Augen zu öffnen, so dass diese ein göttliches Zeugnis an die anderen Menschen weitergeben.

Und wer dann in diesem Sinne die Neuoffenbarung aufmerksam, nicht herumblätternd, oberflächlich und unvollständig, vom Anfang bis zum Ende guten Willens und unvoreingenommen liest, wird feststellen, dass kein Widerspruch zur Heiligen Schrift besteht, vorausgesetzt, der ( oder die ) Lesende klebt nicht am tötenden Buchstaben und ist aufgeschlossen für den lebenspendenden Geist.


Das Gefühl der Andacht inmitten eines prächtigen Waldes


George Fox ( 1624-1691 ), der Begründer der Quäker-Gemeinschaft pflegte hierzu zu sagen: "Nicht der Buchstabe der Schrift, sondern der lebendige Geist, das innere Licht ist es, das den Menschen erleuchtet." Und in einer Kundgabe spricht hierzu der Herr zu dem in Triest lebenden Gottfried Mayerhofer ( 1807-1877 ), der in den letzten sieben Jahren seines Lebens ebenfalls mit dem Bleistift in der Hand die Diktate der inneren Stimme niederschrieb: "Es kommt nur darauf an, wie man Meine Worte zu lesen versteht; nimmt man sie bloß, wie die Lateiner sagen: "ad letteram" ( das heißt: buchstäblich ), so tut man Mir sehr Unrecht; denn was Ich als Geist sage, muss nie anders als geistig aufgefasst werden; jede andere Auslegung führt auf Irrwege." ( Dreieinigkeit, "Die Wesenheit des Gottes Wortes", Kundgabe v. 06.03.1871 ) Demnach kennt die Neuoffenbarung den Unterschied zwischen Buchstabe und Geist, zwischen Form und Sinn, zwischen Sprache und Inhalt, ähnlich wie man im griechischen Denken zwischen Seele und Leib unterscheidet.

Zum Lesen in der Bibel ermunterte übrigens auch Abraham Lincoln ( 1809-1865 ), der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ( 1860-1865 ): "Nimm aus diesem Buch ( die Bibel ) all die Vernunft, die du kannst, und die Ausgewogenheit an Glauben, und du wirst als ein besserer Mann leben und sterben."

Über den Rechtsanwalt Abraham Lincoln wird übrigens des Weiteren erzählt, dass er keinen Fall annahm, in dem das Recht nicht auf der Seite seines Klienten war.

Einmal kam ein Mann, um seine Dienste in Anspruch zu nehmen. Lincoln starrte an die Decke, hörte jedoch aufmerksam zu, während der Mann die Fakten erzählte. Plötzlich drehte er sich in seinem Stuhl herum: "Ihr Fall sieht dem reinen Gesetz nach ziemlich gut aus für Sie", sagte er, "aber ziemlich schlecht, was Gleichheit und Gerechtigkeit betrifft. Sie werden jemand anderen finden müssen, um den Fall für Sie zu gewinnen. Ich könnte es nicht. Während ich vor den Geschworenen mein Plädoyer halte, müsste ich beständig denken: "Lincoln, du bist ein Lügner!" Ich könnte mich vergessen und es lauthals sagen."


 
Das Johannes-Evangelium
 


Kapitel 1 Kapitel 8 Kapitel 15
Kapitel 2 Kapitel 9 Kapitel 16
Kapitel 3 Kapitel 10 Kapitel 17
Kapitel 4 Kapitel 11 Kapitel 18
Kapitel 5 Kapitel 12 Kapitel 19
Kapitel 6 Kapitel 13 Kapitel 20
Kapitel 7 Kapitel 14 Kapitel 21



Über die wahre Wiederverbindung zwischen Gott und dem Menschen erfährt der Leser der Neuoffenbarung: "Je mehr im Zustande der Religion der Mensch sich bestrebt, den göttlichen Willen zu erkennen und danach zu handeln, desto mehr verbindet er sich auch mit der Kraft des göttlichen Willens. Und hat jemand sich den göttlichen Willen in solchem Grade zu eigen gemacht, dass er durchaus keinen eigenen Willen mehr hat ( selbst dazu nicht, um den göttlichen Willen zu erfüllen ), – sondern aller Wille in ihm schon ein rein göttlicher geworden ist, – sodann hat sich der Mensch nicht nur mit Gott verbunden, sondern er hat sich mit Ihm vereinigt. Und das ist der Zweck der Religion, dass sich der Mensch mit Gott vereinigen soll, das heißt, er soll keinen andern Willen als Handlungsbeweggrund haben als allein den göttlichen." ( Die natürliche Sonne, Kap. 42, Vers 6-7 )

Und zur Wilhelmine Hüttenbrenner, eine von sechs Töchtern Anselm Hüttenbrenners, sagte der Herr: "Wenn ihr recht emsig treu Mein Wort anhöret oder selbst leset, so nähert sich da ebenfalls die große Geistessonne eurer irdisch oder weltlich noch kalten nördlichen Winterzone des Herzens. Dieses "Sonnenlicht" entbindet da auch nach und nach stets mehr und mehr Wärme, welche die Liebe zu Mir ist, zur wahren geistigen Lebenstätigkeit." ( Himmelsgaben, Bd. 1, Kundgabe v. 01.05.1841, Vers 6 )

Und an einer anderen Stelle in der Neuoffenbarung heißt es: "Du kannst nicht irgendwohin in einen Himmel kommen, sondern du musst dir deinen Himmel selbst bereiten. Der Same zum Himmelreich ist das Wort Gottes. Wer dasselbe in sich aufnimmt und darnach tätig wird, der hat dieses himmlische Samenkorn in sein Erdreich gelegt, und der Himmel wird aus ihm gleich einem Baume erwachsen." ( Geistige Sonne, Bd. 1, Kap. 57, Vers 9 )

Zusätzlich zur Heiligen Schrift kommt dann noch der Heilige Geist. Deshalb sagte Jesus im Neuen Testament ( Johannes 14, 18 ): "Ich lasse euch nicht als Waisen zurück." Das heißt: Jesus wird den Heiligen Geist, den "Geist der Wahrheit" ( Johannes 16, 13-14 ), senden ... und es wird sein ein Geist, den die Welt nicht empfangen kann. ( Aus diesem Grund versteht sich das Christentum auch als eine "Geistreligion". ) In der Apostelgeschichte liest man hierzu, dass die Jünger aufgefordert werden, für den Empfang des Heiligen Geistes zu beten. Es heißt ( Apostelgeschichte 1, 14 ): "Sie alle verharrten einmütig im Gebet." ( Interessant wäre an dieser Stelle noch zu erwähnen, dass Jakob Lorber vor seiner Berufung eine Ausbildung zum katholischen Priester begonnen hatte ... und die ersten Worte der Neuoffenbarung am 15. März 1840 beim Morgengebet empfangen hatte. )

Und Jesus sagte ( Johannes 16, 13-14 ): "Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird Er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn Er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern Er wird sagen, was Er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird Mich verherrlichen." Dieser "Geist der Wahrheit" ist ein Lebendigmacher. Er wirkt in den Menschen ... und zwar in den Seelen der Menschen ... und damit wirkt Er in und durch die Menschen ... und bedient sich der Menschen als Werkzeuge Seiner Pläne.

In diesem Sinne geschah es bei Jakob Lorber ... Und über die Art und Weise, wie er die Neuoffenbarung empfangen hatte, schrieb er 1858 in einem Brief an den Verleger der Neuoffenbarungsschriften, Johannes Busch ( 1793-1877 ): "Bezüglich des innern Wortes, wie man dasselbe vernimmt, kann ich, von mir selbst sprechend, nur sagen, dass ich des Herrn heiligstes Wort stets in der Gegend des Herzens wie einen höchst klaren Gedanken, licht und rein, wie ausgesprochene Worte, vernehme. Niemand, mir noch so nahe stehend, kann etwas von irgendeiner Stimme hören. Für mich erklingt diese Gnadenstimme aber dennoch heller als jeder noch so laute materielle Ton." ( Jakob Lorber - ein Lebensbild, dargestellt von Karl Gottfried Ritter von Leitner )

Über die sichersten Kennzeichen, aus denen man entnehmen kann, dass die Worte der Privatoffenbarung von Gott stammen, schreibt die Kirchenlehrerin Teresa von Avila ( 1515-1582 ) in ihrem Hauptwerk "Die Seelenburg" folgendes: "Das erste und sicherste besteht in der Macht und Autorität, die sie verleihen: Sie sind zugleich Worte und Werke; das zweite Kennzeichen besteht in dem tiefen Frieden, der die Seele überkommt; das dritte Kennzeichen besteht darin, dass sie lange nicht aus dem Gedächtnis entschwinden; einige dieser Worte vergisst man niemals. Die Worte, die von Gott stammen, flößen die tiefste Gewissheit ein.

Wenn die Worte, die man hört, ein Erzeugnis der Phantasie sind, eignen ihnen keine der Kennzeichen, von denen wir soeben gesprochen haben, sie verleihen dann weder Sicherheit noch Frieden noch innere Freude. Überdies sind sie dann niemals so klar und so deutlich, sondern gleichen einer Sache, die man halb geträumt hat. Es kommt häufig vor, dass man gar nicht an die Dinge denkt, die man vernimmt. Ganz plötzlich hört man dann diese Worte, zuweilen mitten in einer Unterhaltung."

Es kommt bestimmt nicht von ungefähr, dass Jakob Lorber gerade "Das Große Evangelium Johannes" diktiert wurde. Denn das Johannes-Evangelium gilt allgemein als das "pneumatische" Evangelium: Im Vergleich zu den anderen drei "synoptischen" Evangelien ( Matthäus, Markus und Lukas ) spricht dieses Evangelium ( griechisch: Frohe Botschaft ) am häufigsten vom Heiligen Geist.

Und dieser Heilige Geist wirkt laut der Neuoffenbarung in der Einzelseele durch Seine Einsprechungen. Ein jeder Mensch ist demnach dazu aufgerufen, nur auf das leise Wehen des Geistes in der eigenen Brust zu hören und auf das Gezischel der Welt nicht zu achten. Denn dann vernimmt er die Stimme des Heiligen Geistes.


Der Neuoffenbarungsauftrag:

Die Person Jakob Lorber:

Quelle: "Der Prophet Jakob Lorber"
Autor: Kurt Eggenstein - gelesen von Reiner Bellinghausen


Während bei den oben genannten "synoptischen" Evangelien die Erzählung abwechslungsreich und der Handlungsablauf von Aktivität gekennzeichnet ist, wird das Johannes-Evangelium durch einen kontemplativen, meditativen Ton geprägt, in dem die Belehrungen und Reflexionen Jesu Christi im Vordergrund stehen.

Doch es ist immer derselbe Geist, der in der Bibel spricht. Und dieser Geist forderte die Menschen auf ( Apostelgeschichte 1, 8 ), Zeugnis von Gott abzulegen ... Dieses eindeutige Zeugnis ist bei der Neuoffenbarung das niedergeschriebene Wort, das die Schwachen stärkt, die Gebeugten aufrichtet, die Schwankenden festigt und die Trostlosen tröstet. Von daher trifft bei der Neuoffenbarung auch folgender Einwand des Paulus nicht zu ( Galater 1, 8 ): "Wenn aber ein Engel euch ein anderes Evangelium brächte, als ich euch gebracht habe, dieser ( Engel ) sei verflucht."

Vor diesem Hintergrund bedeutet das: Alle christlichen Bekenntnisse gehen von der Grundüberzeugung aus, dass die biblischen Bücher von Gott inspiriert sind ... und "Das Große Evangelium Johannes" macht hier keine Ausnahme: Es ist - von seiner Auslegung und seinem geistigen Ursprung her gesehen - kein "anderes Evangelium" ( Galater 1, 8 ) ... auch wenn es über einen Engel von Gott den Menschen "gebracht wurde". ( Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum, Bd. 2, Kap. 261, V. 5 )

"Neuoffenbarung und Heilige Schrift", sagte der evangelische Pfarrer Hermann Luger, "stehen beide auf demselben göttlichen Grund. Lorbers Schriften atmen durchaus biblischen Geist. Nicht nur der Inhalt seiner beiden Hauptwerke "Das Große Evangelium Johannes" und "Die Haushaltung Gottes" ist ein biblischer, auch seine anderen Werke sind kernbiblisch. Viele Aussprüche und Reden des Herrn im "Großen Evangelium Johannes" könnten geradesogut in einem der vier biblischen Evangelien stehen.

Dass sich bei Lorber vieles findet, was in der Bibel, besonders in den vier Evangelien, vollständig fehlt – wie zum Beispiel die Reden des Herrn über die Himmelskörper und die Geheimnisse der Schöpfung –, braucht uns nicht wunderzunehmen und beweist nichts gegen den biblischen Charakter der Neuoffenbarung. Es ist nur verständlich, dass Jesus in den drei Jahren seiner öffentlichen Tätigkeit viel mehr geredet und getan haben muss, als in den Evangelien der Schrift erzählt wird; und wir glauben daher ein Recht zu haben, in der Neuoffenbarung geradesogut Gottes Wort zu sehen wie in der Bibel. Bibel und Neuoffenbarung sind für uns zwei gleichberechtigte Erscheinungen, die ein und demselben Urgrund entspringen und von denen die eine durch die andere erst recht an Wert und Bedeutung gewinnt." ( "Das Wort", 1964/9 )

Selbstverständlich ist die Sprache eine andere als die vor 2000 Jahren. Doch die Heilsbotschaft wurde in der Verkündigung der Kirche sprachlich auch immer neu in den Jahrhunderten aktualisiert. Denn die Überlieferung bedarf der jeweiligen Aktualisierung, um sie selber zu bleiben. So könnte man etwa sagen: "Das klingt paradox." Ist es aber nicht. Wenn es beim Alten bleiben soll, darf es nicht beim Alten bleiben. Das heißt: Wer etwas überliefern will, muss dafür Sorge tragen, dass die Inhalte, die überliefert werden sollen, die "alten Wahrheiten" tatsächlich präsent halten.

Die Überlieferung bedarf einer lebendigen Sprache und einer unablässigen Konfrontierung mit dem unmittelbar Gegenwärtigen und mit dem Zukünftigen, sie bedarf einer je schöpferischen Verjüngung. Schon hier wird deutlich, dass Tradieren nicht etwas rein Statisches ist, nicht Beharrung oder gar Stagnation meint. Das ist der Fall, wenn man nur um der Tradition willen tradiert, etwa nach dem Motto: "Das ist nun einmal Tradition."

Wie im Alten Testament, so bedeutet Tradition auch im Neuen Testament nicht lediglich Bewahrung, sondern gleichzeitig ständige Interpretation und Deutung. Das wird bereits deutlich in dem Faktum, dass die Botschaft Jesu Christi in vier Evangelienschriften dargestellt ist: Es geht demnach immer um die eine Tradition in den vielen Traditionen, um das eine Wort in den vielen Schriften, um die Identität in der Differenz.



Ein weiterer Beweis der Wahrhaftigkeit der Neuoffenbarung Gottes ist die Stelle im 1. Johannesbrief ( 4, 1-3 ): "Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind ... daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, Jesus Christus sei im Fleisch gekommen, ist aus Gott. Und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott."

Der "Geist Gottes", der sich durch die Neuoffenbarung kundtut, bekennt sich eindeutig zum im Fleisch gekommenen Jesus Christus: Tag für Tag Seines Lebens wird vor dem Leser des "Großen Evangelium Johannes" ausgebreitet: Darin enthalten sind alle Gespräche, die Jesus Christus vor circa 2000 Jahren auf der Erde führte, mit den vielen Menschen, die auch teilweise in den Evangelien des Neuen Testaments genannt werden.

In einer Kundgabe - vermittelt über Gottfried Mayerhofer - spricht hierzu der Herr: "Nun frage Ich euch, wäre das ein Beispiel der Demütigung gewesen, wenn Ich als Gott auf der Erde gelebt, gewirkt und gelitten hätte? Gewiss nicht! Denn als Gott wäre es in Meiner Macht gestanden, entweder alle Leiden zu vermeiden, oder wenn Ich wollte, mit einer Fühllosigkeit auch die größten Schmerzen zu ertragen. Wo wäre dann das Beispiel der Aufopferung und der Demut geblieben?

Ich musste also, als Ich auf diese Welt kam, ganz Mensch sein, und deswegen als Selbst-Mensch auch seine Leidenschaften und Gebrechen, die Ich wohlweislich in ihn gelegt habe, ebenfalls mitleiden, selbe bekämpfen, und wie Ich es auch von den Menschen verlange, selbe auch besiegen. Nun begreifet ihr wohl, dass da, als es an die letzten Momente kam, wo Ich als Mensch den Tod voraussah, Ich als Selbst-Mensch auch die Todesangst bestehen musste, wie jeder andere.

Während Meines ganzen Lebenswandels auf Erden war das göttliche Prinzip in Mir nur in so weit in Meiner Macht, als Ich zu Meiner Lehre die Wundertaten brauchte, sowie die Voraussicht, um alle Anschläge, die Meine Feinde gegen Mein Leben machten, zu vereiteln, bis Meine Zeit gekommen war, was ihr öfters in den Evangelien lesen könnet, wo es heißt: Und Er entwich, weil es noch nicht Seine Zeit war." ( Dreieinigkeit, "War Jesus Gott oder Mensch?", Kundgabe v. 10.06.1870 )

Wem das zu wenig "Beweis" ist, der sollte am besten das Werk der Neuoffenbarung selber lesen und "die Geister prüfen, ob sie aus Gott sind"( 1. Johannes 4, 1-3 ). Denn diesen Glauben, den Glauben der Neuoffenbarung, kann man letztlich nur von innen her verstehen, nicht von außen, nicht in der Distanzierung von ihm. Man muss sich ihn schon zu Eigen machen. Denn nicht ohne Grund heißt es in der Bibel ( Jesaja 34, 16 ): "Erforschet das Buch des Herrn und leset" ... und der Leser wird in diesem Werk der Neuoffenbarung Erstaunliches, Vielfältiges, Fremdes, aber auch viel Vertrautes finden, doch nie etwas, was den Kriterien des 1. Johannesbriefes widerspricht.

So empfing also Jakob Lorber innerhalb von 24 Jahren ein einzigartiges Riesenwerk, das heute 25 Bände mit den oben bereits genannten circa 10.000 Druckseiten füllt. Zu diesem Werk der Neuoffenbarung gehören unter anderem das "Jakobus"-Evangelium ( 1843/44 ), in dem die Geburt, Kindheit und Jugend Jesu geschildert werden, und "Das Große Evangelium Johannes" ( 1851-64 ), das eine detaillierte Schilderung aller Vorgänge im Leben Jesu Christi während Seiner drei Lehr- und Wanderjahre enthält.

Anmerkung: Bei dem seit dem 22. Juli 1843 geoffenbarten "Jakobus"-Evangelium handelt es sich um ein Werk, das große, teilweise wortwörtliche Übereinstimmungen mit dem so genannten "Protevangelium" ( das heißt: Das "erste Evangelium" ) des "Jakobus" aufweist, das wahrscheinlich im 2. Jahrhundert n. Chr. in griechischer Sprache geschrieben wurde und heutzutage noch unter anderem in der Berleburger Bibel für die Nachwelt erhalten geblieben ist. ( Hinweis: Die Bände dieser Bibel-Ausgabe erschienen in den Jahren 1726 bis 1742 und sind das Bekenntnis der mystisch-philadelphischen Kreise. Das heißt: Die verschiedenen Ausleger waren alle dem mystischen Schrifttum verpflichtet und ließen neben Madame von Guyon ( 1648-1717 ) auch Jane Leade ( 1623-1704 ), Gottfried Arnold ( 1666-1714 ) und viele andere zu Worte kommen. ) Es ist schwer vorstellbar, wie Jakob Lorber Kenntnis von dieser apokryphen Schrift des Neuen Testaments bekommen haben soll. Denn er war, wie man aus seiner Biographie herauslesen kann, mit seiner mittleren Schulbildung alles andere als ein Schriftgelehrter.

An einer Stelle in der Neuoffenbarung spricht sogar der Herr: "Was aber jedoch die Heilige Schrift betrifft, so soll darinnen lesen, der eines einfältigen Herzens ist und hat da ein gehorsames und folgsames Gemüt; und soll es nicht lesen aus Vorwitz oder Neugierde, denn da wird er finden den Tod kleben am Buchstaben, sondern der es liest, der soll es lesen als einen Wegweiser zum lebendigen Worte und danach handeln - und soll auch nicht grübeln und forschen darinnen, sondern danach alsogleich leben und in der Liebe zu Mir emporwachsen.

Alsdann wird ihm zur rechten Zeit gegeben werden die Erkenntnis und wird in seinem Herzen enthüllt werden des Geistes und des ewigen Lebens himmlischer Sinn, gerade wie es bei dir, Meinem Knechte ( gemeint ist: Jakob Lorber ), der Fall ist, da du noch nie dieses Heilige Buch ganz durchgelesen hast und bist doch ein Professor der Professoren darinnen in jedem Punkte desselben durch Meine Gnade geworden. Das aber, was du bist und verstehst, kann jedem werden, so er nicht nach eitlem Wissen trachtet, sondern nur nach der Erkenntnis Meiner Liebe und der daraus fließenden Gnade in und durch die fromme, demutsvolle Einfalt seines Herzens." ( Himmelgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 15.08.1840, V. 18 )


Jakob Lorber und das Neuoffenbarungswerk


Jakob Lorber begann 1817 eine Ausbildung zum Volksschullehrer in Marburg. Von 1819-1824 erfolgte dort auch seine Ausbildung zum katholischen Priester. Diese Ausbildung wurde jedoch aus Geldnot abgebrochen. Von 1824-1829 besuchte Jakob Lorber den höheren pädagogischen Kurs für Lehrer an Hauptschulen in Graz und erhielt 1829 ein sehr gutes Zeugnis.

Weil er aber danach keine entsprechende Anstellung fand, verdiente er ab 1830 seinen Lebensunterhalt durch Unterricht in Gesang, Klavier- und Violinspiel sowie durch Konzertauftritte. Damals lernte Jakob Lorber auch den Violinvirtuosen Niccolo Paganini ( 1782-1840 ) kennen, der ihm Geigenstunden erteilte. Während dieser Jahre las Jakob Lorber unter anderem: Justinus Kerner, Johann Heinrich Jung-Stilling ( 1740-1817 ), Emanuel Swedenborg, Jakob Böhme ( 1575-1624 ) und Johann Tennhardt ( 1661-1720 ) ... und immer wieder die Bibel, die ihm bis an sein Lebensende eine Quelle der Inspiration blieb.

Karl Gottfried von Leitner schreibt in diesem Zusammenhang über Jakob Lorber: "Vierundzwanzig Jahre lang durfte ich Zeuge sein, wie diesem liebenden und suchenden Mann, Jakob Lorber, die Gnade zuteil wurde, vom Herrn selbst, durch eine im Herzen ertönende Einsprache, Kundgebungen zu erhalten, die nur zu dem Zweck gegeben wurden, das Urchristentum wieder zu erneuern und allen Menschen verständlich zu machen. Jeder Mann, jede Frau, - ja, jedes Kind, eben alle, die auf der Suche nach der Wahrheit sind, können sie in den Werken Lorbers finden, und bald werden diese den Weg in viele Häuser und Herzen gefunden haben, denn es ist nun an der Zeit!"

Die Herkunft der Neuoffenbarung ist in seinem Umfang, der Tiefe und Genauigkeit seines Inhalts rational nicht erklärbar. Der katholische Theologe Robert Ernst stellt hierzu im 20. Jahrhundert fest: "Was diese Werke uns bieten aus den Bereichen der Geschichte, der Philosophie, der Physik, der Geographie, der Astronomie, der Psychologie, der Parapsychologie, der Soziallehre, der Pädagogik, der Moral, der Theologie und vornehmlich der Exegese, geht über das Wissen Lorbers und selbst eines jeden Menschen hinaus. Hätte Lorber aus eigenem Wissen diese Werke verfasst, er hätte über eine Kenntnis der israelitischen, der griechischen und der römischen Kultur, Gesetzgebung und Literatur verfügen müssen, wie wir sie selbst bei dem größten Spezialisten der Antike nicht vorfinden."

In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Er ( Jakob Lorber ) redet auch nichts aus sich und kann es auch nicht, da er viel weniger als jeder von euch in irgendetwas eine Wissenschaft hat. Eben darum ist er Mir auch ein ziemlich taugliches Werkzeug, da in seinem Kopfe fast nichts darinnen ist, aber zeitweise desto mehr in seinem Herzen." ( Himmelsgaben, Bd. 1, Kundgabe v. 30.10.1840, Vers 3 )

Und passend hierzu spricht Jesus Christus über Seine ersten "ungelehrten und ungebildeten" ( Apostelgeschichte 4, 13 ) Jünger vor circa 2000 Jahren: "Siehe und zähle Meine Jünger! Es sind wenig Schulgebildete darunter." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 2, Kap. 32, V. 1 ) Das heißt: Die ersten Jünger hatten nicht alle einen hervorragenden Intellekt oder außerordentliche Fähigkeiten. Sie repräsentierten den Durchschnitt der Menschheit. Was sie groß machte, war ihre Beziehung zu Jesus Christus und ihre Hingabe an Ihn. Sie waren weder Intellektuelle noch Gelehrte. Sie waren nur "Unmündige"! Doch diese "Unmündigen" hatten Glauben, Hingabe und einen uneingeschränkten Gehorsam. Die Intellektuellen waren zu schlau, zu gebildet und zu gelehrt, um zu sehen, was ihnen tatsächlich zum Nutzen gewesen wäre. Ihr Stolz verblendete sie gegenüber dem wirklichen Wert des geliebten Sohnes Gottes. Oftmals kann deshalb der Herr am besten durch "Unmündige" wirken.

In diesem Zusammenhang erfährt der Leser der Neuoffenbarung auch folgendes zur Person des Jüngers "Jakobus": Jakobus ( der jüngste Sohn Josephs aus erster Ehe und Helfer Marias bei der Betreuung ihres Kindes Jesus ) war derjenige, der - im Auftrag von Jesus Christus - den ersten Antwortbrief zu Abgarus Ukkama, dem König von Edessa, niederschrieb. Jesus Christus antwortete hier dem Abgarus, einem Heiden, der im ersten Brief bezeugte, dass er an Jesus Christus und Sein Wirken glaubt, auch wenn die meisten Menschen Ihn nicht als den verheißenen Heiland anerkennen und er Ihn ( wegen seiner Gesundheit ) nicht persönlich aufsuchen kann. Daraufhin antwortete Jesus Christus: "Abgarus, du bist selig, weil du Mich nicht gesehen und doch geglaubt hast!" ( Briefwechsel zwischen Abgarus Ukkama, Fürst von Edessa, und Jesus von Nazareth, Antwortbrief 1, Vers 1 )

Genau dieser Glaube vollzog sich dann auch in der Zeit von 1840 bis 1864 - bei der Niederschrift der Neuoffenbarung: Jakob Lorber schrieb hier quasi "Briefe von Jesus" nieder, die er seinen Freunden zu lesen gab: Seine Freunde glaubten daraufhin an Jesus Christus als Urheber dieser "Briefe", obwohl sie Ihn nicht sehen konnten. Denn anders als die Jünger zur Zeit Jesu hatten sie keine Chance, Jesus Christus leibhaftig zu sehen. Sie sahen Jesus Christus allein mit ihrem liebenden Herzen, da sie das Göttliche in den Schriften der Neuoffenbarung wahrnahmen ... und somit auch Jesus Christus.

Diese Freunde erlebten 1844, wie der gesamte "Briefwechsel Jesu mit Abgarus Ukkama von Edessa" über Jakob Lorber neu eingeben wurde. Der Briefwechsel an sich beruft sich historisch auf eine im dritten Jahrhundert aufkommende Legende: Abgarus, König von Edessa in Syrien ( 4 v. Chr. - 50 n. Chr. ), hat demnach mit Jesus im Briefkontakt gestanden. ( Es sind dies Briefe an und von Jesus Christus in den letzten Monaten und Wochen Seines Erdenlebens. )

Der Kirchenhistoriker Eusebius von Cäsarea ( 263-339 ) übersetzte die ersten vier der insgesamt vierzehn Briefe "mit großer Sorgfalt" ( Eusebius ) im dritten Jahrhundert aus dem Syrischen ins Griechische und veröffentlicht sie in seinem ersten Buch der Kirchengeschichte. Er wies dabei auch auf die Quelle hin, wo er die Dokumente gefunden hatte, so dass jeder, der für weiteres Studium Interesse hatte, auf Grund des Quellennachweises die Dokumente eingehend studieren konnte.

Eusebius sagte, dass diese Schriftstücke bis zu jener Zeit in der öffentlichen Staatsbibliothek von Edessa zugänglich sind. Leider sind inzwischen die alten Schriftstücke des königlichen Archivs von Edessa ( vielleicht durch Kriegseinwirkungen ) verloren gegangen. Doch der durch Jakob Lorber ins Deutsche niedergeschriebene ganze Schriftwechsel zwischen Abgarus Ukkama, König von Edessa, und Jesus von Nazareth stimmt inhaltlich mit dem griechischen Text der ersten vier Briefe ( aus der Kirchengeschichte des Eusebius ) überein. ( Inhaltlich und teilweise sogar im Wortlaut stimmt sogar der erste Brief des Abgarus, der durch Jakob Lorber neu wiedergegeben wurde, mit dem überein, was Anna Katharina Emmerick ( 1774-1824 ) in einer ihrer Visionen geschaut hat. )

Im vierten Brief sagte Jesus Christus zum Abgarus: "Ich, der Herr von Ewigkeit, nun ein Lehrer der Menschen und ein ewiger Befreier vom ewigen Tode, werde deinem Sohne das ewige Leben schenken vor Meiner Auffahrt, da er Mich ungesehen und ungekannt vor Meinem bevorstehenden Leiden für alle Menschen aus seinem ganzen Herzen geliebt hat. Und so wirst du, Mein lieber Abgarus, wohl deinen Sohn dem Leibe nach verlieren in der Welt, aber dem Geiste nach tausendfach gewinnen in Meinem ewigen Reiche!" ( Briefwechsel zwischen Abgarus Ukkama, Fürst von Edessa, und Jesus von Nazareth, Antwortbrief 2, Vers 2 ) Dieser Satz wurde 1844 über Jakob Lorber neuoffenbart.

Das hier ( im Jahr 1844 ) niedergeschriebene Schicksal des ( an einer unheilbaren Fieberkrankheit ) erkrankten Sohnes ( des Abgarus ) war dann genau dasselbe Schicksal, das einige Jahre später dem Anselm Hüttenbrenner widerfuhr, als seine Frau Elisabeth am 29. November 1848 wegen einer Lungenentzündung ( Brust-Katarrh ) verstarb. Einen Tag nach ihrem Tod empfängt Jakob Lorber folgendes Trostwort vom Herrn für die Familie Hüttenbrenner: "Weinet und klaget nicht so sehr um die in Mir für ewig Auferstandene, denn sie ist mit Mir und in Mir am Kreuze starker Leiden gestorben dem Leibe nach – und ist aber auch im selben Augenblick, als sie für euch dem Leibe nach sichtlich starb, in Mir und an Meiner Seite für ewig zum wahren ewigen Leben auferstanden!" ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 30.11.1848, Vers 3 )

Interessant ist, dass Ende 1845 - also circa anderthalb Jahre vor dem Beginn dieser leidvollen Krankheit - der Herr über den "Schreibknecht Gottes" Jakob Lorber zur Elisabeth Hüttenbrenner sprach: "Du wirst zwar für eine kurze Zeit ein kleines Kreuzlein überkommen, das wohl nicht mit irdischen Diamanten besetzt sein wird, aber desto reichhaltiger an denen Meiner Vaterliebe und Gnade wird es sein! Nimm Mich vollends zu Deinem wahrsten Vater in dein Herz, so wirst du des Kreuzleins Bürde kaum wahrnehmen." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 28.12.1845, Vers 2 )

Vielleicht ist in diesem Zusammenhang auch das leidvolle Ereignis aus dem Leben des Karl Gottfried von Leitner erwähnenswert? Im Jahre 1854 trat von Leitner von seinem Posten als Sekretär der steiermärkischen Stände zurück, um sich wegen seiner angegriffenen Gesundheit in den Ruhestand zu begeben. Mit seiner Frau Karoline fuhr er nach Italien, als ihn dort ein furchtbares Unglück traf. Denn ganz plötzlich verstarb seine Frau in Pisa. Gebrochenen Herzens kehrte daraufhin Karl Gottfried von Leitner nach Graz zurück. ( Es ist in diesem Zusammenhang wohl auch anzunehmen, dass der unverheiratete Jakob Lorber die von ihm komponierte Ode für Violine und Klavier "Des Gatten Klage" ( um die zu früh verstorbene Gattin ) entweder seinem Freund Anselm Hüttenbrenner oder Karl Gottfried von Leitner gewidmet hat. )


"Give me Jesus" gesungen von Fernando Ortega


Karl Gottfried von Leitner gründete und förderte während seines Lebens zahlreiche Bildungsanstalten und war daneben auch schriftstellerisch sowie als Heimatforscher tätig. Schon in seiner Studienzeit hatte der Dichter, zu dessen literarischen Vorbildern die schwäbischen Romantiker Ludwig Uhland ( 1787–1862 ) und Justinus Kerner gehörten und der auch als "österreichischer Uhland" bezeichnet wurde, lyrische Dichtungen verfasst und war als Mitherausgeber einer Studentenzeitschrift ( "Monatsrosen" ) tätig gewesen. Sein erster Gedichtband erschien 1825 und wurde von der Kritik gefeiert. Die Veröffentlichung weiterer Gedichte und Novellen scheiterte zunächst an der Zensur im Vormärz. Zu einer erweiterten Neuauflage seiner Gedichte kam es erst 1857. Seine Novelle "Meister Kunbert" gilt als Abrechnung mit dem Klima geistiger Enge im Vormärz ( Revolution von 1848 ). In zahlreichen Balladen und Romanzen bearbeitete von Leitner vor allem historische Stoffe. Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau Karoline, den er als einen schweren Schicksalsschlag empfand, wandte sich Karl Gottfried von Leitner ( nicht nur als Dichter ) verstärkt den christlichen Themen zu.

Eins der christlichen Themen ist zum Beispiel, dass Jesus Christus als stellvertretendes Sühneopfer für die Sünden der Menschheit starb ... und am dritten Tag danach dem Apostel Petrus ( er steht symbolisch für den Beginn des Zeitalters der christlichen Kirche ), den zwölf Aposteln und 500 Leuten des damaligen Freundeskreises Christi ( sie symbolisieren die zahlreichen Propheten des Christentums bis zum Beginn der Neuoffenbarung ) erschien ( 1. Korinther 15, 3-6 ). Dann offenbarte sich der Herr erneut dem Apostel Jakobus von Nazareth, dem "Herrnbruder" ( er steht hier symbolisch für die heutige Zeit der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber ), und zeigte sich im Anschluss daran wieder ( sichtbar ) den anderen Aposteln des damaligen Freundeskreises Christi ( 1. Korinther 15, 7 ).

Sie verkündeten daraufhin: "Der Herr ist auferstanden, der Herr ist wahrhaftig auferstanden!" Schließlich ( und letztendlich ) erschien der Herr auch dem Apostel Paulus, dem "Apostel der Heiden". ( Dies symbolisiert die ( sichtbare ) Ankunft Christi in der Welt, die lang erwartete Wiederkunft Christi. ( 1. Korinther 15, 8 ) )



Hinweis: Der erste Korintherbrief wurde um das Jahr 55 nach Christus geschrieben. Seit dem Tode Jesu Christi waren also ungefähr 20 Jahre vergangen. Die meisten der oben genannten 500 Zeugen, die den auferstandenen Jesus Christus selber gesehen hatten, lebten damals im Jahre 55 noch, wie Paulus eigens vermerkt ( 1. Korinther 15, 6 ). Das heißt: Sie konnten eine Kontrolle über die Aussagen von Paulus ausüben und die Wahrhaftigkeit bestätigen.

An die letzten Tage mit ihrem Herrn erinnern sich die Christen - seit der so genannten Osterereignisse - bei ihrem Abendmahl und beschließen das Essen mit dem Gebet: "Maranatha!" Der Herr kommt ( Offenbarung 22, 20 ), der Herr ist da! Die Christen erwarten nämlich, dass Jesus Christus bald leibhaftig aus dem Himmel herabsteigen werde, um Israel, das Volk Gottes, zu erlösen.

In einer ähnlichen endzeitlichen Erwartung war aber auch die Epoche der Spätromantik ( 1815-1848 ), in der der schwäbische Arzt und Dichter Justinus Kerner, der berühmte Verfasser des Buches über die Seherin von Prevorst ( 1829 ), lebte. ( Die Seherin von Prevorst, Friederike Hauffe ( 1801-1829 ), sagte übrigens wörtlich: "Ich fühle ihn ( den Geist ) immer etwas von der Herzgrube aus. Wenn ich ganz hellschlafend bin, denke ich nur ganz in meiner Herzgrube." ) Justinus Kerner erhielt als Herausgeber der "Blätter aus Prevorst" ( 1831-1839 ) und des "Magikon" ( 1840-1853 ) Kenntnis von allerlei merkwürdigen Erscheinungen auf dem Gebiet der Geisterkunde und so auch von Jakob Lorbers Schreibtätigkeit.

1851 ließ er daraufhin zwei kleine Schriften Lorbers drucken, den "Briefwechsel zwischen unserm Herrn Jesu Christo und Abgarus, König von Edessa" und den "Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Laodizea". Dr. Justinus Kerner war es auch, der den heute als Begründer der modernen Spagyrik bekannten Dr. Carl-Friedrich Zimpel ( 1801-1879 ) auf Jakob Lorber aufmerksam machte, woraufhin Zimpel diesen in Graz besuchte.

Um den "Schreibknecht Gottes" besser kennenzulernen und ihn bei seinem "Schreibgeschäft" zu beobachten, fuhr Dr. Carl-Friedrich Zimpel, der später die ersten Hauptwerke "Die Haushaltung Gottes", "Das Jakobus-Evangelium" und "Der Mond" drucken ließ, 1850 eigens mehrere Monate nach Graz. Er urteilte daraufhin in dem Nachwort zur "Haushaltung Gottes" ( als ein Augenzeuge ) zur wahrheitsgetreuen Charakterisierung der Person Jakob Lorbers:

1.

"Lorber ist ein eifriger Bekenner Jesu Christi und kann sonach kein falscher Prophet sein.

2.

Dieser harmlose, stille, fromme Mann ohne wissenschaftliche Bildung hat ein vortreffliches Herz und teilt mit allen, die weniger haben als er selbst, stets seine geringe Gabe, die ohnehin nur aus Almosen besteht, die er von seinen Freunden empfängt, bis zu einem Grade, dass ihn der Weltverstand für unbesonnen erklären würde.

3.

Wenn derselbe seine Kundgaben, Mitteilungen oder Offenbarungen, wie immer ich es nennen soll, schreibt oder diktiert, ist von irgendeinem Buch gar keine Rede ... Ebensowenig wie von einem Nachlesen des letztgeschriebenen Satzes, gleichviel, ob die Unterbrechung fünf Minuten oder fünf Wochen gedauert haben mag."



Jakob Lorber ist ein Kind seiner Zeit, der Epoche der Romantik ( 1795 bis 1848 ). Das Streben dieser Epoche ist die Suche nach tiefer Erkenntnis, zu der schon der griechische Philosoph Aristoteles ( 384-322 v. Chr. ) - 20 Jahre war er ein Schüler Platons - in seinem berühmten Werk "Metaphysik" erklärt hatte: "Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen" ( das heißt: nach Erkenntnis ). Damit bezieht er sich auf seinen Lehrer Platon, der in seinem Dialog "Theaitetos" in ähnlicher Weise das Staunen als den Anfang des menschlichen Wahrheitsstrebens bezeichnete.

Einige Jahrhunderte später schrieb Thomas von Aquin hierzu in seiner "Summa contra gentiles": "Jedem Menschen wohnt von Natur aus das Verlangen inne, die Ursachen der Dinge zu erkennen, die er wahrnimmt. Aus dem Verwundern über die Dinge, die sie sahen und deren Ursachen ihnen verborgen waren, begannen die Menschen zu philosophieren. Erst wenn sie die Ursachen fanden, beruhigten sie sich. Die Forschung steht nicht still, bis wir zur ersten Ursache gelangen; nur dann sind wir überzeugt, vollkommen zu wissen, wenn wir die erste Ursache erkennen. Der Mensch verlangt also von Natur aus danach, die erste Ursache gleichsam als höchstes Ziel zu erkennen. Die Erstursache aller Dinge aber ist Gott. Also ist es das letzte Ziel des Menschen, Gott zu erkennen."

Erkenntnis bedeutet demnach ein Gewiss-Sein über einen Sachverhalt, das jedoch voraussetzt, dass man auf die Wahrheit hin ausgerichtet ist, wie es zum Beispiel von dem Schriftgelehrten Simon heißt, der in der Neuoffenbarung zu Jesus Christus findet: "Dem Innern nach warst du ein stets fleißiger Forscher nach der Wahrheit." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 4, Kap. 177, V. 6 ) Aurelius Augustinus schreibt passend hierzu: "Denn was verlangt die Seele stärker als die Wahrheit?" Kein Interesse an der Wahrheit hat dagegen das Tier, das im Augenblick lebt und nur das Triebverlangen kennt. Das Streben nach Wahrheitserkenntnis ist hingegen ein Urtrieb des Menschen ... und dieser Wahrheitstrieb unterscheidet ihn vom Tier. Der Wahrheitstrieb aber ist sinnlos, wenn er grundsätzlich nicht befriedigt werden kann.

Deshalb geht es der Neuoffenbarung auch im Wesentlichen immer um die Erkenntnis der Wirklichkeit, um die Erkenntnis dessen, was ist. So versucht sie zum Beispiel, dass man den himmlischen Vater - als den Urheber alles Seins - aus Seinen Gründen her erkennt und gelangt zu dieser Erkenntnis durch Fragen, Untersuchen und Argumentieren beziehungsweise - ganz konkret - durch die Lehre Jesu Christi.

In einem folgenden ( dritten ) Schritt wird dann das Fragen beziehungsweise das Erkennen durch das ( eigene ) Beobachten und Nachdenken des Lesers perfektioniert und somit zur höchst möglichen Gewissheit in einem selbst gesteigert.


Experten rekonstruieren den jungen Jesus nach dem Turiner Grabtuch


In einer Kundgabe von 1878 spricht zu diesen drei Schritten der Herr über Johanne Ladner ( 1824-1886 ): "Der Heilige Geist ist es, welcher euch mit Mir verbindet. Seine Wirkungen sind es, durch welche der Mensch inne wird, dass ein höheres Etwas es ist, welches seine Seele und seinen Leib beeinflusst. Er fühlt es, wenn seine Natur ihn zu irgend einem Handeln veranlasst, dass ungöttlich oder böse ist, dass ein Widerspruch in ihm stattfindet. Dieser Widerspruch ist die Einwirkung des göttlichen Ichs; denn obgleich Ich dem Menschen den freien Willen gegeben habe, so ist es ihm doch nicht möglich, sich ganz des göttlichen Funkens zu entäußern; auch der böse Mensch hat immer wieder Zeiten, wo ein inneres Anklopfen bei ihm stattfindet, und wenn damit auch nichts weiter erreicht werden kann, er doch unsicher und unruhig gemacht wird.

Ganz anders verhält sich's bei einem Menschen, welcher seinen freien Willen Mir unterzuordnen strebt. Da werden die Einflüsse von Meinem Geist immer verstärkt; ein Solcher fühlt sich gehoben im Aufblick und Vertrauen zu Mir. Seine Gedanken sind zu Mir hingewendet, er nimmt alle Hindernisse, welche zwischen Mich und ihn treten, als eine Aufforderung an zu neuem Kampf, weil er weiß, dass ohne Kampf kein Sieg möglich ist, und gewinnt dadurch immer mehr Kräfte, auch seine Seele und seinen Leib seinem göttlichen Einfluss dienstbar zu machen, und somit seine Verwandtschaft mit Mir, gegenüber seinen Mitmenschen, an den Tag zu legen, und er fühlt seine Abhängigkeit von Meinem Geiste ( oder von Mir Selbst ).

Durch dieses Erkennen, welches ist die Erleuchtung des Heiligen Geistes, wird das eigene Sein und Wesen, sowohl im Guten als Bösen aufgedeckt, oder der Wille durch das Urteil oder den Verstand bestimmt, zu handeln. Darum müssen Vater und Sohn vorausgehen und belehren, damit der Wille auf das Richtige hingetrieben wird, und der Geist verleiht alsdann seinen Beistand dazu.

So ist also zuerst - Vater: Schöpfer, Urheber eures Seins, Sohn: Vermittler und Lehrer, Geist: Ermahner und Tröster. Das Drei-Wesen getrennt, kann euch nichts nützen, um Mein Ebenbild in euch herzustellen. Auch in euch ist das Dreifache nach Meinem Bilde gelegt: Das Hervorbringende, das Mitteilende, und das Unterscheidende und Erkennende." ( Vaterbriefe, Bd. 1, Kap. 58, Kundgabe v. 07.07.1878 )

In diesem Sinne spricht dann auch der griechische Weise Philopold im "Großen Evangelium Johannes" hierzu: "Gott muss einen gar überaus höchst triftigen Grund gehabt haben, als der ewig allein wahre und reinste allmächtige Geist Sich in die begrenzte Form des Fleisches einzuzwängen und so als der Schöpfer aller Dinge Seinen Geschöpfen, wie wir Menschen es sind, ein Mitgeschöpf zu werden ( gemeint ist hier die Menschwerdung Gottes ). Wie aber schon bei uns Menschen nur die Liebe allein der mächtige Hebel zu allen wie immer gearteten Handlungen ist, so war eben die Liebe auch in Gott sicher das alleinige große Motiv, durch welches, aus Sich Selbst heraus genötigt, Er eben Sich dazu bequemte, wovon Du, o Herr, als heiligste Folge nun unter uns wandelst und uns lehrst, Deinen Willen frei in uns zu erkennen, ihn zu unserem vollen Eigentume zu machen und danach selbständig Dir, o Herr, wohlgefällig zu handeln." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 3, Kap. 183, V. 2-3 )


Johannes 14, 6: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben."


Als Fazit kann man festhalten: Wenn die Neuoffenbarung den tieferen Zusammenhängen der Dinge nachgeht, so versteht man die Verbundenheit und vielfältige Abhängigkeit der Dinge voneinander, die irgendwie auf eine Einheit hingeordnet sind. Diese Einheit ist das letzte Ziel des menschlichen Forschungstriebes, der sich nicht mit einer Summe von Kenntnissen über Einzelsachverhalte zufrieden gibt, sondern letztlich immer nach dem Ganzen fragt.

Und man kann weiterhin in der Neuoffenbarung feststellen, dass die Weltwirklichkeit sich als ein Gefüge von Sachverhalten darstellt, die nicht einfach nebeneinander stehen, sondern innerlich zusammenhängen und in wechselseitiger Abhängigkeit zueinander stehen, dass sich die Weltwirklichkeit also als Vielfalt in der Einheit darstellt, wobei diese Einheit das Prinzip ihrer göttlichen Ordnung ist.

Der Mensch kann vor dieser Wahrheit zwar fliehen, aber sie ist doch immer schneller als er selbst. So sagt man mit Recht, dass die Lügen kurze Beine haben: Die Wahrheit ist schneller. Sie verfolgt den fliehenden Menschen, sofern er die Anlage zur Wahrheit mit sich herumträgt und sich ihrer nicht entledigen kann. Im Grunde verlangt jeder in den Tiefenschichten seines Wesens nach der Wahrheit, und zwar mit einer unzerstörbaren Sehnsucht. Von seinem Wesen her ist der Mensch auf die Wahrheit hin ausgerichtet. Die Erkenntnis der Wahrheit ist das höchste Glück des Geistes.

Kein Interesse an der Wahrheit hat dagegen das Tier, weil es im Augenblick lebt und nur das Triebverlangen kennt. Das platonische Sich-Wundern und die damit verbundene Frage nach der Wahrheit ist hier ein Wesenskonstitutiv des Menschen. Das kann man übrigens schon beim Kind erkennen: Das Streben nach Wahrheitserkenntnis ist ein wesentlicher Urtrieb des Menschen ... und genau dieser Wahrheitstrieb unterscheidet den Menschen vom Tier. Der Wahrheitstrieb aber ist sinnlos, wenn er grundsätzlich nicht befriedigt werden kann. Die Augen verweisen darauf, dass der Mensch sehen kann, die Ohren verweisen darauf, dass er hören kann ... und das Wahrheitsstreben im Menschen verweist darauf, dass er ( die Wahrheit ) erkennen kann, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad.

Vor diesem Hintergrund des menschlichen Strebens ( nach der Wahrheit ) verstehen sich auch die beiden oben genannten Schriften der Neuoffenbarung ( "Das Große Evangelium Johannes" und "Das Jakobus-Evangelium" ) nicht nur als wichtige Ergänzung zur Hauptschrift, der Bibel, sondern vor allem als die Erfüllung der Verheißung Jesu Christi, nämlich Seiner Wiederkunft, über die es zum Beispiel im Neuen Testament heißt ( Römer 11, 26 ): "Es wird aus Zion der Erlöser kommen, der wird die Gottlosigkeit von Jakob abwenden." Und schon im Alten Testament heißt es ( Psalm 135, 4 ): "Der Herr hat sich Jakob erwählet." ( Insgesamt lässt sich an dieser Stelle sagen, dass Jakob Lorber bis an sein Lebensende ein ausgeglichener und seelisch vollkommen gesunder Mann war. Es fehlten alle Kriterien, die auf eine Schädigung seiner Persönlichkeit hingewiesen hätten. Er starb am 24. August 1864 und hatte - aufgrund einer göttlichen Eingabe - seinen Todestag schon Tage vorher vorausschauen können. )


Das Vorwort zum "Großen Evangelium Johannes"
Autor: Prof. Franz Deml - gelesen von Hanno Herbst


Wenn man die Geschichte der Menschheit in der Bibel insgesamt betrachtet, so gleicht sie einem Theaterstück in drei Akten: Es gibt einen Anfang, eine Mitte mit kritischem Umschlagspunkt ( Kreuzigung und Auferstehung Christi ) und ein Ende. Dieses Ende ( welches offenbart wird in der Neuoffenbarung ) entwickelt sich notwendig aus dem vorherigen Geschehen.

Gemäß dieser aristotelischen Dramentheorie erlebt die Menschheit den Konflikt zwischen Gott und Seinem Widersacher Luzifer. Dieser Konflikt hat einen Anfang, eine Mitte und einen Schluss. Durch diese Geschlossenheit der Handlung, die Einheit der Zeit und die Einheit des Ortes zeichnet sich dieses klassische Drama aus. Ja, es ist eine runde Sache und streng im Aufbau: Der Konflikt wird vorbereitet, strebt mit ansteigender Handlung dem Höhepunkt zu, der so genannten Peripetie - ordnungsgemäß im dritten Akt -, und löst sich mit absteigender Handlung wieder auf: Kartharsis, Aufatmen. Ende. Vorhang.

Und genauso erlebt heutzutage der Mensch dieses dreiteiliges Theaterstück:

 Die Urgeschichte der Menschheit bis hin zu den Propheten ( Altes Testament ),

 Die Geschichte Jesu Christi und der Apostel ( Neues Testament ),

 Die Endzeit bis hin zur Wiederkunft Christi ( Die Offenbarung des Johannes und die Neuoffenbarung ).



"Ave Maria" gesungen von Olga Szyrowa


Jesus Christus redete vor 2000 Jahren vom nahenden Gottesreich und der Zeit der Umkehr. Er rief die Menschen zum Innehalten und zur Hoffnung in den Glauben an Gott auf. Der Kern Seiner Botschaft war die Erlösung durch Seine Auferstehung, das Versprechen Gottes an die Menschen, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Anfang vom ewigen Leben. In diesem Sinne verkündete Jesus Christus in erster Linie keine irdische, sondern vor allem eine religiöse Botschaft. Er sagte ( Johannes 18, 36 ): "Mein Reich ist nicht von dieser Welt."

Jesus Christus war vom nahen Ende der Welt und dem anbrechenden Reich Gottes überzeugt. Er verkündete dieses kommende Reich und die mit diesem Reich hereinbrechende Herrschaft Gottes ... und Er läutete damit auch ( nach dem alten "Zeitalter des Gesetzes" ) das neue "Zeitalter der Gnade" ein.



In diesem Sinne erzählte Er den Menschen, dass das alte und das neue Zeitalter nicht miteinander zu vereinbaren sind. Denn der Versuch, Gnade und Gesetz miteinander zu vermischen, verdirbt das neue Zeitalter, und die Gnade "passt nicht" zum alten, weder im Aussehen noch in der Vollmacht. Jesus Christus wollte somit nicht das Christentum an das Judentum anflicken. Fleisch und Gesetz gehören zusammen, doch Gesetz und Gnade, Gottes Gerechtigkeit und diejenige des Menschen lassen sich nie miteinander vermischen.

Es ist töricht, "neuen Wein in alte Schläuche" ( Lukas 5, 37 ) zu füllen. Die Gärung des neuen Weines würde Druck auf die Schläuche ausüben, die nicht mehr elastisch und stark genug sind, um ihn auszuhalten. Die Schläuche bersten, und der Wein "selbst wird verschüttet" ( Lukas 5, 37 ). Die veralteten Formen, Vorschriften, Traditionen und Riten des Judentums waren zu eng, um die Freude, den Überschwang und die Kraft des neuen Zeitalters auszuhalten.

In diesem Sinne wird sich Gott zur Zeit Seiner zweiten Ankunft, der Wiederkunft Christi, auch in einer neuen ( mehr geistigen ) Form offenbaren, die nicht zur alten Form ( der Tradition und Vorschriften ) passen wird ... und es wird das Problem auftreten, dass die Menschen, die an die Formen, menschlichen Einrichtungen und an die Religion der Vorväter gewöhnt sind, selten die neuen Prinzipien und die neue Macht des Reiches lieben können. Beides ist in den oben genannten Schriften der Neuoffenbarung ( "Das Große Evangelium Johannes" und "Das Jakobus-Evangelium" ) eindeutig der Fall: Das Leben Jesu Christi auf Erden wird hier - besonders in "Das Große Evangelium Johannes" - so detailliert in einer neuen, einfühlsamen Form geschildert, dass man bei der Lektüre oftmals die ( geistige ) Nähe und Gegenwart Gottes regelrecht spürt.

In der Neuoffenbarung spricht hierzu ein Schriftgelehrter passend zu Jesus Christus: "Ich fühle mich von Dir sehr angezogen, und es tut mir wohl Deine Nähe." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 2, Kap. 36, V. 7 ) Und an anderer Stelle spricht ( vor circa 2000 Jahren ) der Schriftgelehrte Simon von der Anwesenheit Jesus Christi: "Hier wird nicht nur des Tempels Innerstes allen Menschen als vollkommen zugänglich eröffnet, sondern Gott, als der ewig Unzugängliche, offenbart Sich Selbst persönlich ganz, wie Er war, ist und sein wird ewig, den Menschen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 4, Kap. 176, V. 2 )

Jesus Christus sprach vor circa 2000 Jahren nur ein paar Worte und die Menschen wurden geheilt ... und dennoch blieben die meisten Menschen - wie heutzutage - in den alten Traditionen "gefangen".

Fazit: Bei der Lektüre dieser beiden Schriften ( "Das Große Evangelium Johannes" und "Das Jakobus-Evangelium" ) wird man - anders als in der Bibel - mehr emotional angesprochen und empfindet stärker, wie sich das Herz erwärmt, erfreut und mit Liebe erfüllt wird. In diesem Sinne spricht Jesus Christus zu Seinem jüngsten Stiefbruder Jakob: "Du aber wirst Meine Stimme nur in deinem Herzen vernehmen!" ( Die Jugend Jesu, Kap. 157, Vers 21 ) Und an anderer Stelle spricht dieser Lieblings-Stiefbruder Jakob - ganz wie sein Namensvetter Jakob Lorber: "Ich habe in mir eine Stimme vernommen." ( Die Jugend Jesu, Kap. 162, Vers 2 ) ... und: "Ich bin nur ein mattes Werkzeug des Herrn und kann nur dann reden, wenn der Herr mir die Zunge löset." ( Die Jugend Jesu, Kap. 239, Vers 8 ) Auf diese Weise wogte also ein Strom der Liebe aus dem Herzen Jesu in das Herz vom Jakob hinüber ... so dass man sagen kann, dass sie "ein Herz und eine Seele" wurden: Jakob handelte demnach aus einem "inneren Antrieb" ( Die Jugend Jesu, Kap. 252, Vers 14 ) heraus ... und er hatte gelernt, auf diese "innere Stimme" zu hören und sie als den Willen Gottes anzunehmen.

Genau diesen Willen Gottes setzte er in die Tat um ... und dies wiederum führte zum Zeugnisablegen vor der Welt: So gab das eigene Verhalten Kunde von der Lehre und dem Geist Jesu Christi: Die Mitmenschen konnten an seiner Handlung ablesen, was Jesus Christus will. Sein Leben wurde zu einem durch die Tat bewährten Bekenntnis des Glaubens. In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Meine Kinder ... hören Meine Stimme reden vom neuen Leben durch den Mund oder durch die Feder Meiner Seher und begießen das mager gewordene Erdreich fleißig mit dem Wasser aus dem Brunnen Jakobs, dann wird die Erde gleich wieder gesegnet und trägt Früchte von der allerschönsten Art." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 15.06.1840, Vers 31 )

Nicht so sehr durch Predigten, sondern durch ein wahrhaftiges, beispielhaftes Christenleben sind die größten Eroberungen für Jesus Christus gemacht worden: Die tiefste Werbekraft des Christentums ist das Leben nach den Geboten, zugleich auch der stärkste Schutz gegen die Feinde. So wird die praktische Lebensführung zu einem überzeugenden Beweis für die Wahrheit der göttlichen Lehre Jesu Christi. Denn Gottes Wunsch ist, dass man sich als geistig reifer Mensch bewährt, dessen ganzes Leben mit Gottes Willen übereinstimmt. ( Kolosser 4, 12 )

In einer persönlichen Kundgabe durch Gottfried Mayerhofer spricht hierzu der Herr: "Ihr erwartet mit den nächsten Zeilen Meines Schreibers eine bestimmte Antwort von Meiner Seite, wie ihr handeln, was ihr tun und was ihr lassen sollet! Sehet, eben diesem bestimmten Erwarten von präzisen Verhaltungsregeln kann Ich nicht willfahren und zwar aus zwei Gründen: Erstens, weil eure Freiheit aufgehört hat, wo Ich befehle, und zweitens, weil da die Verantwortung eurer Handlungen nicht auf eure Schultern, sondern auf die Meinigen fällt ... ( Aus diesem Grund ) habe ich euch in keinem Worte ausdrücklich gesagt, Ich will, dass Ihr so oder so handeln sollet, sondern Ich habe euch stets

 an euren Verstand selbst gewiesen, und

 an die innere euch leitende Stimme,

welche beide die einzig leitenden Faktoren in weltlichen Dingen sein sollten! Das erste, wie sich zu benehmen, und der zweite, wie jede Handlung mit Meinen göttlichen Gesetzen in Einklang zu bringen sei. Was ihr tuet oder lasset, soll das Produkt des selbständigen Willens sein ...

Meinen ausdrücklichen Willen, dass ihr so handeln sollet und nicht anders, diesen Willen werdet ihr nie weder erfahren noch verspüren, sondern nach kurzen Intervallen rückwärts schauend und vergleichend: "Was habe ich gewollt, und wie oder wann hab ich es erreicht?" Diese Antwort wird euch klar dann Meine Hand und ihre Führung zeigen, wo stets das Endresultat ein Lob- und Preisgebet zu Mir sein wird ... ( Deshalb ) werfet euch in Meine Arme. Handelt wie es euer Verstand in Welt-Sachen und euer Gewissen in Geistes-Sachen eingibt. Vertrauet stets auf Mich und alle Berge von Hindernissen werden sich ebnen, alle Nebel verschwinden, und ihr werdet die Verhältnisse beurteilen lernen, wie sie es verdienen, und nicht wie selbe im aufgeregten Zustande euch scheinen." ( Lebenswinke, "Ein Gnadenwort über den Willen des Herrn", Kundgabe vom 07.06.1872 ) In diesem Sinne schreibt übrigens auch Paulus ( Epheser 4, 14-15 ): "Denn wir sollen keine unmündigen Kinder mehr sein. Stattdessen sollen wir in einem Geist der Liebe an der Wahrheit festhalten, damit wir im Glauben wachsen und in jeder Hinsicht mehr und mehr dem ähnlich werden, der das Haupt ist: Christus."

Damit man also nicht nur beim Lesen der Neuoffenbarung bleibt, sondern auch zur Liebtätigkeit im Sinne Gottes schreitet, fordert Jesus Christus in dem Werk "Das Große Evangelium Johannes" die Menschen immer wieder auf, in sich zu gehen. Das heißt: Man soll die Neuoffenbarung nicht nur aus intellektuellen Gründen lesen, sondern auch das, was man gelesen hat, in die Tat umsetzen.

Die Kirchenlehrerin Teresa von Ávila ( 1515-1582 ) erklärt hierzu: "Nicht im Vergießen von Tränen, nicht in jenen Innigkeiten und zärtlichen Andachtsgefühlen besteht die Liebe Gottes, sondern darin, dass wir Ihm dienen in Gerechtigkeit, mit Seelenstärke und in Demut." Echte Mystik im Sinne Teresas erschöpft sich demnach nicht in Gebet und Versunkenheit. Sie setzt bestimmte Verhaltensweisen im Leben voraus und hat solche auch zur Folge.

Gewissermaßen als Quintessenz ihres Hauptwerkes "Die innere Burg" betont Teresa: "Ich sage es nochmals: Allein mit Gebet und Beschauung könnt ihr euer Fundament nicht legen. Wenn ihr nicht nach Tugenden trachtet und euch nicht tätig darin übt, werdet ihr immer Zwerge bleiben. Ich habe auch bereits gesagt, dass die Ruhe, welche die Seelen in ihrem Inneren erfahren, ihnen dazu geschenkt wird, dass sie im äußeren Leben um so weniger Ruhe benötigen und um so leichter darauf verzichten."

Passend heißt es hierzu auch im Neuen Testament ( Jakobus 1, 22 ): "Es genügt nicht, Seine Botschaften nur anzuhören ( beziehungsweise: zu lesen ); ihr müsst auch danach handeln. Alles andere ist Selbstbetrug."

Und in einer Kundgabe durch Ida Kling ( um circa 1900 ) sagt sogar der Herr: "Handelt in allen Dingen als freie Kinder eures Vaters und lasset euch nicht binden von Meinem Worte, sondern allein nur von Meiner Liebe." ( Vater und Kind, Seite 56 ) Und an anderer Stelle spricht der Herr durch Ida Kling: "Euer Trachten sollte sein, nach Meiner Liebelehre zu leben und Neues zu vernehmen - nicht um das Wissen, sondern um die Liebe zu bereichern." ( Vater und Kind, Seite 57 ) In diesem Sinne gilt auch hier für den Kirchenvater Aurelius Augustinus der Grundsatz: "Nur wer versteht, kann lieben; und nur wer liebt, kann verstehen."

Vor diesem Hintergrund ist es meines Erachtens interessant zu wissen, dass bereits für das alttestamentliche Gottesbild charakteristisch ist, dass es zunächst und vor allem von dem Gebot der Gottesliebe bestimmt wird ... Doch dieses Gottesbild entfaltet sich kontinuierlich in der Geschichte des Alten und auch des Neuen Testamentes ... und dies bedeutet: Alles, was das Alte Testament über Gott sagt, bleibt im Neuen Testament gültig, nur wird es vertieft, speziell gilt das von der Liebe und der Güte Gottes. Da ist zum einen der böse, zornige und grausame Gott des Alten Testamentes und zum anderen der sanftmütige Jesus des Neuen Testaments. Jesus Christus zeigt hier ein ganz anderes Bild des Vaters: Jesu Christi Wesenszüge, Seine Liebe zu den Menschen, Sein großes Mitgefühl und Seine Geduld, sind Eigenschaften Gottes. Er und der Vater sind eins ... und dies wiederum bedeutet: Das Gebot der Gottesliebe ist schon im Alten Testament eng verbunden mit dem Gebot der Nächstenliebe.

Demnach gilt es ( in Anlehnung an Lukas 10, 38-42 ), nicht nur - wie Maria - bei Jesus Christus zu sitzen und Seinen Worten zu lauschen, sondern auch - wie Martha - danach tätig zu werden: Das Wort Gottes ist vom Anfang bis zum Ende eine einzige Anleitung zur Liebe. In der Neuoffenbarung lautet hierzu der alles entscheidende Satz: "Wer Liebe reicht, dem solle auch wieder Liebe werden." ( Die Jugend Jesu, Kap. 219, Vers 12 ) Dabei ist es - nach der Neuoffenbarung - völlig unerheblich, welches Amt man in der Welt innehat: Es liegt vielmehr darin, dass man in der Welt aus Liebe, Demut und Sanftmut handelt.

Es heißt hierzu in der Neuoffenbarung: "Die Liebe lehrt dich, allen ... Wesen wohlzutun und sie so glücklich als möglich zu machen. Die Demut lehrt dich, klein zu sein und sich über niemanden - möchte er noch so unbedeutend scheinen - hochmütig zu erheben, sondern sich selbst stets als den Geringsten zu betrachten. Und die Sanftmut lehrt dich, jedermann stets gleich wohlwollend zu ertragen und aus dem innersten Herzensgrunde bemüht zu sein, jedem zu helfen, wo es ihm nottut.

Und das allzeit durch jene sanftesten Mittel, durch die ja niemand im geringsten in seiner Freiheit beirrt werden kann. Werden hier und da ernstere Mittel vonnöten, so muss hinter ihnen nie etwa eine Strafsucht oder gar richterlicher Zorn stecken, sondern allzeit die allerhöchste und reinste, sich selbst nie berücksichtigende Liebe!" ( Bischof Martin, Kap. 50, Vers 13 )

Durch die Liebelehre Jesu Christi kann die göttliche Liebe in die Herzen der Menschen einziehen und ihr Gewissen wecken. Es geht also nicht darum, den Glauben fanatisch zu vertreten und diesen dem Nächsten aufzudrängen, sondern den Nächsten im Sinne Gottes zu lieben. Denn der Geist Gottes belehrt die Menschen nur und lässt sie frei handeln: Er zwingt oder drängt zu keiner Handlung, so dass der Mensch frei glauben kann, was er als wahr erkennt.

Erst durch die Liebe erhält somit der Glaube die Wirksamkeit. Denn der alleinige Glaube, und sei er noch so wahr, ist ein toter Glaube. Das heißt: Erst die Taten der Liebe machen den Glauben und mit ihm den ganzen Menschen lebendig.

Die Liebe steht somit vor dem Glauben an erster Stelle: Glaube ohne Liebe ist noch nicht viel wert und Liebe ohne Taten ist keine echte Liebe. Es hilft also wenig, allein tätig zu sein, sondern es gilt, aus Liebe zu Gott und zum Nächsten tätig zu sein. In diesem Sinne spricht Jesus Christus: "So du mit einem Bruder oder Nachbarn einer kleinen Sache wegen in einen Streit geraten bist und er schlagfertig dir entgegentritt, so werde nicht noch heftiger, sondern reiche ihm freundlich die Hand und vergleiche dich im Frieden mit ihm, auf dass die alte Freundschaft unter euch wieder belebt werde." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Anhang zum Johanneswerk, "Backenstreich und Mantel etc." )

Und noch eines ist bei aller tätigen Gottes- und Nächstenliebe in der Prophezeiung der Neuoffenbarung wichtig, zu beachten: Es gilt selbstverständlich auch für "Das Große Evangelium Johannes" die Empfehlung des Paulus ( 1. Thessalonicher 5, 20-21 ): "Geht nicht geringschätzig über prophetische Aussagen hinweg. Prüfet alles und das Gute behaltet."

Denn in der Neuoffenbarung heißt es: "Mein Grundsatz ist: Alles prüfen und davon das Gute und das einer Wahrheit wenigstens am nächsten Kommende behalten auf so lange, bis man darüber nicht ein besseres und stärkeres Licht von irgendwoher erhalten hat." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 5, Kap. 57, Vers 11 )

Hinweis: In der Didache ( die "Zwölfapostellehre", die die älteste bekannte außerbiblische Schrift der frühen Christenheit ist und als dessen Entstehungszeit in der Forschung mehrheitlich die Jahre um 90-100 n. Chr. angegeben wird ) heißt es hierzu weiter: "Wenn ein sich als Geistträger fühlender Lehrer kommt und lehrt euch alles dieses, was hiervor gesagt wurde, so nehmet ihn an. Wenn er aber in seiner Lehre Änderungen vornimmt und eine andere Lehre lehrt, die zur Auflösung führt, so hört ihn nicht an. Redet er aber so, dass er Gerechtigkeit und Erkenntnis des Herrn vorlegt, so nehmet ihn an wie den Herrn!" Der gläubige Bibelleser ist also gut beraten, beim Studieren der Neuoffenbarung das ( buchstäblich ) Gelesene zu prüfen und allein das Gute ( den Buchstabensinn und nicht den Buchstaben ) zu behalten.

Denn das Gleiche gilt auch beim Lesen der Bibel: Wenn hier zum Beispiel das Wort "Mystik" nicht auftaucht, so begegnet es einen in der Bibel doch der Sache nach immer wieder. Man nehme nur zum Beispiel den Psalm 42: Dort ist die Rede von dem Hirsch, der an ausgetrockneten Bächen nach Wasser verlangt, oder von dem Menschen, der Sicherheit und Glück findet, indem er sich der Nähe Gottes vergewissert, indem er bei Gott ausruht und still wird. Mystische Anklänge findet man auch bei den Propheten, vor allem wenn sie in ihren Verzückungen und Ekstasen Weissagungen und prophetische Reden hervorbringen.



Diese hier angedeutete nicht wortwörtliche, sondern sinngemäße Auslegung oder Interpretation der Heiligen Schrift begegnet dem Bibelleser ja schon in den einzelnen Büchern des Alten Testaments selbst. Das geschieht zum Beispiel in der Form der Weiterführung von Gedanken, die früheren Schriften entnommen sind. Ähnlich geschieht es im Neuen Testament. Das ist besonders charakteristisch in der Typologie der neutestamentlichen Briefliteratur, speziell bei Paulus.

Hier wird das Alte Testament christologisch interpretiert, so dass schon Aurelius Augustinus in seinen "Quaestiones in Heptateuchum" ( Untersuchungen zum Heptateuch ) festgestellt hat: "Novum Testamentum in Vetere latet, Vetus in Novo patet" ( "Das Neue Testament ist im Alten verborgen, und das Alte Testament wird im Neuen verständlich" ) ... oder: Das Neue Testament ist im Alten verhüllt - das Alte Testament ist im Neuen erfüllt.

Das Alte Testament wird demnach im Blick auf das Neue gelesen: Alttestamentliche Ereignisse werden als Vorausdarstellungen christlicher Personen und Vorgänge gedeutet. Die bekannteste dieser Typologien ist die Adam-Christus-Parallele des Römerbriefes ( Römer 5, 12-21 ). Die Typologie findet sich aber auch im ersten Korintherbrief ( 1. Korinther 10, 1-4 ), wo Paulus den Durchzug durch das Rote Meer und die Mannaspeisung Israels in der Wüste als Vorbilder der Sakramente der Taufe und der Eucharistie darstellt. Typologisch ist aber auch der Hebräerbrief in der Gegenüberstellung des Hohenpriesters des Alten Bundes und des wirklichen Hohenpriesters Jesus Christus ... und das elfte Kapitel des Hebräerbriefes zählt eine Reihe von Glaubensvorbildern des Alten Testamentes auf.

Das heißt: Immer wieder begegnet dem Bibelleser der Gedanke, dass die Ereignisse des Neuen Bundes als Erfüllung des Alten gesehen werden. ( Denn erst im Neuen Testament erschließt sich der eigentliche Sinn des Alten. Demgemäß erschließt auch der Auferstandene den Emmaus-Jüngern den wahren Schriftsinn ( Lukas 24, 27 ). )

Stets ist also das Alte Testament auf die Zukunft hin ausgerichtet, und stets weist es hin auf den Messias, den Erlöser, der die Gemeinschaft des Menschen mit Gott wieder herstellen soll, jene Gemeinschaft des Menschen mit Gott, die durch die Sünde Adams verlorengegangen war. Die messianische Hoffnung ist ein integrales Prinzip des Alten Testamentes. Ohne sie ist das Alte Testament eigentlich nicht zu verstehen.

Das ganze Alte Testament ist messianisch akzentuiert. Das gilt auch für die alttestamentliche Mystik. Auch sie ist wesenhaft messianisch akzentuiert. Sie ist auf das Neue Testament hin ausgerichtet ... und sie hat das Neue Testament zum Ziel. Demgemäß heißt es im Johannes-Evangelium: "Abraham, euer Vater, jubelte, dass er Meinen Tag sehen sollte, er sah ihn und freute sich."

Und noch etwas ist festzustellen: Sofern das Alte Testament im Neuen seine Vollendung findet, beginnt mit dem Neuen Bund ein neues Kapitel der Mystik. Im Neuen Testament ist die Mystik, ist das mystische Erleben dominanter als im Alten.

Auf dieser Grundlage ist auch folgende These zu bewerten: So wie das Neue Testament die Prophezeiungen aus dem Alten Testament erfüllt, so erfüllt die Offenbarung Emanuel Swedenborgs und die Neuoffenbarung die Verheißungen aus dem Neuen Testament. Man könnte bei beiden Kundgaben eigentlich von dem "Dritten Testament" sprechen: Das so genannte "Erfüllte Testament". "Erfüllt" deshalb, weil als eines der wichtigsten Ereignisse für die Endzeit, die im Alten Testament auch als "eine Zeit der Drangsal für Jakob" ( Jeremia 30, 7 ), eine Zeit nie da gewesener Leiden für die Menschen auf Erden ( Hungersnöte, Seuchen, Kriege und Erdbeben ), bezeichnet wird, dem Apostel Johannes, dem "Knecht Gottes", eine vom Himmel gegebene frohe Botschaft vorausgesagt wird. Es heißt ( Offenbarung 14, 6 ): "Und ich sah einen Engel fliegen durch die Himmelsmitte, der hatte ein "Ewiges Evangelium" zu verkünden über die Erdbewohner und über alle Nationen und Stämme und Sprachen und Völker." An dieser Stelle kündigt also Gott in prophetischen Worten ein "Ewiges Evangelium" an ... und zeigt auf diese Weise auch Seinen "Knechten", was "in Kürze" geschehen wird ( Offenbarung 1, 1-8 ).

Der schon zu seiner Zeit hochgerühmte Zisterzienserabt Joachim von Fiore ( 1130-1202 ), selbst ein großer Prophet, hatte in seiner Dreizeitenlehre darauf hingewiesen, dass nach der Offenbarung des Johannes zu Beginn des so genannten Geistzeitalters den Menschen ein "Ewiges Evangelium" verkündet werden wird:

"Das Alte Testament stellt den Vorhof dar.
Das Neue Testament das Heiligtum.
Das "Ewige Evangelium" ist das Allerheiligste.

Im ersten treibt die Frucht.
Im zweiten offenbaren sich Gnade und Glaube.
Im dritten wird die vollkommene Ausströmung der Liebe sein.

Das erste war die Zeit der Knechtschaft.
Das zweite die Zeit sohnhafter Verbindung.
Im dritten wird die Freiheit leuchten."

( Joachim von Fiore )

Dieses "Ewige Evangelium" ist "Das Große Evangelium Johannes", das circa 700 Jahre vor dessen Niederschrift Hildegard von Bingen ( 1098-1179 ) in ihrem Werk "Liber divinorum operum" ( Buch der Gotteswerke ) mit folgenden Worten schon angekündigt hat: "Und ich sah, dass diese Auslegung ( des Johannes-Evangeliums ) der Anfang einer anderen Schrift sein müsste, die noch nicht offenbar geworden war. In ihr sollten viele Fragen der göttlich-geheimnisvollen Schöpfung untersucht werden“.


Hildegard von Bingen ( Teil 1 )



Hildegard von Bingen ( Teil 2 )



Hildegard von Bingen ( Teil 3 )


Diese Aussage von Hildegard von Bingen, eine der größten Frauen der Geschichte, Gesprächspartnerin und Beraterin von Gelehrten, Fürsten, Königen, Bischöfen und Päpsten - ihre Zeitgenossen gaben ihr voll Bewunderung die Ehrennamen "Prophetissa teutonica" ( "deutsche Prophetin" ), "Tischgenossin Gottes" und "Wunder des Jahrhunderts" - passt übrigens auch zu den Schlussworten des Johannes-Evangelium, wo es heißt ( Johannes 21, 20-25 ), dass Johannes bleibe bis Jesus Christus wiederkommen wird ... und kurz vor dieser Aussage Christi ( über die Zukunft des Apostel Johannes ) wendet Er sich an Petrus und erteilt ihm Seinen priesterlichen Auftrag ( Johannes 21, 15-19 ).

Auffällig ist: Zu Petrus wird an dieser Stelle von seinem Sterben gesprochen, zu Johannes wird aber von seinem Fortleben bis ans Weltende gesprochen. Dies bedeutet: Wie Petrus zum Hüter und Führer der irdischen Kirche bestellt wird, so wird hier Johannes von Christus zum Hüter und Führer der nie sterbenden geistigen Kirche berufen.

Die irdischen Gestalten der Kirche haben demnach die ihnen gemäße Zeit: Die urchristliche Kirche war etwas anderes als später die Römische Kirche oder die Ostkirche oder die Evangelische Kirche der Neuzeit. Sie alle haben ihre irdische Bestimmung und ihre irdische Aufgabe, sie wachsen, reifen und sterben einmal. Aber die johanneische Kirche stirbt nie. Aus der johanneischen Geistkirche erneuern sich immer wieder die irdischen Gestalten der Kirche.

Dies will also Jesus Christus sagen, wenn Er hier vom Jünger Johannes aussagt ( Johannes 21, 22 ): "Er bleibt, bis Ich wiederkomme." ( Der Evangelist Johannes gilt deshalb in der Neuoffenbarung als der Apostel, der das Christentum in der umfassendsten und vollkommensten Weise vertreten hat, dessen Wirksamkeit fortdauern soll bis zur Wiederkunft Christi. ) Über diese Wiederkunft sagte einst Jesus Christus im Johannes-Evangelium, dass Er zu Seinem Vater in den Himmel zurückgehen würde ( Johannes 16, 16 ), um dann, nach "einer kleinen Weile" ( dem gegenwärtigen Zeitalter des Heiligen Geistes ), zu ihnen zurückzukehren ( bei Seiner Wiederkunft ). ( In Apostelgeschichte 2, 33-35 wird eine Wartezeit zwischen der Verherrlichung Jesu Christi und Seiner Wiederkunft zur Bestrafung Seiner Feinde und der Errichtung Seines Reiches vorausgesagt. )

Johannes, der Evangelist der Liebe, ist demnach der Repräsentant des geistig-mystischen Menschen. Denn höher noch als der priesterliche steht der geistig-mystische, der prophetische Mensch. In diesem Sinne heißt es: Johannes wird nicht sterben. Sein Geist wird weiterwirken bis ans Ende der Tage. Petrus dagegen wird einmal sterben. Diese Worte sind demnach geschichtlich zu verstehen: Johannes als Repräsentant des prophetisch-geistig-mystischen Menschen wird besonders in der Endzeit, zu der Zeit der Wiederkunft Christi wirken.


Gedenktafel für Robert Blum in Berlin/Schöneberg.


Dagegen wird der priesterlich wirkende Mensch, Petrus, einmal sterben. Das soll heißen: Es wird einmal eine Zeit in der Entwicklung der Menschheit kommen, in der in allen Menschen die Kraft des Heiligen Geistes wirkt, in der die Menschen den Priester als Seelenhirten nicht mehr brauchen werden, da in ihnen selbst das göttliche Licht so stark lebendig geworden ist, dass sie aus eigenen geistigen Erfahrungen mit Gott verbunden sind. Dies ist dann die Zeit des Heiligen Geistes, wie sie Joachim von Fiore angekündigt hat.

Joachim von Fiore vertrat die Idee einer sich immer weiter zum Guten entwickelnden Geschichte. Zwischen den im Alten und den im Neuen Testament geschilderten geschichtlichen Gegebenheiten gebe es derartige Entsprechungen, dass man daraus Linien in die nachapostolische Zeit und bis in die Zukunft hinein ziehen könne. Seine Deutung der Offenbarung des Johannes kam zur Überzeugung, dass zwischen dem Tod des Antichristen und dem Ende der Zeiten ein Sabbat des Friedens und der Vollendung auf Erden ausbrechen werde.

In einer trinitarischen Geschichtsschau unterschied Joachim von Fiore drei Zustände der Weltzeit, die wie die Personen des dreieinigen Gottes miteinander verknüpft sind: Der erste ist das Gotteswerk der Erschaffung der Welt und dauerte bis zur Menschwerdung Jesu Christi; der zweite begann mit Israels König Ussia um 770 v. Chr. und werde in naher Zukunft beendet; der dritte Zustand begann mit Benedikt von Nursia ( 480-547 ). Er war überzeugt, dass er am Vorabend des Höhepunkts der Geschichte lebt; bald werde eine schreckliche Verfolgung die Kirche heimsuchen, der Antichrist die Kirche durch Häresie vernichten wollen, aber scheitern und selbst gerichtet werden; schon bald - nach Joachims Berechnungen im Jahr 1260 - werde der dritte Zustand, der Zustand des Heiligen Geistes und des Sabbats und Friedens, anbrechen. Den drei Zuständen entsprächen drei Lebensweisen: dem ersten, als Zeit des Gesetzes und der Familien, dem zweiten als Zeit der Gnade und der Priester, dem dritten als Zeit des Geistes und der Mönche; entsprechend werde schon bald die Papstkirche durch die Geistkirche abgelöst.

Demnach ergibt sich folgender geschichtlicher Ablauf: Im Alten Testament ist es Gott, der Vater, der im Mittelpunkt steht, im Neuen Testament ist es der Sohn Gottes und in dem "Ewigen Evangelium" ( das heißt: Die Neuoffenbarung ) ist es der Heilige Geist, der zu "allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern" spricht ... Genaugenommen ist in der Offenbarung des Johannes die Rede von einem Engel, der das "Ewige Evangelium" ( über einen "Schreibknecht" ) den Erdbewohnern verkündet. ( Zur näheren Erklärung dieses Verkündigungs-Engels: Siehe hierzu auch die bereits oben zitierte Stelle aus: Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum, Bd. 2, Kap. 261, V. 5 )

Mit der Neuoffenbarung erfüllte sich demnach das Wort Jesu Christi aus dem Johannes-Evangelium ( 16, 12-14 ): "Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommt, wird Er euch in alle Wahrheit einführen. Denn er ( Jakob Lorber ) wird nicht aus sich selber reden; sondern

 was er hören wird, das wird er reden ( durch das "innere Wort" ),

 und was zukünftig ist ( hier: die sichtbare Wiederkunft Christi ),

wird er euch verkünden."

Verschlüsselt wird demnach auf diese Weise im Neuen Testament die ( zuerst unsichtbare ) Wiederkunft Christi ( im Wort der Neuoffenbarung ) angekündigt. Denn nach der Neuoffenbarung zerfällt die Wiederkunft Christi in zwei Abschnitte: Zuerst kommt Jesus Christus für die Seinen unsichtbar für die gesamte Welt ( und zwar in Seinem Wort ) ... und dann kommt Er in großer Kraft und Herrlichkeit sichtbar für die gesamte Welt ( Matthäus 24, 30 ). Im Neuen Testament ( 1. Thessalonicher 4, 15-17 ) heißt es hierzu: Bevor Jesus Christus kommt, um Sein Reich aufzurichten, wird Er wiederkommen, um Sein Volk zu sich in den Himmel heimzuholen. Später wird Er dann sichtbar auf die Erde zurückkehren - wie es schon im Neuen Testament heißt ( Apostelgeschichte 1, 11 ): "Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr Ihn habt hingehen sehen in den Himmel."

Die erste ( für die Welt unsichtbare ) Wiederkunft Christi beschreibt die Offenbarung des Johannes ( 21, 2 ) in bildreichen Metaphern: "Und ich sah die heilige Stadt, das Neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen ..." Dieses "Neue Jerusalem" wird mit der Offenbarung durch Emanuel Swedenborg und der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber im geschriebenen Wort für jeden Menschen zugänglich: Diese Enthüllung des geistigen Gehaltes der Heiligen Schrift wird demnach unter der zweiten Ankunft des Herrn, der ( unsichtbaren ) Wiederkunft Christi, verstanden. Mit der Bekanntgabe zum Beispiel der Entsprechungslehre durch Emanuel Swedenborg wird der Herr der Menschheit ( durch deren Werke im Sinne Gottes ) selbst sichtbar gemacht.

In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Alle Meine Worte und Lehren, die Ich seit Beginn des Menschengeschlechts den Menschen durch den Mund der Urväter, Propheten und Seher und nun Selbst gegeben habe, werden in vielen Teiloffenbarungen ihrem inneren, geistigen Sinne nach enthüllt werden. Aus solchen vielen Teilenthüllungen des inneren, geistigen Sinnes des Wortes Gottes wird sich dann erst eine wahre und große Licht- und Lebenslehre zusammenformen, und diese Lehre wird dann das große und "Neue Jerusalem" sein, das aus den Himmeln zu den Menschen herniederkommen wird. Und die in der neuen Lehre sein und leben werden, die werden wandeln im "Neuen Jerusalem" und werden darin ewig wohnen, und ihrer Seligkeiten über Seligkeiten wird ohne Maß und Ziel nimmer ein Ende sein. Denn Ich Selbst werde bei ihnen sein, und sie werden schauen alle die zahllosen Herrlichkeiten Meiner Liebe, Weisheit und Allmacht." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 7, Kap. 54, Vers 4-5 )


Der Schlüssel von Gott zum richtigen Verständnis der Bibel


Über dieses "Neue Jerusalem" heißt es bei Emanuel Swedenborg: "Dass der neue Himmel früher gebildet wird als die Neue Kirche auf Erden, ist der göttlichen Ordnung gemäß, denn es gibt eine innere und eine äußere Kirche, und die innere Kirche macht mit der Kirche im Himmel, also mit dem Himmel eins aus, und das Innere muss früher gebildet werden als das Äußere, und nachher das Äußere durch das Innere. Dass dem so ist, ist bei der Geistlichkeit in der Welt eine bekannte Sache. Inwieweit dieser neue Himmel, welcher das Innere der Kirche bei dem Menschen ausmacht, wächst, in so weit steigt aus diesem Himmel das neue Jerusalem, das ist die Neue Kirche, herab; daher dies nicht in einem Augenblick geschehen kann, sondern in dem Maße geschieht, wie das Falsche der vorigen Kirchen entfernt wird, denn das Neue kann da keinen Eingang finden, wo das Falsche zuvor eingezeugt worden ist, es wäre denn, dass dieses ausgerottet werde, was bei der Geistlichkeit geschehen soll, und so bei den Laien." ( Wahre Christliche Religion 784 )

Und in der Neuoffenbarung heißt es weiter: "Es wird die Erlösung für den Menschen nur dann eine wahre und wirksame sein, so er die dazu angezeigten Mittel ganz genau und getreu anwenden wird, - sonst wird er nach der Ankunft des Messias ganz derselbe schlechte Mensch sein, der er vor derselben war.

Denn der aus den Himmeln angekommene Messias wird niemanden befreien von seinem Erbübel als allein den nur, der nach Seiner Lehre in allem genau also leben wird, wie es die Lehre vorschreiben wird." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 5, Kap. 204, Vers 10 ) Hier ist die Rede davon, dass erst das ( göttliche ) Wort zu den Menschen kommt ... und dann ( "aus den Himmeln" ) der Messias.

Und bezogen auf den Zeitpunkt, wann dies alles geschehen soll, heißt es in einer Kundgabe von 1840: "Hinter Meinem Haupte zeigen sich ganz schwach Teile der neuen Stadt der Heiligkeit Gottes, die soeben herabzusteigen hat angefangen vor euch!" ( Naturzeugnisse, Des neuen Lichtes Initial, Kundgabe v. 01.06.1840 ) Das heißt: Mit dem Werk der Neuoffenbarung kommt der himmlische Vater in Jesus zu den Menschen herab ... Und dies ist dann auch der größte Schatz, den man auf Erden finden kann: Das "Neue Jerusalem".

Das "Neue Jerusalem" wird im Neuen Testament folgendermaßen beschrieben ( Offenbarung 21, 10+22-23 ): "Da entrückte Er mich in der Verzückung auf einen großen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her vom Himmel herabkam ... Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, Er und das Lamm. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm."

Hier heißt es: Einen Tempel sah er nicht in der Stadt ... und dies bedeutet: Der Priester-Dienst ist hier nicht mehr erforderlich, da Jesus Christus persönlich die Menschen lehrt. In diesem Sinne weist das Lamm auch auf das Opfer Jesu Christi hin. Denn nach dem Johannes-Evangelium wurde Jesus Christus zu der Stunde gekreuzigt, an dem die Lämmer für das Passahmahl geschlachtet wurden. ( Hinweis: Das Passahfest ist das wichtigste Fest der Juden. Es erinnert an die Befreiung aus Ägypten. ) Im gleichen Evangelium wird berichtet, dass Johannes der Täufer auf Jesus Christus mit den Worten hinweist ( Johannes 1, 29 ): "Seht das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt." )

Über diese verheißene ( unsichtbare ) Wiederkunft des Herrn im "Neuen Jerusalem" heißt es schon im Alten Testament ( Micha 4, 1-2 ): "Es wird in den letzten Tagen geschehen, da wird der Berg des Hauses des Herrn aufgerichtet sein über den Bergen, und Er überragt Hügel, und es strömen Nationen zu Ihm. Und viele Völker werden ziehen und sprechen: Wohlan, lasst uns hinaufgehen zum Berg des Herrn, und zum Hause des Gottes Jakobs, dass Er uns lehre von Seinen Wegen und wir wandeln auf Seinen Pfaden, wenn von Zion wird ausgehen die Lehre, und das Wort des Herrn von Jerusalem."

Die Menschen werden demnach von der Liebe Gottes angezogen. Darum heißt es in der Neuoffenbarung: "Ich gebe aller Liebe zu Mir nach dem Grade ihrer Größe auch alsogleich den gerechten Anteil des Lichtes hinzu, und das ist ein Geschenk und heißt die Gnade. Mit dieser fließe Ich bei jedem Menschen ein nach dem Grade seiner Liebe. Daher, so jemand die Liebe hat, da er Mein Gesetz in sich lebendig macht, welches die höchste Liebe ist, über den werden Ströme des Lichtes ausgegossen werden." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 4, V. 7-8 )

Und so spricht dann auch die kleine Pura zum Herrn: "Einen solchen Trost hast Du jetzt in mein Herz gleich einem übergroßen Lichtstrome gegossen, dass ich mir nun vor lauter überhimmlischer Entzückung nicht zu helfen weiß." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 2, Kap. 122, V. 6 )

Die Liebe Gottes stieg vor 2000 Jahren in Gestalt des Menschensohnes Jesus Christus zur Erde hernieder, um der Welt den Frieden zu geben. Und Jesus Christus zog - gemäß dem Johannes-Evangelium - drei Wanderjahre lang predigend durch Galiläa. Dabei fand Er Seine Zuhörer nicht in den Lehrhäusern und Synagogen, sondern auf der Straße, hauptsächlich in dörflicher und häuslicher Umgebung. So dass man sagen kann: Der Tempelbetrieb hatte Seinen Frieden nicht gewollt ... und leider sind als Antwort auf die Frage: "Was dünkt euch von Jesus Christus?" seither oft blutige Kämpfe ausgetragen worden.

Wiederum stieg vor nunmehr über 170 Jahren die Liebe des Vaters - diesmal ( unsichtbar ) im Wort, welches ist "das Schwert des Mundes" ( Offenbarung 19, 15 ) - zu den Menschen herab, nicht um zu richten, sondern um Licht in das Dunkel zu bringen. Es heißt: "Darum muss nun die letzte und größte Sichtung vor sich gehen, und die Sichtungsmaschine heißt: Die ( rechte ) Wissenschaft ... Diese wird zwar so manchen harten und schweren Kampf mit sich bringen ( genannt werden an dieser Stelle der Neuoffenbarung: Gewaltige Kriege, große Hungersnot, Erdbeben, Überschwemmungen, und so weiter ), ... aber den ein oder anderen bis jetzt noch Minder-Gläubigen wird ( dadurch ) ein Licht aufgehen ... ( Mit ) dieser Meiner zweiten Ankunft ... ( wird ) alles Unrichtige vollends gründlich erkannt ( werden ... Und darum ) arbeitet fleißig am lebendigen Studium des Johannes; denn in dem werdet ihr noch zu einer Überfülle des Lichtes gelangen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Anhang zum Johanneswerk, "Die Geschichte des Neuen Testaments" )

Hier ist die Rede von der ( rechten ) "Wissenschaft, von der dem ein oder anderen bis jetzt noch Minder-Gläubigen ein Licht aufgehen wird". Demnach widerspricht die Neuoffenbarung nicht der modernen Naturwissenschaft, von der der Physiker Max Planck ( 1858-1947 ) aussagt, sie stehe als solche dem Christentum keineswegs ablehnend gegenüber. Nach seiner Meinung führe sogar die neueste Forschung geradewegs zum Gottesglauben hin, wenn sie vorurteilsfrei betrieben werde. Das meinte auch Papst Pius XII. ( 1876-1958 ), als er in seiner Ansprache an die Mitglieder der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften am 22. November 1951 erklärte: "Je weiter die wahre Wissenschaft vordringt, desto mehr entdeckt sie Gott." Und in diesem Sinne empfiehlt auch die Neuoffenbarung eine fortschrittsgläubige Gesellschaft und widerspricht der Auffassung des französischen Philosophen Auguste Comte ( 1798-1857 ), dass die Religion in einem absoluten Gegensatz zur Wissenschaft stehe.

Hintergrund: Isidore Marie Auguste François Xavier Comte, einer der Hauptvertreter des Positivismus des 19. Jahrhunderts, vertrat die Auffassung, dass die Geschichte sich in drei Wissensstadien aufteilt, wovon die Religion angeblich das niedrigste und die Naturwissenschaft das höchste Wissensstadium ist. Comte nennt diese ( seine ) Theorie, die sich weithin durchgesetzt hat, das Dreistadiengesetz. Gemäß diesem Gesetz sind Religion, Metaphysik ( Philosophie ) und positive Wissenschaft in der Geschichte der menschlichen Gemeinschaft wie auch im Leben des einzelnen Menschen drei zeitlich aufeinander folgende und einander ablösende Entwicklungsstadien. Im ersten Stadium, die theologische, glaubt man an Götter und übernatürliche Wesen, die in die Welt hineinwirken, im zweiten Stadium, die metaphysische, treten an ihre Stelle Substanzen und Wesenheiten, Kräfte und Zwecke, substantielle Formen und Lebensprinzipien, im dritten Stadium, die positive oder wissenschaftliche, werden mit Hilfe von Beobachtung und Experiment Tatsachen festgestellt und in ihrem Ablauf ermittelt - das heißt: Anstelle der Erklärung tritt durch Ursachen jene durch Gesetze. Somit sind Religion und Metaphysik unwissenschaftliche Vorstufen, die kein Wissen vermitteln können, die vielmehr die Voraussetzungslosigkeit der Wissenschaft behindern. In der Neuoffenbarung spricht hierzu Jesus Christus: "Denn darum bin Ich ja in diese Welt gekommen, auf dass Ich euch von allen den vielen Irrtümern frei mache durch das lebendige Licht der Wahrheit." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 7, Kap. 30, V. 12 )


Klaus Berger: Die Bibelfälscher


Die ( sichtbare ) Wiederkunft Christi darf man sich gemäß dieser Aussage nicht nur als ein einmaliges, an einem bestimmten Tage sich ereignendes Geschehen vorstellen ( und diese Wiederkunft Christi wird niemand verpassen, denn sie wird plötzlich, allumfassend und herrlich sein; wie ein Blitz wird sie deutlich von jedem erlebt, so dass es heißt ( Matthäus 24, 29 ): "Die Sterne werden vom Himmel fallen" ), sondern ihr geht vielmehr auch ein ( langer ) geistiger Erleuchtungs- und Entwicklungsvorgang voraus, der, wie alles Werden in der Schöpfung Gottes, seine der Größe und Bedeutung des Vorgangs entsprechende geraume Zeit ( die Endzeit ) in Anspruch nimmt. ( Es dauerte schließlich auch circa drei Jahrhunderte, bis sich das Christentum endgültig in der Welt durchsetzte. )

Im Neuen Testament sprach hierzu Jesus Christus das Gleichnis vom Sauerteig ( Matthäus 13, 33 ): Er verglich dabei das Reich Gottes mit "einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte". Schließlich war das ganze Mehl "durchsäuert". Die Neuoffenbarung legt dies so aus, dass das Mehl die Welt und der Sauerteig das Evangelium ist, das in der ganzen Welt gepredigt wird, bis jeder gerettet ist. Die Neuoffenbarung will demnach die Menschen an Hand der Wahrheit überzeugen, und nicht mit Hilfe äußerer Wunderzeichen. Wer allerdings "die Wahrheit der Wahrheit wegen nicht erkennen will, und diese ihm nicht ein hinreichendes Zeichen ist, für den ist es besser, dass er bleibt in seiner Blindheit." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 2, Kap. 3, V. 4 )

Prophetisch heißt es hierzu schon im Alten Testament ( Jeremia 30, 7-11 ), dass in einer "Zeit der Drangsal für Jakob" ( der "Großen Drangsal" ) das Wirken des Heiligen Geistes ( und der Wahrheit ) kommen wird, auf dass dann Gott die Macht der Heiden über Sein Volk zerbrechen wird.

Diese Zeit der "Großen Drangsal", die mit dem geistigen Erleuchtungs- und Entwicklungsvorgang einhergeht, wurde von Emanuel Swedenborg deutlich hervorgehoben. Er schilderte in einer seiner Schriften sogar das ( unsichtbare ) Jüngste Gericht, das sich zu seiner Zeit in der jenseitigen ( geistigen ) Welt abspielte. ( Hintergrund: Gemäß der Lehre der Entsprechungen Swedenborgs steht diese ( sichtbare ) Welt in einer Beziehung zur jenseitigen ( unsichtbaren ) Welt wie die von Abbildern zu Urbildern, von Erscheinungsbildern zu Wesensbildern. Das Sein dieser Welt wird demnach als eine Welt der Entsprechungen angesehen: Alle ( sichtbare ) Schönheit ist zum Beispiel erst schön durch die Teilhabe an der ( unsichtbaren ) Urschönheit oder durch Nachahmung oder Nachbildung des Urbildes in der ( unsichtbaren ) jenseitigen Welt, der Urform aller Schönheit.

Die Dinge dieser ( sichtbaren ) Welt sind wie Schattenbilder, die immer dann entstehen, wenn die Sonne auf sie fällt. Wie die Schatten sich zu den sichtbaren Dingen verhalten, die sie bedingen, so verhält sich diese ( sichtbare ) Welt zur jenseitigen ( unsichtbaren ) Welt. Die sichtbaren Dinge sind gleichsam die Schatten der jenseitigen Welt, so dass die sichtbare Welt in ihrem Bildsein stets auf das Göttliche verweist. Auf diese Weise erkennt der Mensch das Sein Gottes nicht unmittelbar, sondern mittelbar. Die Lehre der Entsprechungen geht von der erfahrungsmäßig zugänglichen ( sichtbaren ) Wirklichkeit aus und schließt dann mit Hilfe des Kausalprinzips von dem Relativen auf das Absolute, vom Sichtbaren auf das Unsichtbare. Immer schließt man von der Wirkung auf die Ursache.

Es gilt hier der Grundsatz des Aristoteles: "Quidquid movetur, ab alio movetur" ( aus dem lateinischen übersetzt: "Was in Bewegung kommt oder in Bewegung ist, wird von einem andern bewegt" ). Und dahinter verbirgt sich auch der Sinn: Was sich verändert, das verändert sich passiv unter Einfluss einer äußeren Ursache. Mit anderen Worten: Nichts kann sich selbst eine Vollkommenheit geben, die es noch nicht hat ... und bezogen auf die Lehre der Entsprechungen bedeutet dies: Was immer auf der unteren ( diesseitigen ) Ebene geschieht, hat seine Entsprechung zu der oberen ( jenseitigen ) Ebene. Denn es gilt: "Wie oben, so unten".

Laut der Neuoffenbarung wird sich deshalb - bedingt durch das ( unsichtbare ) Jüngste Gericht im Jenseits - "nahe an" ( Gr. Ev. Joh., Bd. 8, Kap. 46, Vers 3 ) dem Jahr 2030 auf dieser ( sichtbaren ) Welt ein großes Gericht und der Anbruch des Tausendjährigen Reiches ereignen. Erste Anzeichen hierfür sind, dass schon seit dem Beginn der Endzeit ( 1843 ist Jesus Christus in unsichtbarer Gestalt, das heißt in der Geburtsszene des Jakobus-Evangeliums, erneut auf diese ( sichtbare ) Welt gekommen ) im Vorfeld mit Hilfe der ( rechten ) Wissenschaft ( zum Beispiel: Sprach- und Geschichtswissenschaft, Archäologie, Orientalistik, Psychologie und Soziologie ) für die "zweite Ankunft" Christi ein objektives Zeugnis von Ihm ( Jesus Christus ) gegeben wird, das den Glauben von den vielen "falschen" Jesusbildern, welche die Zeit über Jahrhunderte hinweg munter ausgestoßen hat, befreit.



Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass gemäß der Entsprechungslehre durch Emanuel Swedenborg die Zahl "1000" in der Offenbarung des Johannes 20, 4 nicht als eine Jahreszahl zu verstehen ist, sondern vielmehr einen geistigen Zustand beschreibt: Die "1" ist der Herr und die drei Zahlen "000" stellen den Herr dar in Seinem Willen, Seiner Weisheit und Seiner Liebe. Das "Tausendjährige Reich" weist somit auf den Zustand der geistigen Wiedergeburt hin, wo der Herr in Wille, Weisheit und Liebe verwirklicht ist. ( Das Reich Gottes ist demnach eine geistliche Wirklichkeit und keine organisierte Institution. Das heißt: Das Reich Gottes berührt, inspiriert und belebt einen im Innersten - und zieht von dort aus seine Kreise, die das Ganze in der Welt verändern. )

Des Weiteren darf man nicht übersehen, dass Luzifer ein Geist ist und dass alle Zahlenangaben in der Offenbarung des Johannes für viele Kirchenväter symbolisch beziehungsweise über Entsprechungen zu deuten sind. Wenn man demnach die Bibel wortwörtlich auslegt, so begründet man mit der Fesselung Luzifers für tausend Jahre ( Offenbarung 20, 2 ) auch die Erwartung einer tausendjährigen friedlichen Herrschaft Christi auf Erden: Die runde Zahl 1000 wird aber von vielen Kirchenvätern nicht wortwörtlich verstanden, sondern vielmehr symbolisch.

Vor diesem Hintergrund sah zum Beispiel der Kirchenvater Aurelius Augustinus den Anbruch des Tausendjährigen Reiches in der Erlösung durch Christus, der, wie er feststellte, durch Seine Opfertat die Macht Luzifers gebrochen und Luzifer gleichsam gefesselt und eingekerkert hatte, weshalb er nicht mehr freie Hand hatte gegen die Getauften, gegen die Glieder des geistigen Leibes Christi, wie er sie bei der Beeinflussung der Heiden besaß und heute noch besitzt.

Weil er in den Abgrund gestürzt wurde und dieser Abgrund versiegelt wurde, vermochte er gegen das ewige Reich Christi, gegen die triumphierende Kirche nichts mehr auszurichten und konnte seither nur noch die Mitglieder der streitenden Kirche während ihres Erdenlebens zu verführen suchen. Aber auch über sie hatte er eigentlich keine Macht mehr, weil und sofern sie Jesus Christus angehörten und sofern sie sich ihm nicht auslieferten. Auch die Völker waren seinem Einfluss entzogen, solange sie sich nicht vom Christentum lossagten.

Ähnlich sah es übrigens auch der Kirchenlehrer Thomas von Aquin. Wenn es zur Fesselung und Einkerkerung Luzifers heißt ( Offenbarung 20, 1 ): Ein Engel steigt hernieder, der das Gericht vollzieht, so sah Thomas von Aquin in diesem Engel Jesus Christus selbst - der "große Engel des Bundes" ergriff demnach Luzifer undramatisch und fesselte ihn für tausend Jahre.

Ein solcher Glaube, dass mit dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi auch das so genannte Tausendjährige Reich begann, führte dazu, dass man in weiten Kreisen im Jahre 1000 n. Chr. glaubte, das Ende der Welt stehe bevor, weil nun 1000 Jahre seit dem Erscheinen Jesu Christi vorüber waren. Man zitterte damals vor dem sich nahenden Gerichtspunkt. An vielen Orten stoppten der Handel und der Verkehr und vielfach blieben die Felder unbestellt. In großen Scharen pilgerten die Menschen nach Rom und zu anderen Wallfahrtsorten, um Buße zu tun. Das mit höchster Spannung erwartete Jahr 1000 ging jedoch vorüber wie alle anderen. Die Gemüter beruhigten sich wieder und bald war dieser Chiliasmus ( chilioi = tausend ) völlig vergessen.


Thomas von Aquin und Meister Eckhart


Dies passt dann auch zu dem, was Emanuel Swedenborg aufzeichnete. Es resultierte thematisch aus seinem Hauptanliegen, die falschen Vorstellungen religiöser Irrlehren und jenseitiger Gegebenheiten aufzuzeigen und wenn möglich noch bei seinen Zeitgenossen zu korrigieren. In diesem Sinne schrieb Prof. Dr. Ernst Benz in seiner Denkschrift "Die Bedeutung Emanuel Swedenborg für die Weltchristenheit" die nachstehende Einschätzung: "Ihm ( gemeint ist Swedenborg ) wird der Auftrag zuteil, den inneren Sinn der Heiligen Schrift aufzuschließen, Gott selbst lässt ihm durch die Einwohner der himmlischen und geistigen Welt die geistige Bedeutung und Entsprechung eines jeden Wortes der Heiligen Schrift eröffnen.

Jetzt tun ihm die Worte der Schrift ihre himmlische Bedeutung auf, die natürlichen Dinge predigen ihm von den geistlichen Urbildern und himmlischen Wahrheiten, die sie repräsentieren. Jetzt wird ihm im sinnlichen Schriftwort die geistige und himmlische Welt transparent, die sich darin abbildet. Jetzt weiß er sich im Besitz der Kenntnis der Entsprechungen von unten und oben. So wird für ihn nach seiner Berufungsvision die Lehre von den Entsprechungen zu einer Lehre vom göttlichen Wort. Dieses Wort, das in der Heiligen Schrift vorliegt, erscheint ihm als die sichtbare, für die sinnliche Anschauungsform des Menschen bestimmte Darstellung der himmlischen Wahrheit."

Diese himmlische Wahrheit war für den Wissenschaftler Emanuel Swedenborg die Richtschnur und das letzte Ziel aller Dinge ... Und für seine "aufgeklärte" Zeit galt nunmehr: Wohl wissend, dass es Bereiche des Glaubens gibt, die die Wissenschaft nur beschreiben, aber nicht erklären kann, soll nun die Wissenschaft der Entsprechungen vieles im Umfeld des Glaubens an Jesus Christus erhellen. Dabei ist natürlich auch zu berücksichtigen, dass keine Menschenseele von einem Tage auf den anderen reif wird, um Gott, den himmlischen Vater, in Seiner heiligen Jesusgestalt erkennen und aufnehmen zu können. Es braucht da in jedem Falle einer ernsten und meist überaus langwierigen Herzensbildung, um in der Schule der Entsprechungen von der irrtümlichen Vorstellung zur Wahrheit zu gelangen.



Wartete demnach die gesamte Menschheit über 1800 Jahre lang auf die Wiederkunft Jesu Christi und auf die Neu- ( beziehungsweise Wieder- ) Offenbarung Seiner Heilslehre, so wartete sie laut der Neuoffenbarung letztendlich auf diese Zeit der Offenbarungsschriften, auf "dass ein jeder erkenne und einsehe, dass Ich im Geiste nun wieder ganz besonders wahrnehmbar auf diese Erde gekommen bin, um die letzten Arbeiter in Meinen Weinberg zu dingen und aufzunehmen." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 24.04.1864, Vers 2 ) Und weiter heißt es an anderer Stelle in der Neuoffenbarung:

"Seht, was die Apostel, eure Brüder, wollten sehen,
Und doch nicht sahen, ihre todten Brüder auferstehen,
Die heil'ge Stadt hernieder steigen, Meine Sonne strahlen,
Und höret Worte voll des Lebens überall erschallen;
Bereitet eure Herzen, freuet euch! die ihr beklommen
Noch seid in Sünden, seht,
Ich bin zu euch herabgekommen.

Ja Ich, hört Völker, Ich der Vater - in dem Menschensohne!
Ich komm' zu euch, und all' Mein Reich mit Mir für euch zum Lohne;
Denn ausgeronnen ist die Zeit, gebrochen ist die Macht,
Ich hab' in Meinem Herzen Meines Bruders wohl bedacht;
So freuet euch, die ihr nach Mir habt sehnsuchtsvoll verlanget,
Seht auf, wie hoch schon dort am Morgen Meine Sonne pranget!"

( Psalmen und Gedichte, "Der Engel", Vers 64-65 )

Wie das Neue Testament beansprucht, die Erfüllung des Alten Testamentes zu sein, so erhebt die Neuoffenbarung den Anspruch, die Erfüllung des Neuen Testamentes zu sein ... Und so vollzieht sich in der Offenbarung ( Emanuel Swedenborgs und der Neuoffenbarung ) für die gesamte Menschheit die ( unsichtbare ) Wiederkunft Christi auf Erden "im Feuer Meiner Heiligkeit" ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 46, Vers 19 ).

Das heißt: Das im Neuen Testament angekündigte Reich Gottes kommt in der Neuoffenbarung zu den Menschen und kann sich dabei unter anderem auch auf die Textstelle in der Offenbarung des Johannes berufen, wo da steht ( 19, 10 ): "Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Prophetie."

Wie vor 2000 Jahren so erkennen die meisten Menschen auch in der heutigen Zeit nicht, dass Jesus Christus schon ( unsichtbar - im Wort der Prophetie der Neuoffenbarung ) auf diese Welt gekommen ist - bevor Er sichtbar in Erscheinung treten wird. Es spricht der Evangelist Johannes in der Neuoffenbarung zu den Menschen vor circa 2000 Jahren: "Das aber, was die Juden ... erwarten und nachher noch bis ans Ende der Welt vergeblich erwarten werden, ist bereits, verborgen vor ihren blinden Augen und tauben Ohren, schon lange da." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 5, Kap. 189, V. 6 )

Schon im Alten Testament, im Buch Daniel, wird über diese ( unsichtbare ) Wiederkunft Christi ( 7, 13-14 ) vorhergesagt: "Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen Ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter."

Im Neuen Testament ist dieser endzeitliche Herrscher gegenwärtig, denn die ersten Christen sahen Jesus den Menschensohn, der am Ende der Zeiten Gericht halten und die endgültige Herrschaft antreten wird. Aus diesem Grund sagte Jesus im Neuen Testament ( Markus 13, 26 ): "Und dann werden sie sehen den Menschensohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit."



Und in der Neuoffenbarung heißt es hierzu erklärend: "Es wird gegen die Nähe des Gerichtes zu sehen sein das Zeichen des Menschensohnes am Himmel, das heißt der Himmel im Menschen wird Mich als den alleinigen Herrn Himmels und der Erde anerkennen, und des Menschen Seele wird Mich preisen und sehr loben. Aber das ist dann noch nicht die Vollendung des Menschen.

Aber wenn Ich dann licht und helle in den Wolken der Himmel mit allen Himmelsmächten unter dem Schalle wie von vielen Kriegs- und Gerichtsposaunen im lebendigen Worte vor allen Menschen auftreten werde im wahren Himmel, der im Herzen der Menschen ist, dann ist das Gericht der Welt da ... Wenn Ich einmal aufgefahren sein werde in Mein Reich, dann werde Ich nimmer im Fleische auf diese Erde wiederkommen, sondern nur im Geist, im Wort." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 6, Kap. 174, Vers 9-12 )

Und im Neuen Testament heißt es hierzu ( Hebräer 9, 27-28 ): "Wie es dem Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal zu sterben, worauf dann das Gericht folgt, so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen; beim zweiten Mal wird Er nicht wegen der Sünden erscheinen, sondern um die zu retten, die Ihn erwarten."

In diesem Sinne schreibt 1771 Emanuel Swedenborg in einem Brief an Ludwig IX. ( 1719-1790 ), der 1768 bis 1790 Landgraf von Hessen-Darmstadt war: "Der Herr unser Heiland hatte vorhergesagt, dass Er zum zweiten Mal in die Welt kommen und daselbst eine Neue Kirche gründen werde. Er hat diese Weissagung in der Offenbarung des Johannes Kap. 21 und auch Kap. 22, desgleichen in verschiedenen anderen Stellen in den Evangelien gegeben. Da Er jedoch nicht wieder in Person in die Welt kommen konnte, so war es notwendig, es mittelst eines Menschen zu tun, der nicht allein fähig wäre, die Lehre dieser Neuen Kirche mit dem Verstand aufzufassen, sondern auch sie durch den Druck bekannt zu machen."



Und in einem Brief an Friedrich Christoph Oetinger schreibt Swedenborg am 23. September 1766: "Wer kann nicht sehen, dass unter dem Neuen Jerusalem eine Neue Kirche verstanden wird, und dass die Lehren derselben, da sie in bloßen Vorbildungen, das heißt, in Entsprechungsbildern beschrieben sind, nur vom Herrn allein enthüllt, und dann dass sie in der Welt nicht anders bekannt gemacht werden können, als durch einen, dem eine Offenbarung gegeben wird? Ich kann heilig beteuern, dass der Herr selbst mir erschienen ist, und dass Er mich gesandt hat, zu tun, was ich tue, und dass Er zu dem Ende das Innere meines Geistes, das heißt, meines Geistmenschen, aufgeschlossen hat, damit ich die Dinge, welche in der geistigen Welt sind, sehen, und diejenigen, welche sich daselbst befinden, hören möge, und dies nun schon 22 Jahre hindurch."

Und im Jahr 1768 schrieb Swedenborg: "Ich sehe voraus, dass viele, welche das hier folgende und die Denkwürdigkeiten hinter den Kapiteln lesen, dieselben für Erscheinungen der Phantasie halten werden. Allein ich versichere in Wahrheit, dass sie keine Erfindungen, sondern wirklich Geschehenes und Gesehenes sind: Gesehen nicht in irgend einem Betäubungszustand des Gemütes, sondern im Zustand des völligen Wachens.

Denn es hat dem Herrn gefallen, Sich selbst mir zu offenbaren, und mich auszusenden, dasjenige zu lehren, was ( Sache ) der Neuen Kirche, welche unter dem Neuen Jerusalem in der Apokalypse verstanden wird, sein soll. Zu diesem Zweck hat Er das Inwendige meines Gemütes und Geistes aufgeschlossen, worauf mir gegeben worden ist, in der geistigen Welt bei den Engeln, und zugleich in der natürlichen Welt bei den Menschen zu sein; und dies nun schon 24 Jahre hindurch." ( Eheliche Liebe, Nr. 1 ) Swedenborg sagte übrigens in seinem engsten Freundeskreis das Jahr, den Tag und die Uhrzeit seines Todes voraus - was dann auch so eintrat.



Die Wiederkunft Christi in den Wolken des Himmels ist nach der Neuoffenbarung ( zuerst ) eine ( unsichtbare ) Wiederkunft in Seinem Wort. Wie die strahlende Sonne oft von den Wolken verhüllt wird, sie aber dennoch Licht und Wärme spendet, so kommt Jesus Christus, der das Wort oder der Geist Selbst ist, verhüllt zu den Menschen und spendet trotz der Verhüllung Licht und Leben: Die Verhüllung mit den Wolken ist das aus den Buchstaben gebildete Wort, in dem der geistige Sinn eines Wortes verborgen ruht. Der christliche Visionär Emanuel Swedenborg schrieb hierzu in seinem Werk "Die wahre christliche Religion": "Geistig denken heißt ohne Zeit und Raum, natürlich denken heißt: Denken in Raum und Zeit."

In diesem Sachverhalt liegt die generelle religiöse "Krise" der Menschheit begründet. Der lebendige Erfahrungsglaube, das "geistige Denken", wurde durch ein "Denken in Raum und Zeit" vernachlässig. Gerade dieses "Glaubensdefizit" zu beseitigen, liegt als wesentliches Moment der Neuoffenbarung zugrunde: Nur durch die Erweiterung des religiösen Bewusstseins kann der Glaube wieder lebendig werden.

Denn dann wird es für den Glauben auch keine Zeiten mehr geben, die man in Sekunden misst, sondern es zählt dann nur noch das Gefühl von Zustandsveränderungen im Inwendigen ... und dieselbe Bedingung gilt dann auch für die Aufhebung der Räumlichkeit: Man empfindet die Fortbewegung in dieser Zeit des "geistigen Denkens" nur noch durch die Veränderung in ( inneren, geistigen ) Zuständen. Swedenborg schrieb hierzu: "Alle Fortbewegungen in der geistigen Welt geschehen durch Zustandsveränderungen des Inwendigen, so dass die Fortbewegungen nichts anderes sind, als Veränderungen des Zustands." ( Himmel und Hölle, Nr. 191 )

Alles weicht also im "geistigen Denken" ab von dem, was man Logik nennt ... und von den Grundlagen, die man sich im Gehirn mit dem so genannten scharfen Verstand zurecht gelegt hat. Denn im "geistigen Denken" gibt es nur Verstehen durch Gefühl und Empfinden. Und in diesem Sinne ist auch der Einzug Jesu in Jerusalem zu verstehen.



Jesus Christus kam einst demütig auf einem Esel durch das "Goldene Tor" ( Hesekiel 44, 1-3 ) nach Jerusalem geritten und einige Menschen riefen Ihm im Jubelgesang zu ( Matthäus 21, 9 ): "Hos(i)anna dem Sohne Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!" Sie meinten damit: Der Triumph der Erlösung ist da.

Doch die wenigsten Menschen erkannten Ihn als den, der Er wirklich war, weil sie sich in der Regel nur vom Großartigen beeindrucken lassen. Wäre Jesus Christus dagegen auf einem weißen Araberhengst, mit wallenden, prunkvollen Gewändern in Jerusalem eingeritten, hätte Er bei den Menschen, die zur Zeit Jesu Christi auf einen starken und unüberwindlichen Helden und Befreier warteten, offene Tore und Herzen vorgefunden.



Hierzu fragte - laut der Neuoffenbarung - ein Römer Jesus Christus: "Höre, Du göttlicher Meister, wir sind Römer, kennen von der Gotteslehre der Juden nur weniges, und doch glauben wir, dass Du wahrhaft der den Juden verheißene Messias bist! Warum glauben denn das eben die mit eurer Gotteslehre doch sicher am meisten vertrauten Juden nicht? Welchen Grund haben sie wohl, das nicht zu glauben, da sie doch sehen, dass viele andere es glauben?"

Sagte Ich: "Das macht ihre Selbstsucht, ihr unbegrenzter Hochmut und ihre ebenso unbegrenzte Herrschgier. Nach ihrer Idee soll der Messias mit einem über alle Begriffe gehenden Himmelspomp unter Donner und Blitz aus den Himmeln herabsteigen, in den Tempel einziehen und die Hohenpriester, Pharisäer und Schriftgelehrten mit aller Macht und allem Glanze ausrüsten, die Römer aus dem Lande treiben und die Templer an Seiner Seite mit aller Macht und Gewalt ausrüsten, auf dass sie dann bald die ganze Welt beherrschen könnten." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 6, Kap. 203, V. 3-4 )

Und an anderer Stelle in der Neuoffenbarung antwortet Jesus Christus einem Juden: "Du bist noch ein echter Jude aus der alten Zeit Samuels und bist darum denn auch erleuchtet, wie es ein Jude sein soll; aber du hast dennoch einen kleinen Fehler, und der besteht darin, dass du gegen Fremde, die da nicht Juden sind, sehr verschlossen und nicht freundlich bist und heimlich ein Feind der Heiden, also, dass du sie alle vertilgen möchtest, so dir das irgend möglich wäre.

Ich weiß es wohl, dass du also bist in deinem wahren Eifer für eine Wahrheit aus Gott, und weil derlei bei den alten, wahren Juden auch stets vorkam, wo sie aufgefordert wurden, wider die Feinde des Volkes Gottes das Schwert zu ziehen. Aber das soll nun nicht mehr also sein, und es soll auch allen Heiden Mein Evangelium - darin die Gründung des Reiches Gottes auf dieser Erde zur Beseligung aller Menschen besteht - gepredigt werden. Denn es werden Zeiten kommen und sind schon da, in denen gar viele Heiden Gott näher stehen werden denn gar viele Juden, die Gott mit ihren Lippen loben und preisen, ihre Herzen aber von Ihm sehr ferne sind." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 10, Kap. 145, V. 11-12 )



Und an anderer Stelle in der Neuoffenbarung heißt es hierzu weiter: "Christus kam ganz arm und klein und anscheinend schwach zur Erde, gab nahe volle dreißig Jahre ( außer bis zu Seinem zwölften ) kein Zeichen vor den Augen der Großen von Sich, sondern arbeitete schwere Arbeiten, war samt Josef ein Zimmermann und gab Sich nachher auch noch mit dem gemeinen Proletariat ab; wie konnte in den Augen der stolzen und hochweisen Juden das der so lange erwartete Messias sein? "Weg mit solch einem Gotteslästerer, mit solch einem Magier, der seine Taten nur mit der Hilfe des Obersten der Teufel ausführt! Solch ein allergemeinster, übers Eichenholz grober und roher Zimmermannsgeselle, der irgendwo mit der Satanshilfe zaubern gelernt hat, barfuß einhergeht und des allerhundsgemeinsten Gesindels Freund ist, mit ihm herumgeht, Huren annimmt und mit öffentlich zu bekannten Sündern isst und trinkt und somit durch sein Tun und Lassen dem Gesetze offenbarlichst widerstrebt, der soll Christus, der verheißene Messias sein?! - Nein, nimmermehr sei eine solch gotteslästerliche Idee in uns!"

Das war das Urteil der hohen und weisen Juden über Mich bei Meiner fleischlichen Vollgegenwart auf der Erde; und das haargleiche Urteil besteht noch zur Stunde über Mich unter Millionen, die durchaus von einem sanftmütigen, herablassenden und Sein Wort haltenden Gott nichts hören wollen! Ihr Gott muss erstens sehr hoch über allen Sternen wohnen und vor lauter endlosester Erhabenheit nahe gar nicht existieren; geringere Dinge als Sonnen darf Er gar nicht erschaffen, so Er ein würdiger Gott sein will! Zweitens darf Er Sich nicht unterstehen, irgend eine und schon am allerwenigsten die menschliche Gestalt zu haben, sondern muss bloß so irgend ein unbegreifliches Unding sein! Drittens darf, so doch Christus Gott sein könnte, Er Sich nur Menschen vom Fache, nur gewissen Sozietäten, Konzilien, außerordentlichen Pietisten, mit einem so genannten Heiligenschein umgebenen Zeloten und vollendeten Tugendhelden durchs innere lebendige Wort mitteilen, und einem also Beglückten aber auch alsogleich die Macht, Berge zu versetzen, erteilen; sonst ist es rein nichts mit der göttlichen Mitteilung und Offenbarung Christi!

Einem Laien oder etwa gar einem Sünder darf Sich der Herr Jesus nimmer mitteilen; denn in solchem Falle ist dann die Offenbarung schon verdächtig und wird nicht angenommen gleicherweise, wie auch Ich Selbst von den hohen Juden nicht angenommen ward, weil Ich vor ihren stolzen und ruhmsüchtigen Augen viel zu wenig göttlich nobel aufgetreten bin; aber - das tut nichts! Nur das Zeugnis Johannis ist gültig! Die Welt bleibt sich stets gleich und ist fort und fort die Wüste zu Bethabara, allwo Johannes sein Zeugnis gab. - Aber auch Ich bleibe Mir stets gleich und erscheine allzeit bei den Menschen zur Unterdrückung ihres Hochmuts und zur Belebung der wahren Demut und Liebe stets so, wie Ich den Juden erschienen bin. Wohl allen, die Mich also erkennen und aufnehmen, wie Mich der Johannes erkannt und aufgenommen hat laut seines Zeugnisses, das er Mir vor den Augen und Ohren der stolzen Priester und Leviten aus Jerusalem gab zu ihrem großen Ärger!" ( Gr. Ev. Joh., Bd. 1, Kap. 5, V. 15-20 )

Die Menschen hatten damals ( für ihren Messias ) die Vorstellung von einem unüberwindbaren Machtmenschen, der den Thron Davids wieder aufrichten und das Volk der Juden an die Spitze der Herrschaft über alle Völker führen würde. Nur dieser einfache Mann auf einem Esel reitend ( als Zeichen der Demut ), der allen Menschen freundlich und voller Liebe gegenüber trat ( auch den Römern ) und der keinerlei Anzeichen machte, die römische Besatzungsmacht mit Gewalt aus dem Lande zu vertreiben, dieser Mann konnte doch nicht der Messias sein, der Erlöser Israels.

Hierzu heißt es in der Neuoffenbarung: "Wohl wird der Messias ein neues Reich gründen auf dieser Erde, aber - merke es wohl! - kein materielles unter Krone und Zepter, sondern ein Reich des Geistes, der Wahrheit, der rechten Freiheit aus der Wahrheit, unter der alleinigen Herrschaft der Liebe!

Die Welt aber wird berufen werden, in dies Reich einzugehen. Wird sie dem Rufe folgen, so wird das ewige Leben ihr Lohn sein; wo sie aber dem Rufe nicht folgen wird, so wird sie zwar bleiben, wie sie ist, aber am Ende wird sie überkommen den ewigen Tod!" ( Gr. Ev. Joh., Bd. 1, Kap. 62, V. 5-6 )

Die Vorstellung der meisten Menschen zur Zeit Jesu war leider anders gepolt: Sie glaubten nicht an ein Fortleben nach dem Tode, da ihre Religion diesseitig orientiert war. Sie glaubten, dass ein Lebensweg mit Gott und die Erkenntnis Gottes in sich selbst die Erfüllung des Menschseins sei - hier und jetzt. Sie erwarteten nicht, dass das in einer jenseitigen Welt passieren würde ... und rechneten deshalb auch nicht mit "himmlischen Luftschlössern" nach dem Tode. Es gab für sie keine himmlische Belohnung dafür, dass man beim irdischen Wettrennen gut abgeschnitten hat.

Logische Konsequenz dieser Lebenseinstellung war es, dass Lohn und Strafe im Diesseits erwartet wurden, nicht erst im Jenseits. Gutes Betragen wurde belohnt und schlechtes Benehmen wurde bestraft - nicht nach dem Tode, sondern in diesem Leben.

Und so wie die Menschen damals in Bezug auf ein Leben nach dem Tode und in ihrer Vorstellung vom Messias dachten, genauso fehlinterpretieren viele Christen noch heute diejenigen Hinweise in der Bibel, die sich auf die Wiederkunft Christi beziehen. Auch diese werden in ihrer Darstellung erneut wieder zu diesseitig und zu wortwörtlich und damit nicht geistig verstanden.



Im "Großen Evangelium Johannes" heißt es deshalb hierzu: "Ich werde bei Meiner zweiten Wiederkunft nicht mehr aus einem Weibe irgendwo wieder als ein Kind geboren werden. Denn dieser Leib bleibt verklärt so wie Ich als Geist in Ewigkeit, und so benötige Ich nimmerdar eines zweiten Leibes in der Art, wie du das gemeint hast.

Ich aber werde zuerst unsichtbar kommen in den Wolken des Himmels, was so viel sagen will als: Ich werde vorerst Mich den Menschen zu nahen anfangen durch wahrhaftige Seher, Weise und neuerweckte Propheten, und es werden in jener Zeit auch Mägde weissagen und die Jünglinge helle Träume haben, aus denen sie den Menschen Meine Ankunft verkünden werden, und es werden sie viele anhören und sich bessern. Aber die Welt wird sie für irrsinnige Schwärmer schelten und ihnen nicht glauben, wie das auch mit den Propheten der Fall war." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 9, Kap. 94, Vers 2-3 ) Hinweis: Die Mägde, die zur Zeit der Apostel vor circa 2000 Jahren weissagten, waren zum Beispiel die vier Töchter des Evangelisten Philippus. ( Apostelgeschichte 21, 9 )

Zusammengefasst heißt dies: Jesus Christus wird "zuerst unsichtbar kommen in den Wolken des Himmels", um anzukündigen, dass Er "nahe an 2000 Jahren" ( Gr. Ev. Joh., Bd. 8, Kap. 46, Vers 3 ) nach Seiner Erdenzeit wieder erneut kommen wird: Gott, der Herr, tritt hier aus Seiner himmlischen Verborgenheit heraus und kehrt persönlich auf diese Welt zurück.



Diese Wiederkunft Christi ist der "Einbruch" der jenseitigen Welt in die diesseitige Welt ... und somit die "Öffnung" der jenseitigen Welt, die für die diesseitige Welt offenbar wird. Hierzu heißt es in der Neuoffenbarung: "Frage du aber nicht viel um den Beginn des "Tausendjährigen Reiches auf Erden"! Denn ein solches wäre ja ein Gottesreich mit äußerem Schaugepränge! – Ein wahres Gottesreich aber kann es nimmer geben in der Materie, sondern allein nur im Geiste. – Und so kommt das "Tausendjährige Gottesreich" nicht irgend äußerlich beschaulich, sondern ganz still und prunklos in den Herzen der Menschen, die eines guten Willens sind. Frage auch nicht: wann und wie? – Denn die Ankunft des "Tausendjährigen Gottesreichs" ist die allzeitige und stets gleiche, volle Wiedergeburt des menschlichen Geistes." ( Himmelsgaben, Bd. 2, Kundgabe v. 27.12.1850, Vers 5-6 )

Im Neuen Testament heißt es prophetisch über diese Zeit vor der Wiederkunft Christi ( Apostelgeschichte 2, 17 ): "Und es soll geschehen in der Endzeit, spricht Gott, da will Ich ausgießen von Meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben ..."

Und in dem "Großen Evangelium Johannes" heißt es über diese Endzeit: "Von nun an werden nahe volle 2000 Jahre hindurch zahllos viele Seher und Propheten erweckt ... und gegen Ende der angezeigten Zeit werde Ich auch stets größere Propheten erwecken, und mit ihnen werden auch die Gerichte sich mehren und ausgedehnter werden.



Da werden auch kommen große Erderschütterungen und sehr verheerende Stürme der Elemente, große Teuerungen, Kriege, Hungersnot, Pestilenz und noch viele andere Übel, und, wie Ich schon vorhinein bemerket habe, der Glaube wird - außer bei höchst wenigen - nicht unter den Menschen sein, die im Eise des Menschenhochmutes ganz erkalten werden, und ein Volk wird ziehen wider das andere. Es werden die Menschen auch gewarnt werden durch Seher und besondere Zeichen am Firmamente, woran sich aber nur die wenigen Meinen kehren werden, während die Weltmenschen das alles nur für seltene Wirkungen der Natur ansehen werden.

Aber darauf wird geschehen eine allergrößte Offenbarung durch Meine abermalige Darniederkunft auf diese Erde. Aber dieser Offenbarung wird auch schon vorangehen ein allergrößtes und schärfstes Gericht und nachfolgen eine allgemeine Sichtung der Weltmenschen durchs Feuer und sein Geschoss, auf dass dann Ich Selbst eine ganz andere Pflanzschule für wahre Menschen auf dieser Erde werde errichten können, die dann dauern wird bis ans Ende der Zeiten dieser Erde." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 6, Kap. 150, Vers 14-17 )

Und an anderer Stelle heißt es: "Ich, der Herr, werde die Erde auf allen Orten und Punkten mit allerlei Gericht und Kalamitäten, als durch gewaltige Kriege, durch große Teuerung und Hungersnot, durch allerlei Pestilenz unter den Menschen und Tieren, durch große Erdbeben und andere Erdstürme, durch große Überschwemmungen und auch durch Feuer heimsuchen. Aber die Meinen werde Ich in der Liebe erhalten, und sie werden an nichts Mangel zu erleiden haben. Wer Mich aber nun in dieser Meiner zweiten Ankunft wird wie und wo immer zu verfolgen trachten, den werde Ich von der Erde zu vertilgen verstehen ...

Und nun begnüget euch vorderhand mit dem, was Ich euch gegeben habe und arbeitet fleißig am "Johannes" ( gemeint ist hier wohl "Das Große Evangelium Johannes" ). Denn in dem werdet ihr noch zu einer Überfülle des inneren Lichtes gelangen. Hat aber jemand etwas für sich, das er wissen möchte, so mag er fragen, und Ich werde bereit sein, ihm darüber ein kurzes und helles Licht zu geben." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 25.04.1864, Vers 21-22+24 )



Und im Alten Testament heißt es hierzu ( Psalm 25, 8-10 ): "Gut und zuverlässig ist der Herr: Den Sündern zeigt Er den richtigen Weg. Den Entrechteten verhilft Er zu ihrem Recht und lehrt sie, Seinen Willen zu erkennen. Alles, was der Herr tut, ist Güte und Treue für die, die Seinen Bund achten und Seinen Weisungen gehorchen."

Die An- und Wiederkunft Christi ereignet sich demnach nicht in einer Revolution, bei der sich die Volksbefreier in Uniformen mit Waffen, Streit- und Schmähschriften, Alkohol und Zigarre, Fahnen und frecher Musik gefallen. Denn schon Jesaja ( 42, 1-4 ) sagte voraus, dass der Messias weder streiten noch schreien und Seine Stimme auf den Straßen nicht gehört werden würde. Mit anderen Worten, Er würde kein politischer Volksverhetzer sein, der das Volk aufwiegelt: Dieser König, der Gottes Knecht ist, wird Seinen rechtmäßigen hoch angesehenen Platz nicht durch die normalen Mittel fleischlicher Gewaltanwendung oder berechnender Volksverführung an sich reißen und auch nicht durch die übernatürlichen Mächte, die Ihm zur Verfügung standen, einnehmen. Denn Gott will freiwilligen Gehorsam, der auf dem wahren Verständnis Seiner Lehre beruht. Es heißt: "Es besteht nirgends eine Macht in den Händen eines irdischen Herrschers, außer die Macht aus Mir. Daher soll auch jedermann dem rechtmäßigen Kaiser oder König gehorchen." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 21.05.1848, Vers 5 )

Und zum besseren Verständnis dieser Worte spricht der Herr an anderer Stelle über Jakob Lorber zu Andreas Hüttenbrenner ( 1797-1869 ), dem Bruder von Anselm Hüttenbrenner und Bürgermeister von Graz ( 1844–1850 ): "Halte weder mit der alten Dynastie, noch mit den alten Gesetzen und schon gar nicht mit den Aristokraten, welche ein alter Krebsschaden in der Menschheit sind; sondern halte nun fester als je mit Mir und mit dem Volke, dessen Not dir mehr als jemand anderem bekannt ist." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 23.07.1848, Vers 3 )


Das Grazer Rathaus am Hauptplatz


Die großen Themen des Neuen Testaments bauen auf denen des Alten auf und führen doch über sie hinaus. Heilsgeschichtlich betrachtet, ist das Neue Testament die Vollendung und der Zielpunkt des Alten. Vom Umfang her ist es nur ein kleiner Teil der Gesamtbibel; aber es ist jener Teil, der alles letztgültig auf den Punkt bringt.

Die Geschichte von der Rettung des Menschengeschlechts durch Gott vollendet sich in der Geschichte Jesu, dessen Name "Jahwe rettet" bedeutet. Alle Worte der Bibel zielen auf das fleischgewordene Wort: Auf Christus, den Herrn.

Für gewöhnlich spricht man von zwei Mystikern des Neuen Testamentes als Mystikern im eigentlichen Sinne und nennt dann Paulus und Johannes. Man kann sagen, dass sich die Mystik, die Christusmystik des Neuen Testamentes, bei ihnen in besonderer Weise ausprägt und dass die spätere Mystik der Kirche vor allem auf der Paulus- und Johannesmystik fußt. Paulus und Johannes sind die am meisten mystisch befähigten neutestamentlichen Autoren. Das ist für viele Christen keine Frage.

Als Hauptbeleg für die Lehre von der mystischen Einigung mit Gott galt den katholischen Mystikern von jeher die Stelle 1. Korinther 6, 15–20. Da heißt es: "Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit Ihm ( Vers 17 ) ... wisst ihr nicht, dass eure Glieder Tempel des Heiligen Geistes sind, der in euch wohnt ( Vers 19 ) ... Verherrlicht also Gott in eurem Leibe ( Vers 20 )."

Die Einwohnung Gottes im Menschen ist zunächst der Zustand der heiligmachenden Gnade, also noch nicht Mystik; sie wird aber zum mystischen Erleben, wenn sich das Erfülltsein von Gott mit dem Wachstum der Erkenntnis und der Liebe mehr und mehr entfaltet, wozu sich dann das innere Zeugnis des Geistes gesellt, der sich gemäß dem Galaterbrief in besonderen Früchten des Geistes kundtut, nämlich in "Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Langmut ( und ) Sanftmut" ( Galater 5, 22 ) woran die Galater erkennen können, ob sie vom Geist geleitet sind.


Die Altstadt von Graz


Die Qualität des Mystischen kann man auch erkennen, wenn im Galaterbrief davon die Rede ist, dass der Geist in den Gläubigen ruft "Abba, Vater" ( Galater 4, 6 ), oder wenn im Römerbrief davon die Rede ist, dass derselbe Geist "in uns mit unaussprechlichen Seufzern" ( Römer 8, 26 ) betet.

Der Hebräerbrief spricht in diesem Zusammenhang von denen, die "einmal erleuchtet, die himmlische Gabe geschmeckt ... und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden, das herrliche Wort Gottes und die Kräfte der künftigen Welt gekostet haben" ( Hebräer 6, 4-5 ).

Der Urheber dieser mystischen Erfahrungen ist der Heilige Geist, so lehrt das Neue Testament nachdrücklich, der Heilige Geist, der den Gläubigen verheißen wurde und sie gemäß Johannes 14, 26; 15, 26 und 16, 13 in die ganze Wahrheit einführen soll.

Und trotz aller inneren Vereinigung mit Gott, dem Kernerlebnis der Mystik, und dem anschließenden Frucht-Bringen in der Liebe kannten doch einige Evangelisten - so nimmt man heute an - "Evangelien", die bereits vor ihnen geschrieben worden waren. Matthäus, Markus und Lukas enthalten auffällig viel Material, das sehr ähnlich ist. Zweifelsohne muss einer vom anderen abgeschrieben haben. Heute mag man so etwas "Plagiat" nennen; aber diese Autoren sahen die guten Nachrichten von Jesus Christus als gemeinsamen Erbbesitz der gesamten christlichen Gemeinde an.

Beim "Entleihen" der Geschichten veränderten die Autoren häufig gewisse Einzelheiten, um sie in ihr spezielles Konzept einzupassen. Und auch darin sahen sie nichts Verwerfliches. Beispielsweise enthalten alle vier Evangelien eine Geschichte über die Taufe Jesu Christi durch Johannes, aber alle erzählen sie ein wenig anders.

Einen weiteren Unterschied der Evangelien erfährt man beim Zeitpunkt der Geistausgießung. Im lukanischen Bericht liest man hierzu, dass Jesus Christus Seinen Jüngern verspricht, der Heilige Geist würde ihnen einige Zeit nach Seiner Himmelfahrt gegeben werden. Im Johannes-Evangelium wird einem hingegen ein etwas anderes Bild gezeigt. Man erfährt in Johannes 20, 22, wie Jesus Christus schon kurz nach der Auferstehung den Heiligen Geist weitergibt. Welches dieser Bilder ist nun richtig?

Man kann sich über solche und ähnliche Fragen den Kopf zerbrechen, bis man sich erinnert, dass die Evangelien nicht an historisch exakten Berichten von den Ereignissen interessiert waren. Es ging ihnen um die geistliche Wahrheit, und sie benutzten die Fakten der Geschichte so, wie sie sich vielleicht 30 oder 40 oder 50 Jahre später an sie erinnerten, um die geistliche Wahrheit zu beschreiben, die in ihrer Mitte immer präsent und lebendig war.


Salve Regina
( Gegrüßet seist du, Königin )



Als Jesus Christus starb, hatten die Apostel den Heiligen Geist noch nicht. Denn sie alle verließen Jesus Christus am Kreuz. Sie waren demoralisiert. Ihre Überzeugung war schwach. Sie hatten kein Ziel und keine Vision. Aber kurze Zeit später waren sie wie verwandelt.

Sie waren von innen heraus verändert ... Sie handelten und lebten ( und redeten nicht nur ) auf neue Weise. Diese lauen Nachfolger fingen an, wie Menschen zu handeln, die Feuer gefangen hatten. Oder wie sie die Apostelgeschichte beschreibt ( Apostelgeschichte 17, 6 ): "Diese Leute versetzen die ganze Welt in Aufruhr."

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund des Neuen Testaments erfolgt auch die An- und Wiederkunft Christi - gemäß der Neuoffenbarung - allein in der Freude an der geistlichen Wahrheit, der Ordnung und ehrlicher Sitten. Nur hier ist der rechte Fortschritt des Geistes zu erwarten. Und so heißt es: "Nur eines tut Not, nämlich rechte Liebe und ein wahres Licht; alles andere wird sich von selbst geben." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 19.03.1848, Vers 9 )

Vorbereitend vollzieht sich demnach die An- und Wiederkunft Christi in einem besseren und rechten Verständnis der Lehre Christi und in einem Leben nach Seiner Ordnung. Mit der Veröffentlichung der Werke der Neuoffenbarung wird eine ( geistige ) "Friedenssonne" ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 14.06.1848, Vers 10 ) auf dieser Erde aufgehen, denn schließlich fehlt es der Welt vor allem am "geistigen" Licht. Aus diesem Grund schreibt auch Emanuel Swedenborg ( im Jahre 1771 ), "dass der Herr vor einigen Monaten Seine zwölf Jünger, nun Engel, zusammenberufen und sie in die ganze geistige Welt ausgesandt hat, mit dem Auftrag, das Evangelium von Neuem daselbst zu predigen, weil die vom Herrn durch sie gegründete Kirche gegenwärtig so sehr zu ihrem Ende gelangt ist, dass kaum noch einige Überreste von ihr vorhanden sind." ( Wahre Christliche Religion, Nr. 4 )

Und weiter heißt es an anderer Stelle bei Swedenborg: "Die Neue Kirche auf Erden nimmt gemäß der Zunahme in der Geisterwelt zu. Denn die Geister von dort sind bei den Menschen und sind aus denjenigen, welche im Glauben ihrer Kirche waren, während sie in der Welt lebten. Und keine andere von ihnen nehmen die Lehre an als solche, die in einer Neigung für die geistige Wahrheit sind. Sie allein sind mit dem Himmel verbunden, und verbinden den Himmel mit den Menschen. Ihre Zahl in der Geisterwelt nimmt jetzt täglich zu. Deshalb nimmt diese Kirche, welche das Neue Jerusalem genannt wird, der Zunahme jener gemäß, auf Erden zu." ( Apocalypsis Explicata, Nr. 732 )

Die Neue Kirche wird demnach zuerst nur unter wenigen gebildet. Doch die Menschheit wird durch das ständige neue Einwirken der geistigen Welt auf immer höhere Bewusstseinsstufen erhoben. Emanuel Swedenborg schreibt hierzu: "Dass die göttliche Vorsehung des Herrn es so leitet, dass die Kirche zuerst nur unter wenigen ist, nach und nach aber unter mehrere kommt, hat seinen Grund darin, dass das Falsche der vorherigen Kirche erst entfernt werden muss." ( Enthüllte Offenbarung, Nr. 547 )

In diesem Sinne spricht auch ein Oberbefehlshaber der Römer zu Jesus: "Wie aber Deine wahrlich heilige Lehre sich auf einem möglichst hindernisreichen Wege die Bahn brechen wird in der Nacht, in der nun die Menschheit begraben liegt, das ist mir noch so unklar wie ehedem! Auf einem rein wunderbaren Wege würde sie nach Deiner eigenen Aussage den Menschen nicht viel nützen, weil sie auf diese Weise aus den frei werden und sein sollenden Menschen nur Maschinen machen würde; auf dem ganz natürlichen Wege aber wird sie viel Blut kosten und eine überlange Zeit brauchen! Ja, ich möchte nahe mit Gewissheit behaupten, wenn ich auch keine prophetische Gabe besitze, dass, wie ich die Menschheit so ziemlich weit und breit in Asien, Afrika und Europa herum kenne, von nun an gerechnet, in 2000 Jahren noch lange nicht die Hälfte der Erdenmenschen sich im Lichte dieser Deiner Lehre sonnen wird! – Habe ich recht oder nicht?"

Daraufhin antwortet Jesus Christus: "Da hast du im Grunde durchaus nicht unrecht. Aber es liegt im Allgemeinen auch nicht soviel daran als du meinst. Denn es handelt sich hier nicht so sehr um die allgemeinste Annahme Meiner Lehre auf dieser Erde, als vielmehr um die durch Meine gegenwärtige Darniederkunft und durch Mein Wort und Meine Lehre endlich einmal errichtete Brücke zwischen dieser materiellen und jener geistigen Welt, deren ewige Gefilde jenseits des Grabes liegen!

Wer Meine Lehre diesseits vollernstlich annehmen wird, der wird diese Brücke schon im Leibe überschreiten. Wer aber auf der Erde Meine Lehre entweder lau, unvollständig oder auch gar nicht annehmen wird, der wird in großer Nacht in jener Welt anlangen, und es wird ihm sehr schwer werden, diese Brücke zu finden!

Den Menschen aber, die nie in den Stand kommen sollten, noch diesseits von Meiner Lehre etwas zu erfahren, werden jenseits Führer gegeben werden, die sie zu dieser Brücke leiten werden. Werden die von Meiner Lehre noch nichts wissenden Geister den Leitern folgen, so werden sie auch über diese Brücke kommen zum wahren ewigen Leben; werden sie aber hartnäckig bei ihrer Lehre verbleiben, so werden sie aus ihrem Lebenswandel nach ihrer Lehre bloß geschöpflich gerichtet werden und werden zur Kindschaft Gottes nicht gelangen!" ( Gr. Ev. Joh., Bd. 1, Kap. 81, V. 9-12 )

Und weiter heißt es: "Über die Erde geht nun eine geistige Sündflut, wie einst vor viertausend Erdjahren zu den Zeiten Noahs eine materielle gegangen ist. Jene tötete das Fleisch, und diese tötet aber beides, das heißt Seele und Leib ... Und diese Flut ist wie ein Feuer – und ist ebendasselbe Feuer, von dem es geschrieben steht ( 2. Petrus 3, 7 ), dass die Welt durch dasselbe zum zweiten Male wird gerichtet werden allgemein ... Fället aber über niemanden ein Urteil, sondern überlasset alles Mir allein, so werdet ihr euch in Meiner Friedensarche befinden, in der euch nichts Arges dieser Zeit wird erreichen können." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 17.09.1848, Vers 2-3+6 )

Obwohl die Menschen zur Zeit Noahs vor der kommenden Flut gewarnt wurden, lebten sie, als ob ihnen die Flut nichts anhaben könne. Als sie dann kam, waren sie unvorbereitet und außerhalb des einzigen sicheren Ortes, der Arche. Genauso wird es sein, wenn Jesus Christus wiederkommen wird. Nur diejenigen, die in Jesus Christus sind, in der sicheren Arche, werden während der schrecklichen "Zeit der Bedrängnis Jakobs" ( Jeremia 30, 7 ) gerettet werden ( Matthäus 24, 37-39 ).

Vor diesem Hintergrund ( "der geistigen Sündflut" ) geht es in der Neuoffenbarung immer wieder um eine geistige Auslegung des Wortes in der Bibel. Wenn es dort ( zum Beispiel im Neuen Testament ) heißt ( Matthäus 24, 27 ): "Denn gleichwie ein Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes", so heißt es hierzu in der Neuoffenbarung: "Die Wissenschaft und Künste werden ( in der Zeit Meiner Wiederkunft ) ein Blitz sein, der vom Aufgange bis zum Untergange alles hell beleuchtet, was da auf der Erde ist. Unter dem "Aufgang" versteht man das Geistige, unter dem "Untergang" aber alles Naturmäßige." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 9, Kap. 91, Vers 9 )

Und im Neuen Testament spricht Jesus weiter ( Matthäus 24, 30-31 ): "Sie werden den Menschensohn kommen sehen in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und Er wird Seine Engel mit der Posaune senden mit großem Schalle und sie werden Seine Auserwählten von den vier Winden von einem Ende des Himmels bis zum andern zusammenbringen."


Die Jungfrau von Guadalupe


Gemäß der geistigen Auslegung der Neuoffenbarung meinen diese Worte Jesu, dass zur Zeit der Wiederkunft Christi die auf Erden lebenden Auserwählten gerufen werden. Diese werden in der letzten Zeit von Engeln ( dies sind die Boten Gottes beziehungsweise im Geist von Gott erweckten Menschen ) durch Reden und Schriften gesammelt in die gleiche Sphäre der wahren Erkenntnis und Liebe, damit der Herr bei Seinem persönlichen Kommen mit ihnen als Seine Braut Hochzeit halten kann ( Offenbarung 19, 17-18 ).

Diese Engel sammeln - nach der Neuoffenbarung - in der letzten Zeit nicht bloß die schon Guten, sondern auch viele, die noch geistig tot, aber noch besserungsfähig sind. Diese wecken sie mit ihren Reden und Schriften, die man mit gewaltig tönenden Ausrufposaunen vergleichen kann, aus den Gräbern ihrer Geistesnacht, so dass sie auch noch den Auserwählten der Brautgemeinde beigezählt werden können.

Im Alten Testament spricht hierzu der Prophet in der "Talebene, die angefüllt war mit Gebeinen" ( Hesekiel 37, 9-10 ): "Da sprach Er zu mir: Also spricht der Gebieter und Herr: Von den vier Windrichtungen komme, o Geist, und blase diese Getöteten an, dass sie leben! Ich tat meinen Spruch wie befohlen. Da strömte der Geist in sie hinein; sie erwachten zum Leben und stellten sich aufrecht, eine überaus große Heerschar."

Vor diesem Hintergrund spricht der Herr in einer Kundgabe über Gottfried Mayerhofer: "Nur einem kleinen Kreis Meiner wirklichen Jünger wird es im Anfang zuteil werden, Mich als zurückkehrenden Jesus, aber auch als Gott, Herrn und Schöpfer des Unendlichen ertragen und erkennen zu können. Diesen werde Ich erscheinen und werde ihnen, wie einst Meinen Jüngern auf dem Berg in Galiläa, zurufen:

"Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden! Gehet hin, lehret die Völker und taufet sie, das heißt: Weihet sie alle ein in diese Lehre im Namen der göttlichen Dreieinigkeit, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Lehret sie aber auch halten, das heißt: In Taten ausüben, was ihr selbst als Wahres erkannt habt, und seid versichert, dass Ich bei euch sein werde von Anfang bis in alle Ewigkeit! Amen."

So wird der Ruf an die kleine Schar ergehen, die Ich auserlesen habe zur weiteren Verbreitung Meiner göttlichen Worte, welches Ich einst als Mensch mit Meinem Blut erkauft und besiegelt habe. So wird es geschehen, dass auch diese Neuerwählten, wie einst Meine Jünger, als Wiedergeborene mit aller Macht von Mir ausgerüstet werden, um ihre Worte durch Taten zu bekräftigen und Mir den Weg zu ebnen, damit Ich nur Mir zugewandten, aber nicht entfremdeten Herzen begegne.

Jetzt schon ist Mein Darniederkommen eingeleitet, indem Ich, wenn auch nicht sichtbar, doch schon geistig einwirke, um Mir eine Anzahl Jünger zu bilden, welche die Wege ebnen sollen. Und was die Aufgabe Meiner Jünger in jener Zeit war, was Meinen Auserwählten damals bei Meiner sichtbaren Ankunft aufgetragen wurde, das müssen Meine jetzigen Anhänger geistig vollführen." ( Predigten des Herrn, Predigt Nr. 27 )

Der Stein, den Gott mit der Neuoffenbarung ins Rollen gebracht hat, der muss weitergerollt werden, damit er weitere anstößt und eine alles und alle umfassende Bewegung daraus entsteht. So hat sich Jesus vor circa 2000 Jahren zwölf Menschen ausgesucht und sie zu Seinen Jüngern gemacht. Es waren einfache Menschen, die Er regelrecht angelernt hat und die von Ihm einen eindeutigen Missionsauftrag erhalten haben.

Die zwölf Jünger waren das Fundament der Urkirche, sie sind direkt von Jesus beauftragt worden, der Welt in Worten und Taten Sein Wort zukommen zu lassen. Dabei war ihnen Jesus geistig so nahe wie das Hemd auf ihrer Haut, der Atem, der in sie hineinströmte, die Sonne, die sie durch und durch erwärmte ... und so geht es auch in der Neuoffenbarung nicht nur um eine rein-geistige Auslegung, sondern auch um eine emotionale Annäherung an Jesus Christus: Der Leser wird beim Lesen der Neuoffenbarung zurückversetzt in die Zeit Jesu Christi und erlebt noch einmal Seine mit den Menschen geführten Dialoge mit: Alles wird - nach circa 2000 Jahren - lebendig und anschaulich vor Augen gestellt. Dabei wird das Leben Jesu Christi in jenen Einzelheiten geschildert, die im Neuen Testament nur angedeutet oder ausgelassen worden sind, und von denen es heißt ( Johannes 21, 25 ): "Es sind auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. So sie aber sollten eins nach dem anderen geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären."

Vor diesem Hintergrund wird vom Alten über das Neue bis hin zum "Dritten Testament" eine weitere Tendenz erkennbar: Während die Religion des Alten Testamentes ( im Unterschied zu der des Neuen ) stärker die Transzendenz Gottes betont, tritt mit der Neuoffenbarung ( gegenüber der Altoffenbarung, dem Alten und dem Neuen Testament ) die Immanenz ( die Nähe ) Gottes erheblich in den Vordergrund, so dass Gott sogar zu einem Teil dieser Welt oder zu einem Teil des Menschen wird - wie es auch Paulus sagte ( Apostelgeschichte 17, 28 ): "Denn in Ihm leben, weben und sind wir."

Und noch ein weiteres Anliegen wird mit der Neuoffenbarung deutlich: Die Liebe vertreibt die Furcht ... und die Liebe lebt von der Überwindung der Furcht, die sich indessen immer wieder aufs Neue einstellt, einstellen muss, um dann wieder durch die Liebe vertrieben oder verwandelt zu werden.

Somit ist die Botschaft des Großen Evangeliums Johannes, in dem Gott eindeutig die Liebe ist ( 1. Johannes 4, 16 ), leichter mit dem Herzen ( Gefühl ) als mit dem Verstande zu erfassen. Es heißt hierzu in der Neuoffenbarung: "Jeder lese das Kundgegebene mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf, so wird er dadurch in seinem Leben zu einem großen Segen gelangen." ( Von der Hölle bis zum Himmel - Robert Blum, Bd. 2, Kap. 303, Vers 18 )

Diese Einstellung deckt sich auch mit der zur Zeit Lorbers veröffentlichten Gefühlstheologie des protestantischen Theologen Friedrich Schleiermachers ( 1768-1834 ). Denn in dieser Theologie ist nicht mehr die Vernunft zuständig für die Frage, ob Gott existiert, sondern allein das Gefühl. Für Schleiermacher wird der Mensch im Gefühl der vollen Abhängigkeit, im Unendlichkeitsgefühl, in der Ahnung, in der Sehnsucht, die über die Erfahrungswelt hinausweist, der Existenz Gottes inne. Er sagt sogar: "Nicht der hat Religion, der an eine heilige Schrift glaubt, sondern der, welcher keiner bedarf und wohl selbst eine machen könnte."

Und in einer Kundgabe durch Ida Kling spricht hierzu der Herr: "Nicht dass Ich geringachte den Verstand! Da müsste Ich ja Mein eigenes Werk geringachten. Ich will dir nur sagen, dass du dich nicht leiten und beherrschen lassen sollst von ihm, sondern dass du herrschest über ihn, und zwar mit deinem Herzen. Ist das Herz der Leiter deines Verstandes, so wird er dich nie irreführen, sondern dir die Weisheit und Liebe deines Vaters enthüllen." ( Vater und Kind, Seite 45 )

Wer also auf diese Weise Jesus in sein Herz aufnimmt, der hält dieses "Große Evangelium Johannes" nicht nur für ein "Erbauungsbuch" der christlichen Volksfrömmigkeit, sondern auch für ein prophetisches Werk mit folgendem Ziel ( Johannes 17, 3 ): "Das ist aber das ewige Leben, dass sie Dich, den allein wahren Gott, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen."

Dieses Streben nach der Erkenntnis Gottes wird dem gläubigen Leser der Neuoffenbarung gleichsam zur zweiten Natur: Er wird darnach trachten mit der Selbstverständlichkeit, mit der die Hand greift und das Auge sieht. Er wird nicht mehr davon ablassen, auf der Grundlage der Liebe zu Gott den neuen Bau ( die neue Arche ) zu errichten, und er wird stets darauf bedacht sein, sein Vorhaben auch in die Tat ( in der Liebe zum Nächsten ) umzusetzen.

Denn er ist berufen, in der Gegenwart Gottes zu stehen. So wird sein ganzes Sein von diesem glühenden Wunsch ( nach der Erkenntnis Gottes ) innerlich durchdrungen ... und dieser Wunsch ist die bewegende Kraft, die den ( alten ) Menschen ( geistig ) umgestaltet und damit seiner eigentlichen Bestimmung entgegenführt.

Der Leser dieser Schriften erkennt, wie dynamisch in der Neuoffenbarung alles empfunden wird, wie durchglutet von einem lodernden Feuer, das einen unwiderstehlich ( geistig ) vorwärts treibt. Und um es ganz deutlich zu sagen: Die Neuoffenbarung ist inspirierte, göttliche Schrift, die von der Wahrheit kündet und sie umschreibt. Sie ist keine Spekulation des Menschen über Gott und die jenseitige Welt, sondern Auskunft von Gott selbst, eine Kunde aus der jenseitigen Welt. Aber sie ist nicht die Wahrheit, die allein im Buchstaben zu finden ist. Vielmehr spricht der Herr im symbolischen Charakter, das heißt: Die Hauptwahrheiten werden nicht offen mitgeteilt, sondern oftmals absichtlich verhüllt dargestellt.

Hierzu heißt es erklärend: "Da wo Ich am wenigsten zu sagen scheine, da sage Ich am meisten. Und wo Ich aber am meisten zu sagen scheine, da sage Ich nur so viel, als ihr zu ertragen im Stande seid. Das sei euch ein Schlüssel zu dieser Meiner Schrift - das neue lebendige Wort." ( Psalmen und Gedichte, "Schlüssel zur Schrift" )

Das heißt: Die Neuoffenbarung ist nicht deckungsgleich mit der Offenbarung Gottes, vielmehr enthält sie diese. Die Neuoffenbarung ist - im strengen Sinn - als Ganzes nicht Offenbarung, wohl aber ist sie als Ganzes wie auch im Einzelnen inspiriert. Das bedeutet dann allerdings nicht, dass alles darin Ausgesagte die Wahrheitsgarantie Gottes hat, sondern nur die entscheidende religiöse Aussage, das, was Gott darin dem Menschen zu seinem Heil mitteilen wollte.

Wie Gott ( vor circa 2000 Jahren ) in der Verhüllung des Körpers Jesu Christi auf Erden lebte, so zeigt auch heute die Neuoffenbarung Sein Bild nicht frei und jedem Blick zugänglich, sondern nur in der Verkleidung des Buchstabens, im allegorischen Schriftverständnis. Es genügt daher nicht, beim bloßen ( äußeren ) Wortsinn stehenzubleiben, sondern es gilt, das allegorische Verständnis mit dem Herzen zu entdecken, weil dies allein die verborgenen Tiefen enträtselt. Denn wie die Schriften des Alten und Neuen Testamentes von Gott eingegeben sind ( und somit göttliche Wahrheiten enthalten ), so darf man auch davon ausgehen, dass in den Schriften der Neuoffenbarung Tieferes gemeint ist als das, was dem bloßen Wortlaut entspricht. Das heißt: Es ist noch ein tieferer Sinn zu entdecken, der von den Wörtern und Sätzen, Bildern und Umschreibungen gewissermaßen verhüllt wird. Man kann hier davon ausgehen, dass Gott in seiner Selbstbekundung nicht nur Wörter, sondern auch Menschen und handelnde Personen sowie stumme Dinge in Dienst genommen hat, dass so hinter dem buchstäblichen Sinn ein geistiger Sinn verborgen liegt. ( Dieser geistige Sinn bleibt jedoch für diejenigen verborgen, die sich allein an den Buchstaben binden. )

Wie ist aber nun die Neuoffenbarung im Vergleich zu den Evangelien des Neuen Testamentes heutzutage zu lesen? Hier erwähnt Jesus Christus als Beispiel die drei Evangelisten der "nachösterlichen Gemeinde": "Ich will weder den Lukas, Markus noch Matthäus richten; denn sie haben sich zu ihrer Zeit wenigstens die Mühe gegeben - aus dem vielen schon vielfach Verunstalteten Meiner Lehre das Reinste und Beste herauszusuchen ...

Darauf verglichen sie das mit den ihnen bekannten Stellen aus den alten Propheten und fanden es übereinstimmend, was sie geschrieben haben, und damit war für sie das Kriterium für die Wahrheit dessen, was sie niedergeschrieben haben, vollkommen fertig und gültig." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Anhang zum Johanneswerk, "Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch" )

So gesehen erfüllt sich auch mit der Neuoffenbarung, was die Bibel vorhergesagt hat. Zum näheren Verständnis gilt hier folgende Regel: Es sind die Texte der Neuoffenbarung speziell in dem Bereich, "was die materiellen Fakta anbelangt, ... ( von allem allzu Phantastischen und auch vor allem ) Wunderbaren ( zu befreien ... Erst dann zeigt sich dem Leser in der geistlichen Betrachtung ) die rechte Wissenschaft der Menschen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Anhang zum Johanneswerk, "Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch" )

Passend hierzu ist noch anzumerken, dass Paulus im 2. Kapitel des ersten Korintherbriefes betont, dass seine Rede und seine Predigt "nicht in überredenden Weisheitsworten, sondern im Erweis von Geist und Kraft" bestand, damit, wie er sagt, "euer Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruhe" ( 1. Korinther 2, 4-5 ).

Wer sich den Texten der Neuoffenbarung in dieser Weise nähert, dem wird offensichtlich, dass die Neuoffenbarung die Fortsetzung der Inkarnation und irdischen Wirksamkeit des Herrn ist: Aus ihr spricht ebenso der Geist und die Kraft Gottes wie aus den Worten Christi im Neuen Testament.

Von daher hat auch Jesus Christus zu Erdenzeiten bewusst in Gleichnissen gesprochen, um die Wahrheit profanen Blicken zu verbergen: Die Erkenntnis Gottes ist immer nur Sache einiger weniger ... aber sie wird dem geistig Betrachtenden durch die Neuoffenbarung zugänglicher gemacht.

Denn schon zur Zeit Jesu Christi erschien der auferstandene Herr den Jüngern durch "verschlossene" Türen im Abendmahlssaal ( dies ist ein allegorisches Bild dafür, dass Gott "geistig" in das Innere des Menschen eintritt ) und sprach zum zweifelnden Thomas ( Johannes 20, 29 ): "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben."



Dieses gleiche Problem, dass man den auferstandenen Jesus Christus zuerst nicht am Äußeren erkennt, trat auch bei Maria Magdalena und den Emmausjüngern nach Ostern ein. ( Auch dies ist wieder ein allegorisches Bild ... und zwar dafür, dass man die Augen des Herzens - die Liebe - braucht, um Jesus Christus wahrhaft zu erkennen: Genau dieser Herangehensweise bedarf es auch bei den Texten der Neuoffenbarung. )

Hierzu heißt es: "Allein es ist gut also. Denn wäre der Geist solcher Texte nicht so wohl verborgen, als er es ist, so wäre das Heiligste darin schon lange allertiefst entheiligt worden, was da von größtem Übel wäre für die gesamte Erde; so aber hat man nur an der Rinde genagt und konnte zum lebendigen Heiligtume nicht gelangen. Nun aber ist es an der Zeit, den wahren innern Sinn solcher Texte zu zeigen allen, die da würdig sind, daran teilzunehmen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 1, Kap. 1, Vers 2-3 )

Wer im Urlaub beginnt, "Das Große Evangelium Johannes" zu lesen, dem wird es gelingen, die irdischen Sorgen "wegzupusten" und den Ehrgeiz ( nach weltlicher Anerkennung ) locker zu nehmen. Denn in diesem Evangelium ist es auch erlaubt, einfach seinen "Urlaub mit Jesus Christus" zu genießen: Die vergänglichen Formen dieser Welt werden dabei - wie im Gebet - mit den unvergänglichen des Himmels ausgetauscht, das heißt Jesus Christus wird nun zum Mittelpunkt des Lebens: Er beruft die Menschen und führt sie zusammen, damit diese von Ihm etwas über die Erkenntnis Gottes lernen. Es heißt hierzu im Neuen Testament ( Johannes 1, 18 ): "Gott hat niemand jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der an der Brust des Vaters ruht, der hat Ihn uns verkündigt."

Dabei vergisst die Neuoffenbarung auch nie zu erwähnen, dass es nicht darum geht, der Welt zu entfliehen beziehungsweise Unterschiede in der Welt zu stilisieren und das Extreme zur Norm zu machen. Um es klar zu sagen: Es geht hier nicht um eine selbstbezogene ( und kleingeistige ) "Entweder-Oder-Logik". Denn es heißt vielmehr: Die Liebe und der Glaube sind die notwendigen Ausgangspunkte der geistigen Entwicklung. Da beide sich auf dem Geist Gottes gründen, sind sie laut der Neuoffenbarung auch die Grundlagen zur Erlösung.

So genommen dient hier das "Licht der Welt" ( Johannes 8, 12 ) nicht dazu, permanent unmittelbar in diese Lichtquelle zu schauen. Denn wer direkt in eine Lichtquelle schaut, wird entweder geblendet oder er muss die Augen zukneifen. In jedem Falle sieht man in der Folge nichts. Doch dreht man diese Lichtquelle auf die anderen, dann wird einem der Sinn klar, was diese Metapher eigentlich bedeutet: Erst wenn man eine Lichtquelle dazu nutzt, das eigene Umfeld auszuleuchten ( oder anzustrahlen ), dann erfüllt sie ihren wohltuenden Zweck.

Erst in dieser Funktion der Lichtquelle wird der wohltuende Unterschied zwischen Licht und Finsternis ( oder Halbdunkel ) deutlich. Ansonsten bleibt diese Lichtquelle folgenloser Selbstzweck. Das heißt: Wenn Christen etwas ausstrahlen, dann sollte eigentlich ihr Umfeld in ein anderes beziehungsweise besseres Licht gerückt werden. Dann sollte das Beste an den anderen sichtbar gemacht werden ( und nicht an einem selber ) ... Nur in diesem Sinne beruht alle Erlösung auf ein Leben im Geiste Gottes.

Von daher lässt sich "Das Große Evangelium Johannes" auch keineswegs in einem Stück herunterlesen. Vielmehr sollte man sich Zeit nehmen, um das Gelesene nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen hin- und herzuwenden. Die Anstrengung lohnt sich, hat man es doch mit einem Evangelium zu tun, dessen Einsichten einen erleuchten und einen mit einem neuen Blick auf die Welt ausstatten.

Vor diesem Hintergrund kann man sagen: Wie wohltuend ist es doch, Gott in der Neuoffenbarung gefunden zu haben. Denn ein tugendhafter Mensch gleicht, wenn er allein und ohne geistliche Begleitung ist, einer vereinzelten, brennenden Kohle: Sie wird nach kurzer Zeit eher erkalten als weiterglühen. Mit diesem einfachen Bild unterstreicht der Mystiker Johannes vom Kreuz ( 1542-1591 ) die Bedeutung der geistlichen Begleitung.

Weil Menschen ohne fähige Begleitung sind, treten sie auf der Stelle, geben sie unterwegs auf oder bringen die Gaben Gottes nicht zur Entfaltung. Die Menschen brauchen deshalb die geistliche Begleitung, die ihnen Mut macht, für die Impulse des Geistes beweglich zu sein, und eine Stütze ist, um das, was der Geist Gottes einen schenkt, zur Entfaltung zu bringen.

"Das Große Evangelium Johannes" verfolgt auf diese Weise das Ziel, Menschen zu Jesus Christus zu führen. Beim Lesen soll man die Geburt, das Leben, das Leiden, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi kennenlernen. Auch dient "Das Große Evangelium Johannes" dazu, dass die Menschen davon überzeugt werden, dass Jesus Christus bald wiederkommen wird.

In diesem Sinne soll das hier vorliegende Kompendium eine Hilfe sein, da es wohl in der heutigen - so gehetzten - Zeit nur wenigen Menschen vergönnt sein dürfte, das gesamte Werk des "Großen Evangeliums Johannes" - es umfasst zehn Bände zu je 500 Seiten - ausführlich durchzulesen. Bei der Auswahl der Textstellen habe ich mich für diejenigen entschieden, die mich am meisten angesprochen und mir persönlich geholfen haben. Auf diese Weise, glaube ich, hat mir Gott gezeigt, welche Botschaften für Sie, liebe(r) Webseiteleser(in), wichtig sind. Möge Gott dadurch zu Ihnen reden und Sie segnen.


Fortsetzung ( Band 1 )

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